Linkin Park - Living Things (VÖ 22.6.12)

Living Things

Keine zwei Jahre nach dem unsäglichen Totalausfall A Thousand Suns, auf dem Linkin Park klangen, als ob man ihnen kollektiv die Kronjuwelen abgeschraubt hätte, melden sich die Kalifornier mit „Living Things“ zurück. Und man ist verleitet Kudos zu verteilen, denn die Jungs um Frontmann Chester Bennington haben sich die Kritiken scheinbar wirklich zu Herzen genommen. Scheinbar...


 

...denn wir erleben auf „Living Things“ zwei Welten. Zwei Herzen schlagen, ach, in des Linkin Parkes Brust – man kann, natürlich ganz subjektiv, auch sagen: Erst voll angestachelt und dann verarscht. Auf A Thousand Suns wollten sich Linkin Park selbstverwirklichen. Progressiv anmutende Radioepik endete in unglaublich schnödem Schnulzenbrei. Perfekt inszeniert, musikalisch allerdings total daneben. Bennington mit einer Rose vor dem Steampunk-Turm einer hübschen Prinzessin sang sich die müde Seele aus dem Leib oder so...abgehakt und vergessen. Nobody is perfect. Also mal einen Schritt zurückgetreten, sich auf seine Wurzeln besonnen, es der einen Hälfte des verschreckten Publikums halbwegs recht gemacht und dann gemerkt, dass der Hund ja doch noch lebt.

Aber „Lost In The Echo“ vereint doch zu Beginn alles, was man zuletzt vermisst hatte, nicht wahr? Ein spannendes Intro, die knallenden Übergänge in den Refrain (gut, ein weniger weicher ist das schon, aber geht noch durch), einen „shoutenden“ Frontmann und das für LP obligatorische Scratchen. Ja gut, man kann die Gitarren vor lauter Elektronik auch überhören, aber sie sind da. Sie sind da! Man hat den „neuen“ alten Stil bei der Vorab-Single „Burn It Down“ schon gehört und diesmal bleibt die Kiste auch erst einmal ähnlich kraftvoll. „Lies Greed Misery“ – Shinoda rappt wieder...man gewöhnt sich an alles. Und wartet man beim Schlaflied „Castle of Glass“ noch vergeblich auf den Aha-Effekt, kommt unverhofft „Victimized“, das wohl härteste Stück der Kalifornier (ever!), um die Ecke. Thrash, einfache Melodie im Vers, brutaler Refrain, dann wieder Rap und letztendlich noch mal der brutale Refrain - brutal!


falls Video geblockt...

Das war dann auch schon das siebte Liedchen lediglich 38 Minuten langen Platte, danach kommt nur noch, mit Verlaub, Nonsense. „Roads Untraveled“ ist so simpel und öde, dass es mit dem Schlussakkord schon dem Vergessen geweiht ist, „Skin to Bone“ ist Rhumba mit Verzerrung und kommt gar nicht aus dem Quark, „Until it breaks“ ist scheißegal, „Tinfoil“ ein überflüssiges Instrumental, das allerdings harmonisch interessant im Schlusstrack „Powerless“ endet, der noch 3 Minuten und 44 Sekunden lang Ödnis versprüht und dann ist der Spuk auch schon vorbei. Jemand hat mal gesagt, dass der letzte Track der wichtigste ist, denn der bleibt hängen, mit dem assoziiert man die Platte. Wenn das stimmt, verrottet „Living Things“ im Regal.

Nun gut, mehr Härte als noch zuletzt und damit wieder einen Schritt zu auf die Fans der ersten Stunde muss man Linkin Park bescheinigen. Allerdings versucht die Kombo es hier wirklich jedem recht zu machen und das geht natürlich gründlich in die Hose, denn solch ein Versuch endet nicht nur im echten Leben, sondern auch musikalisch stets in der Belanglosigkeit.

th

Bewertung: 2.5/5
Highlights: Victimized, Lost in the Echo, Burn it down

Tracklist:
1. Lost In The Echo
2. In My Remains
3. Burn It Down
4. Lies Greed Misery
5. I’ll Be Gone
6. Castle Of Glass
7. Victimized
8. Roads Untraveled
9. Skin To Bone
10. Until It Breaks
11. Tinfoil
12. Powerless

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