
Über das neunte Album der vier Jungs aus Nordrhein-Westfalen lässt sich nur Gutes berichten: Ordentlich Gitarren, ordentlich Drums im gewohnten Stolperschritt, witzige Texte und neue Wege - eben rundum abwechslungsreicher Alternative-Punk-Rock, der richtig Spaß macht und seine Vorgänger locker in die Tasche steckt.
Auch nach knapp 20 Jahren Bandgeschichte lassen die Donots nichts von ihrem ursprünglichen Geist vermissen – der Beat muss krachen und der Sound kratzen, darunter macht es Gitarrist Guido nicht. Sein Bruder Ingo dagegen ist für die emotionalen Kicks dahinter zuständig, und was dabei herauskommt, klingt schlichtweg genial. Der Titelsong des Albums legt die Messlatte dabei für alle nachfolgenden Stücke gleich richtig hoch. Aufruf an die Massen hin oder her – nach den Donots-Protestsongs der Vergangenheit („You’ve Been to Our Shows, You’ve Sung Our Songs, Now Go To a Fucking Protest!“) kann man aus „Wake the Dogs“ natürlich einen Appell an den Einzelnen herauslesen. Oder das Ganze einfach als musikalischen Genuss betrachten, denn das ist es auf jeden Fall.
„Into The Grey“ fungiert dabei als Paradebeispiel für die kreative Spannung, die aus den unterschiedlichen Charakteren der Knollmann-Brüder entsteht: Während der Rhythmus punkig tobt und rumpelt, liegt darüber ein schon fast getragener Gesang. Das nachfolgende „Come Away With Me“ kommt im Klanggewand à la Sum41 & Co. daher – solider US-Punkrock, aber schon fast zu standardisiert. Das können die Donots eigentlich besser. Zum Beispiel mit „Don’t Ever Look Down“, das dem Album mit einem an HipHop erinnernden Sprechgesang eine weitere Komponente hinzufügt.
„Born A Wolf“ geht dann gleich wieder solide in die andere Richtung – und zwar zurück zu den Ramones als Urväter des Punk. Bei „Control“ dringt ein wenig Synthie-Elektro-Anklang durch, „Solid Gold“ wirkt beinahe balladenhaft und „You Got It“ hält mit rockiger Indie-Atmosphäre dagegen. Langweilig? Gleichförmig? Diese Vokabeln lassen sich auf „Wake the Dogs“ definitiv nicht anwenden. Stattdessen wurde hier auf Weiterentwicklung, Experiment und Potentialausschöpfung gesetzt. Und zwar erfolgreich!
„I Don’t Want To Wake Up“ macht mit seinem Stolperschlagzeug beste Laune, und das leicht melancholische „All You Ever Wanted“ mit seiner Portion Powerchords ist ebenfalls ein echtes Highlight. Was könnte man da mehr wollen?
Noch eine letzte Frage zum Abschluss: What ever happened to the 80’s? Hah, nein, Spaß beiseite, der Drops ist gelutscht. Denn die Donots können noch viel mehr. Und sollte man schlafende Hunde nicht öfter wecken, wenn das Ergebnis immer so klingt?
Sabine Wirsching
Bewertung:
Highlights: Wake the Dogs, Into The Grey, I Don’t Want To Wake Up, All You Ever Wanted
Tracklist:
1. Wake The Dogs
2. Into The Grey
3. Come Away With Me
4. You're So Yesterday
5. Don't Ever Look Down
6. Born A Wolf
7. Control
8. Solid Gold
9. You Got It
10. I Don't Wanna Wake Up
11. Chasing The Sky
12. All You Ever Wanted
13. Manifesto
14. So Long


25.10.12 | News
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