Norah Jones - Little Broken Hearts (VÖ 27.4.12)

Little Broken Hearts

Ein Album von Norah Jones war ja bisher eines, das man ohne großartig nachzudenken an Mutter oder Tante verschenken konnte - knuffige Popsongs, was für’s Herz, schnörkellos einfühl- und anschmiegsam. Das ändert sich mit „Little Broken Hearts“ zwar nicht, aber es hat sich doch eine etwas kratzbürstigere Note hinein geschmuggelt. Gut so.


 

Es will ja niemand immer das Gleiche hören und ein Künstler, der sich 20 Jahre lang immer auf dem gleichen Terrain bewegt, fängt irgendwann das Saufen an und wird nur noch auf das reduziert, was schon seit eh und je sein Metier war – da will dann keiner mehr verzweifelte Experimente hören. Insofern macht Norah Jones jetzt alles richtig: Letztes Jahr noch Blut geleckt und zusammen mit Brian Burton alias Danger Mouse, Daniele Luppi und Jack White das tolle „Rome“ aufgenommen, hat sie sich Burton direkt als Produzenten unter den Nagel gerissen und erlaubt nun auch mal dunkle, raunende Klänge sowie das Rauschen eines Gitarrenverstärkers.

„She’s 22“ ist das Paradebeispiel für den Zusammenbruch der (zumindest musikalisch) heilen Welt, die Norah Jones bislang umgab. Ein Typ rennt mit einer wesentlich Jüngeren davon und lässt die Protagonistin einsam zurück. Kein Happy End und der Verstärker surrt am Ende leise weiter. Das hätte man auch auf die gewohnte Art haben können, aber so wie es jetzt ist, ist es doch viel besser. Da ist mehr Seele drin, das ist authentischer und nicht so auf Hochglanz poliert. Man darf sich hier also ruhig mal zur Seite drehen und sagen: „Hey, schon das neue Norah Jones Album gehört?“ – Bitte was? „Ja, hör mal rein. Das ist von Danger Mouse produziert und definitiv hörbar!“


falls Video geblockt...

Zu diesem Schritt nach vorn passt dann auch das Cover, diese quasi Nachbildung des Filmplakats von Russ Meyers „Mudhoney“. Wie bitte? Russ Meyer? Ja, das ist der Typ, der seit den 60ern gut 30 Trash-Action-Streifen mit vollbusigen Damen gedreht hat (u.a. „Vixen!“, „Supervixen“). Angeblich hingen im Studio überall Plakate von dessen Filmen herum und da war dann auch das mysteriöse Bild von „Mudhoney“, das Jones dazu inspiriert haben soll das Albumäußere ähnlich zu gestalten. Aber wer weiß, was in Jones sonst noch schlummert?

„I’m gonna smile when I take your life“ – man darf hoffen, dass Mutti oder Tante demnächst keinen Englischkurs belegen und verstehen, zu welch düsteren Geschichten sie demnächst schunkeln.

Mudhoney

Hier gibt es die Platte derzeit noch im Stream.

th

Bewertung: 4/5
Highlights: Say Goodbye, Little Broken Hearts , After the Fall, Happy Pills

Tracklist:
1. Good Morning
2. Say Goodbye
3. Little Broken Hearts
4. She’s 22
5. Take It Back
6. After The Fall
7. 4 Broken Hearts
8. Travelin’ On
9. Out On The Road
10. Happy Pills
11. Miriam
12. All A Dream

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