Sehnsucht kommt auf, so ein Feiertagsgefühl. Nostalgie? Ja, aber in Großbuchstaben, bitte. Da sitzen Freunde am Tisch, es wird gelacht, gegessen, man redet von früher, reicht Fotos weiter. Wer spielt im Hintergrund? Husky: „Forever So“. Forever what? So, Mann: „Forever So“! Ah, okay, ja, damit kann man leben. Und zwar für immer.
Die vier Australier sind letztens noch als Vorband von BOY durch Deutschland getourt, und wer sie live gehört hat, der wusste: Von denen hört man noch was, hoffentlich. Da, wo Empire of the Sun, Jinja Safari und Sarah Blasko herkommen, gibt‘s tatsächlich noch mehr. Oh Gott, heißt das, das ist wieder so ‘ne Hipsterband? Ein Dreiviertel-Nein auf ein Viertel-Ja. Bandleader Husky Gawenda (Gesang und Gitarre), Gideon Preiss (Klavier und Gesang), Evan Tweedie (Bass und Gesang) und Luke Collins (Schlagzeug) - die machen jedenfalls Musik, da möchte man sterben. Vor Fernweh. Vor Sehnsucht. Und Glück vielleicht. Dazu braucht man keine Schubladen.
Wenn‘s da heißt: „She walked into the party with Joan de Monmarquis/ She wore her beauty like a cloak, with the devil up her sleeve/ And she was ancient like the Greeks, amongst us animals and freaks/ I lost my mind, never to find the useless thing again“ (Animal & Freaks) Wer hat sie dann nicht vor Augen, sie oder jede andere; eine von denen, die ihre Schönheit wie einen Mantel tragen? Zurücklehnen will man sich da, träumen von Dingen, die verschwunden sind. Verloren. All die Dinge, die auf der Strecke blieben. Und doch: es will kein Vermissen sein. Vielmehr ist die Sehnsucht, die Nostalgie eine Art Vervollständigen. Etwas, das glücklich macht. Wer denkt nicht gern zurück, zumindest für eine Weile? An das Picknick im Sommer, die Poster von Kinderzimmertagen, das erste Konzert unter freiem Himmel - übervoll ist jedes kleine Detail, jedes Arrangement. Beim Hören von „Forever So“ wird alles klar - die Timbres und Melodien, jede gesungene Strophe und jede gezupfte Saite; es ist so astrein, dass es fast schon wehtut. Lieder wie „Dark Sea“ oder „The Woods“ (übrigens eine der ersten Auskopplungen aus dem Album), sind melancholisch bis zur Selbstvergessenheit.
 Andere, wie „Fake Moustache“ oder „Hundred Dollar Suit“ machen Spaß, da will das Bein unwillkürlich mit. Manche Lieder sind in ihrer Schwermütigkeit so erschreckend leicht, so friedlich und verträumt, dass man 3x, 4x auf Repeat drücken muss, um zu begreifen, dass Pop so tief sein kann. So tief, dass man tatsächlich fast darin ertrinkt. Woran das liegt? Vielleicht ist es die Feinabmischung von Noah Georgeson (Devandra Banhart, Joanna Newsom, The Strokes), die das Album „Forever So“ so verdammt rund macht. Oder es ist die verdammte Poesie der Texte. Oder die perfekte Abstimmung der Instrumente. Die Stimmen?
Vielleicht ist es letztlich ganz egal, was schuld daran ist, dass man das Album am Ende noch mal hören will. Am Ende bleibt einem das Gefühl, dass alles ganz okay ist. Besser wird. Dass Nostalgie manchmal eben hilft. Denn auch wenn die Zeit vorübergeht & die Träume verschwinden, die Menschen, die man mal geliebt hat, so weiß man doch zumindest irgendwie, dass all dieses verlorene Leben noch immer da ist. In der eigenen Erinnerung. Forever so.
Alexander Winter
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Bewertung:
Highlights: Animal & Freaks, Dark Sea, The Woods


16.05.12 | News












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