
Wer sich beim Anblick des New Yorker Rockers Devin Thierrault eine nostalgische Reise in die Vergangenheit wünscht, muss sich auch bei diesem Nachwuchstalent noch etwas gedulden. Optisch ist er eine Mischung aus James Dean und Jerry Lee Lewis, musikalisch ein Gemisch aus Ramones und Strokes – optimale Zutaten also für die bedingungslose Liebe nicht nur der Dean- und Lewis-Zeitzeugen.
Das Debüt „Romancing“ lässt zwar auf guten alten Rock´n Roll hoffen, doch für Musik dieses Kalibers hat Devin seine Ziele zu hochgeschraubt. Der Brooklyner hat für ein rundum gelungenes Erstlingswerk zu wenig eingängige Melodien und auch die vielversprechende kratzige Stimme wird durch zu viele Verzerrungen verunstaltet. „Eigentlich schade“, könnte da der jung gebliebene 50er-Jahre-Rocker denken, der sich auf ein teenagertaugliches Revival seiner Lieblingsdekade freut. Devins Inspiration also top, nur an der Umsetzung hapert es ein wenig.
Größte Radiohitchancen hat die zweite Single „Masochist“, die bereits als Opener des Albums auf mehr hoffen lässt. Die anfänglichen Lou Reed-Parallelen enden im Nichts; das Album schwächelt an manchen Stellen, hat aber trotzdem mit einigen positiven Überraschungen aufzuwarten: „New Horrors“ lässt sich gut als Indierock verkaufen, “Forever Is Only A Moment“ ist das einzig wirklich tanzbare Lied und das balladeske „My Solitude“ gönnt dem Hörer ein kurzes Aufatmen nach dem geballten Rock/Punk-Gemisch. Eine Wohltat für die Gehörgänge ist das letzte Stück „White Leather“, das erstmals mit ruhigeren Gitarrenpassagen aufwartet, und man fragt sich zwangsläufig, warum Devin durch die letzten elf Songs so gehetzt ist. Mehrere Songs à la „White Leather“ hätten sowohl Album als auch Hörern gut getan.
Dennoch muss nach den insgesamt zwölf Songs festgestellt werden: Der Junge hat Talent! Zwar hätte er sich für sein Debüt einfachere Publikumslieblinge als Vorbild nehmen sollen, doch die Idee, so weit in die Musikgeschichte zu reisen, verdient Applaus. Das ultimative Kochrezept für ein wirklich erfolgreiches Rockalbum hätte noch eine Handvoll Harmonie, Eingänglichkeit, Authentizität und mehr Liebe zum Detail erfordert. Aber: Was nicht ist, kann ja noch werden – und das ist bei Devins Ehrgeiz sicher zu erwarten!
Melanie May
Bewertung:
Highlights: I Don’t Think I, Masochist, White Leather
Tracklist:
1. Masochist
2. Born To Cry
3. New Horrors
4. I Don't Think I
5. I'm Not A Fool
6. My Solitude
7. Run
8. Forever Is Only A Moment
9. I Died
10. You're Mine
11. Too Soon
12. White Leather
















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