Silversun Pickups - Neck Of The Woods (VÖ 8.5.2012)

(c) Silversun PickupsStechend wie eine Akupunktur mit tausend glühenden Nadeln, laut und tröstlich. Ein musikalischer Balsam für die Seele: Die Silversun Pickups haben zusammen mit Star-Producer Jacknife Lee ein Album an den Start gebracht, das man nicht unbedingt von ihnen erwartet hätte.


 

Dass auch der schwerwiegendste Nervenkollaps mit künstlerischer Bravour überwunden werden kann, beweisen Brian Aubert und seine Indie-Rocker von den Silversun Pickups glanzvoll und doch bodenständig auf ihrer jüngsten Platte, die zugleich das dritte Studioalbum der Band und ein echtes Bekenntnis an vergangene Tage ist. Mit "Neck Of The Woods" ist die Zeit ist gekommen, sich zu besinnen - und ein wenig fühlt es sich an, als würde man nach einem langen Tag endlich die Tür zur eigenen Wohnung öffnen. Denn der wohl vertraute Drive, den die Pickups hier auf elf einfühlsam komponierten Songs bis zur Pegelspitze treiben, ist eigentlich gar nicht neu, sondern irgendwie schon einmal dagewesen.

Tatsächlich? Obwohl alles ein wenig schmaler als auf "Swoon" und der 2011 veröffentlichten "Seasick"-EP wirkt, offenbart sich doch beim zweiten Durchlauf das volle klangliche Ausmaß des Albums mit seinen perfekt geregelten Effekten, hypnotischen Bässen und treibenden Riffs. Auch Schlagzeuger Christopher Guanlao beweist mit seiner Drum-n-Bass-ähnlichen Performance bereits auf dem Opener "Skin Graph“, dass diese Band definitiv ihr eigenes Tempo gefunden hat. Und so lässt sich auch das trotzige "Make Believe“ ganze drei Minuten Zeit, um sich zum Höhepunkt zu schrauben.

Mag der Klang der Pickups auch subtiler geworden sein, hat sich gerade an der wehmütigen Thematik ihrer Texte nichts verändert. Zu verträumten Melodien und atmosphärischen Ausflügen mit dem Synthesizer haucht Aubert "If it’s the right time to lose you", und schließt damit den Kreis. Denn Lieben heißt auch immer: Leiden. Und nach Hause zu kommen bedeutet eben hin und wieder, allein zu sein. Also wirft man sich zum dämpfenden Sound von "Gun-Shy Sunshine“ zwischen die zerwühlten Kissen mit den Rotweinflecken, um einfach mal die Augen zu schließen und zu träumen, ohne dabei gleich übertrieben pathetisch zu werden - gehört ja irgendwie auch zum Erwachsensein dazu, heißt es.

Ebenso haben sich die Pickups selbst eingeholt und sind nunmehr an einem Punkt angelangt, der einen weiteren Vergleich mit den Smashing Pumpkins völlig überflüssig werden lässt. Mit "Neck Of The Woods" ist für genug Seelenbalsam gesorgt, und das mindestens bis zum nächsten großen Kollaps - wer die charismatischen Rocker mit "Carnavas" kennen und mit "Swoon" lieben gelernt hat, wird auch diesen Weg mit ihnen gehen.

Marko Lapuschkin

Bewertung: 4/5
Highlights: Bloody Mary (Nerve Endings), Here We Are (Chancer), Gun-Shy Sunshine

Tracklist:
1. Skin Graph
2. Make Believe
3. Bloody Mary (Nerve Endings)
4. Busy Bees
5. Here We Are (Chancer)
6. Mean Spirits
7. Simmer
8. The Pit
9. Dots And Dashes (Enough Already)
10. Gun-Shy Sunshine
11. Out Of Breath

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