
Selten hat in jüngster Vergangenheit ein Plattencover so gut zu einer Platte gepasst, wie bei Zodiacs „A Bit Of Devil“: Grobkörnig, mit feinem Gespür für Formen, Kurven und Raum, irgendwie längst bekannt aber dennoch schön, wie die Jugend selbst.
Münster ist trotz der überproportionalen Studentendichte – oder gerade deswegen – eine der langweiligsten Städte der Republik. Seit die verklinkerte Hochburg der Spießer von morgen und der Stänkerer von vorgestern allerdings scheinbar unweit des Mississippideltas liegt, kann man ihr trotz Allem etwas abgewinnen, und das nicht zu knapp: Hierher kommt mit „Bit Of Devil“ von Zodiac eine wirklich erfrischende Rockscheibe, für deren Klang Martin Meinschäfer verantwortlich zeichnet. Letzterer ist nicht nur heimatverbundenen Klampfenkundlern als Mischermann des Vertrauens von Henrik Freischlader vage bekannt.
Sprechen wir also zunächst über den Klang: Eine saubere Produktion, wenn auch der Sound insgesamt etwas dumpf daherwummert. Charmant und warm könnte man das auch nennen, wenn man wohlwollend konnotieren möchte. Das möchte der Zuhörer auch zunehmend: Mit jedem Takt spielen sich Zodiac unaufdringlich in vertraute und seit langem verschüttet geglaubte Gebiete vor. Der Klang weckt Erinnerungen an die Rockmusik, die den Zodiac-Jungs und den meisten ihrer Zuhörer nur vom Hörensagen bekannt sein dürfte, an den Bluesrock der 70er etwa. Aber statt ewig gestrig zu sein, wie es die in Münster ebenfalls überproportional vertretenen Alt-68er zu verbissener Meisterschaft gebracht haben, kommt „A Bit Of Devil“ frisch und entspannt daher.
Entspannt klingt es, weil die Jungs ihr Handwerk beherrschen. Nicht so virtuos, wie Freischlader, aber das tut hierzulande niemand. Frisch klingen die Songs trotz aller zurückgelehnten Retroreminiszenzen, weil man die Freude am Spielen und an den eigenen Songs förmlich spürt, so als stünde man mitten im Proberaum. Der Sound tut ein Übriges zu diesem Eindruck, es wäre aber zu kurz gegriffen, diese Nähe allein auf die Aufnahme zu beschränken: Schon die Titelnummer vermittelt durch ihre Dynamik und Dramatik einen Eindruck von der Freude, die die Musiker empfunden haben müssen, als sie die Nummer zum ersten Mal im Proberaum von Anfang bis Ende durchgespielt haben und sich jeder an alle Parts rechtzeitig erinnert hat.
Das feine Songwriting hält sich auf der ganzen Platte angenehm im Hintergrund. Es ist also kein prätentiöses Gedudel, sondern wir hören echt gute Rocknummern, die ein Spektrum zwischen Deltablues und Stonerbrei gekonnt und gezielt bedienen. Der Bass knurrt satt und rund, die Gitarren surren kraftvolle und elegante Riffs, die Soli flöten zuckersüß oder rotzen es raus und das Schlagzeug treibt voran und setzt raffinierte Akzente. Nur der Gesang fällt auf den ersten Eindruck etwas ab. Um es wieder wohlwollend zu bemerken: Der Gesang stört nicht.
Der zweite Eindruck zeigt, dass die stimmliche Darbietung songdienlich ist, dass sie ebenso unaufgeregt am guten Gesamteindruck mitwirkt, wie die anderen Instrumente – bis auf die Leadgitarre. Die spielt, wie es sich für eine anständige Bluesrockscheibe gehört, die erste Geige und zaubert ein ums andere Mal hübschgeile Soli hervor, die der ob so viel bescheidener Zurückgelehntheit angestauten Energie ein Ventil geben, sich zu entladen. Fett. Und das alles auf dem Debüt!
pz
Bewertung:
Highlights: Assembly Line, Diamond Shoes
Tracklist:
1. A Bit Of Devil
2. Carnival
3. Blue Jean Blues
4. Horror Vision
5. Assembly Line
6. Thunder
7. Diamond Shoes
8. Coming Home














Artikel teilen