Hochwertige deutsche Unterhaltung, respektive deutsche Musik abseits von Kommerz, Klischee und Langeweile? Das geht doch nicht! Fünf Euro ins Phrasenschwein, aber der Alternative Rock Fan, der von Alev bisher noch nichts gehört hat, der hat wirklich etwas verpasst. Es geht nämlich doch.
Wobei – „Deutsche Musik“ wäre nicht ganz korrekt. Die seit nicht ganz 10 Jahren in Berlin werkelnde Truppe hat ihr Wurzelwerk eigentlich über den halben Erdball verzweigt. Russland, Frankreich, Türkei, Deutschland, Italien sind die mit den Musikern verbundenen Länder. Die mögliche Annahme, alleine der multikulturelle Hintergrund der Band würde in Zeiten zunehmend agressiver Integrationsdebatten für nicht zuletzt ideell begründeten Erfolg in den Charts genügen, schmettert die Band mit ihrem brandneuen Album zwölf Titel lang ohne mit der Wimper zu zucken ab. Auf „Black Carousel“ geht es musikalisch nur um Ehrlichkeit, um Eigenständigkeit, um Reinheit und um das weite Umfahren jedes nur erdenklichen Klischees. Aber auf gar keinen Fall um „Sieh her, Deutschland, so funktioniert musikalisches Multikulti“.
Schon im Studio standen die genannten Werte als unumstößliche Prämisse fest: Das Album wurde live eingespielt. Keine Multitrack-Masterings, keine blankgeputzten und wieder zusammengesetzten Kanäle, keine Effekte, keine künstliche Atmosphäre. Echte Stimme, echter, kleiner Raum, realistische Klangfarben. Auf der dritten Platte versammeln sich nun zwölf kleine, eigenständige Rohdiamanten, die gar nicht geschliffen werden wollen, weil sie gerade ungeschliffen erfreulich aus der Masse herausstehen. Wobei die diese Steinchen nicht besonders dicke Brummer sind – mit Spieldauern zwischen deutlich unter und nur etwas über 3 Minuten sind die Tracks ungewöhnlich kurz.
Es kümmert Alev auch nicht, dass man bei praktisch jedem Titel den Rockstil ändert. Beginnt man mit „Overloaded“ als magentief brummendem Grunge Material a la Nirvana, so landet man wenige Minuten später mit „On and On“ bei simplen, aber harmonisch dahinrockenden Alltagstönen. Einmal nicht aufgepasst und schon brettert dem Hörer bei „Eyes Wide Open“ ein reinrassiger Heavy Metal Titel inklusive Double Bass und schnellen Gitarrenparts entgegen. Weitere Beispiele? Sporadische Punkansätze bei „Everlast“, erzählerischer Charakter beim Instrumentaltitel „Zwischenstück“ oder das leicht psyhedelisch angehauchte „8“ bzw. OO (liegende Acht): Abwechslung zieht sich durch das gesamte Album, einzig gemeinsamer Nenner: Die kellertiefe Grundausrichtung der Gitarre.
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Alev – At the right Time (2008)
Der Fortgang von Sängerin „Alev“ nach dem ersten Studioalbum hat der Band neben einer ungeschwenkten Herleitung des Bandnamens (jetzt das türkische Wort für „Flamme“) übrigens nicht geschadet. Noch immer verfügt die Frontstimme, die jetzt zur Russin „Alex“ gehört, über eine gehörige Portion Kraft und Dynamik in nahezu allen Tonlagen. Wo in Gründungsbesetzung Parallelen zur Cranberries Sängerin Dolores O'Riordan hörbar waren, so sind es jetzt vereinzelte Passagen, die stimmlich an Frontfrau „Masha“ von Exilia erinnern. Sprich: Mein Wolf im Schafspelz.
Alles in allem richtig gutes, weil unverbrauchtes und eher rares Material, das sich an keine Regeln hält und keine Wünsche erfüllt oder Klischees bedient. Alev spielen, was ihnen vorschwebt und nicht, was in ist. Leichte Abstriche gibt es lediglich bei der klanglichen Wirkung des Albums zu verzeichnen. Unter dem Kopfhörer wird es schnell eng, das Frequenzspektrum ist arg knapp bemessen und eine gewisse Lautstärke ist ebenfalls notwendig, damit Alev ihre Trümpfe ausspielen können. „Black Carousel“ auf den Punkt gebracht: Echt und unabhängig.
Christoph Ermel
Bewertung: 
Highlights: Overloaded, Last Caress, Lose, Zwischenstück
Tracklist:
01. Overloaded
02. On And On
03. Eyes Wide Open
04. Lose
05. When It's Over
06. Last Caress
07. Why Do I Stay
08. Zwischenstück
09. Everlast
10. Expect
11. ∞
12. Tonight It's Gonna Be Different
Weiteres Material:
Offizielle Webseite: http://www.alevmusic.com
Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Alev_(Band)
Zum Reinhören: http://www.myspace.com/alevmusic
Aktuelle Konzerttermine:
Derzeit sind uns keine weiteren Konzerttermine bekannt.
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