Jack White - Blunderbuss (VÖ 20.4.12)

Blunderbuss

Peng! Explosive Blunderbuss in Dein Gesicht! Trottelig („He’s a Blunderbuss!“) stellt sich Jack White mit seinem Soloalbum nicht an, daher sei hier auf die Bedeutung als kurzläufiges Gewehr mit breiter Öffnung aus dem 18. Jahrhundert Blunderbuss bei Wikipedia verwiesen. Der Vinylverfechter mit kreativem Nachbrenner, der seit gut 15 Jahren scheinbar niemals schläft, etliche musikalische Projekte laufen hat und dazu noch eine Plattenfirma betreibt (Third Man Records), schafft wieder einmal Unmenschliches.


 

Ich schreibe Rezensionen niemals in der „Ich-Form“! Niemals! Aber jetzt muss es raus: Ich würde Jack White allein schon für die ersten vier Songs von „Blunderbuss“ mehr als den Preis einer regulären Platte entgegenwerfen. „GIVE ME THEM SONGS!“ Denn das ist handgemachter Rock ´n´ Roll Wahnsinn, der so tief aus dem Herzen kommt, dass jede Zeile dieser unheimlich starken LP runter geht wie Frischgezapftes. White selbst betonte, dass jeder Song von „Blunderbuss“ auch für die Scheibe geschrieben wurde und nicht irgendwelches Restmaterial sei.

Und wenn, wäre das auch scheißegal. Es wird hier zwar nur am Ende noch mal so hirnzermarternd wie in „Sixteen Saltines“ und „Freedom at 21“, deren Lyrics so breitbeinig daher kommen wie sonst nur Christiano Ronaldo Freistöße schießt, doch wohnt jedem Song ein so starkes Riff, eine wunderbare Melodie und ein stampfender Beat inne, dass der Schwindel regelrecht angekündigt werden sollte. „Can make you happy and light-headed“ – wären doch mal schönere Sticker auf einem Cover als „Freigegeben ab“.

Die dreizehn Tracks auf das sechssaitige Steckenpferd des 36jährigen, in Detroit geborenen Mannes mit den zehn Geschwistern zu reduzieren wäre natürlich auch zu einfach. E-Piano, Upright, Streicher, Orgel und Background-Chöre: Sie alle bereichern Rock, Blues, Jazz, Walzer und sonstige Stile, die White anfasst. Der Mann hat seinen Stern für die Rock ´n´Roll Hall of Fame heute schon verdient, ein Denkmal in rostrotem Kupfer obendrauf und dazu ein herzliches Dankeschön.

Warum aber schleicht sich da trotzdem so ein merkwürdiges Gefühl ein? Ich glaube der Musikexpress war es, der schrieb, dass Jack White aufpassen müsse, dass er nicht zu seiner eigenen Karikatur werde. Das trifft es ganz gut. Whites Output ist unheimlich, sein Auftreten, sein Look etwas entrückt – er wirkt nicht wie einer von uns. Der Mann ist auf einem kaum zu verstehenden kreativen Kreuzzug und macht dabei nichts falsch. Ob es sein eigenes Material ist, das seiner Ex-Frau Karen Elson, das seiner vielen Nebenprojekte oder das von Wanda Jackson: Alles rockt, alles schiebt, alles fühlt sich in seiner Nische wohl.

Wurden die White Stripes schon erwähnt?

th

Bewertung: 4.5/5
Highlights: Sixteen Saltines, Freedom at 21, Blunderbuss, Weep themselves to Sleep, Hip (Eponymous) Poor Boy, On and on and on

Tracklist:
1. Missing Pieces
2. Sixteen Saltines
3. Freedom At 21
4. Love Interruption
5. Blunderbuss
6. Hypocritical Kiss
7. Weep Themselves To Sleep
8. I’m Shakin’
9. Trash Tongue Talker
10. Hip (Eponymous) Poor Boy
11. I Guess I Should Go To Sleep
12. On And On And On
13. Take Me With You When You Go

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