Dillon - This Silence Kills (VÖ 18.11.11)

Dillon - This Silence kills

Seit Monaten schon treibt die junge Sängerin Dillon ihr hübsch undurchsichtiges Unwesen mit spärlichen Soundschnipseln und wenigen aber stets beeindruckenden Live-Auftritten. Auf diese Weise schuf Dillon so ein kleines, von der großen Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommenes Mysterium, das sie nun auch mit der Veröffentlichung ihres großartigen ersten Albums „This Silence Kills“ nicht wirklich lüftet. 


 

Gut so, denn ihre Musik, das Knistern und stille Vibrieren der einzelnen Songs und ihre gesamte Aura scheinen von dieser spröden Unnahbarkeit geradezu zu leben; auch dann wenn sie beinahe eindringlich flüstert und beschwört, in Momenten wie diesen ganz nah, sogar greifbar erscheint. Am Ende aber, nach jedem Song und jeder Zeile bleibt Dillon doch ein betörendes Wesen voller Zweifel, voller Geheimnisse.


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Derweil bleibt hinter all dem Streben der sich gerade in Lob und Anerkennung überschlagenen Musikpresse, die mit skurrilen wie hilflosen Beschreibungen all die Verborgenheit, das Ungedeutete von Dillon definieren und ausloten will, auch die unzerstörbare Hoffnung, der jungen Sängerin möge all der Wirbel um ihre zarte Person herzlich egal bleiben. Denn so unbeschwert und doch auch flehentlich, ja hingebungsvoll klingen die Songs auf ihrem Debütalbum, „Hey Beau“, die bedrückende Ballade „Your Flesh Against Mine“, oder das vom Polkasound umwehte „Tip Tapping“, dass man sich ihrer Anziehungskraft nur schwer entziehen, sie dabei noch viel weniger erklären, schon gar nicht vollends aufklären kann.

Und so wenig eben wie man die Fragen nach dem Wie und Warum letztendlich klären möchte kann man der Spur folgen, warum Dillon auf geradezu unwirkliche Weise all die Widersprüchlichkeiten anzieht, die sich zu einem stilvollen Ganzen zusammenfügen – das anmutig Brüchige in ihrer Stimme zum Beispiel inmitten der harmonischen Klänge, das taumelnde Gefühl größtmöglicher Darbietung, das Dillon mit vornehmster Zurückhaltung zu erreichen scheint. Oder muss all das gar kein Widerspruch sein, ist das nichts weiter als der unbedingte Wille von Dillon oder besser gar noch Etwas, das sich einfach so ergibt bei dieser großartigen Neuentdeckung?


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Weniger fern von dieser Welt als das was Dillon mit der Atmosphäre der einzelnen Tracks hervorruft ist dabei der eigentliche Sound des gesamten Albums. Rein musikalisch spinnt Dillon einen eher bescheidenen Soundreigen, ein zerbrechliches Netz aus feinen Pianoklängen und kaum spürbaren, elektronischen Beats, die dieses Album auf wundersame Weise stets am Laufen halten. Nie stählt sich Dillon dabei mit großen Gesten, fährt aus der Haut und hält doch den Spannungsbogen bis zum letzten Akkord fest in ihren Händen. Es ist derselbe Strang, an dem auch die Zuhörer ziehen, bis hin zum letzten Ton. Vorrangig ist es dabei ihre Stimme, in die sie all die Dringlichkeit legt, die aus den 12 Songs letztendlich das zaubert, was das Album als Ganzheit darzustellen vermag; ein völlig eigensinniges und doch stets bewegendes Popjuwel. Eines der großen und überraschenden Alben in 2011.

Marc-Alexander Jacobi

Bewertung: 4.5/5
Highlights: Tip Tapping, Thirteen Thirtyfive, Undying Need To Scream, Texture Of My Blood

Weiteres Material:
Offizielle Webseite: http://dillon-music.com/
Zum Reinhören: http://www.myspace.com/ladybirdd

Aktuelle Konzert- und Festivaltermine:
18.05.2012 - Wien, Pratersauna (AU)
20.06.2012 - Köln, diverse (D) (bei c/o pop festival)
20.06.2012 - Köln, Millowitsch-Theater (D)
22.06.2012 - Frankfurt am Main, Jahrhunderthalle (D) (bei Lüften Mouson Arts & Music Festival)
13.07.2012 - Gräfenhainichen, Ferropolis (D) (bei MELT! Festival 2012)
14.07.2012 - Nürnberg, St. Katharina (D)
28.07.2012 - Dortmund, Westfalenpark (D) (bei Juicy Beats 17)
09.08.2012 - Kassel, Kulturzelt an der Drahtbrücke (D) (bei Kulturzelt Kassel)
10.08.2012 - Hamburg, Elbinsel (D) (bei MS Dockville Festival 2012)
10.08.2012 - Jena, Kulturarena (D)

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