Nach 4 Top Ten Platten, einem abgegangen aber doch zurück gekehrten Gitarristen und einer Menge Gras beinahe am Ende, gingen The Coral wieder ins Studio und produzierten „Roots and Echoes“. Eine Platte wie buntes Herbstlaub, das sich vom Wind aufgescheucht in lichtspielende Bilder vergangener Tage verwandelt, um sich dann auf dem Boden zu neuen Landschaften zusammenzusetzen.
Was die sechs Jungs aus Hoylake in England mit „Roots and Echoes“ geschafft haben, schaffen nach 4 Alben nicht viele Bands. Sie übertreffen all das, was sie bisher fabriziert haben um Längen und begeistern mit jedem Song auf’s Neue, ohne dass das Album irgendwann auch nur den Hauch von Schwäche zeigt.
Eigentlich lief alles ganz gut – aber nachdem Gitarrist Bill sich 2005 dazu entschlossen hatte, nicht mehr mit der Band zusammen zu spielen, holte man sich einen Ersatz namens Macca. Doch die Band war nicht mehr dieselbe, alles schien zusammenzubrechen, zu lange Touren und zuviel Gras erledigten den Rest. Durchaus nachvollziehbar, wenn man seit 1996 zusammen Musik macht und urplötzlich merkt, dass eine Band mehr ausmacht als ein paar Brit-Awards und Mercury-Nominierungen.

Also beschlossen The Coral in ihre Heimat, dem Liverpool nahe gelegenen Hoylake, zurückzukehren und wieder mit Bill an Bord neu anzufangen. Sie setzten sich zusammen – und machten einfach nur Musik. So lange, bis die Songs bereit waren aufgenommen zu werden. Nun ist es so, dass sich the Coral durchaus anhören wie eine Band aus den späten 50ern, mit all dem Vintage-Klang, den der Rock’n’Roll der fliegenden Mädels-Röcke ausmacht. Und wo bekommt man so einen Sound her?
Klar, da kommt zufällig Noel Gallagher von Oasis um die Ecke (seines Zeichens Fan von The Coral) und bietet den Jungs an sein Studio zu benutzen, wenn er gerade nicht daheim ist. Und dann hatte die Band Zeit,viel Zeit, dankenswerter Weise soviel Zeit, dass sie ganz in Ruhe „Roots and Echoes“ auf Band träumen konnten.

Das Album bietet derart viele wunderbare Melodien und eine klangliche Wärme, dass einem ganz schwindelig werden könnte. Dabei verzichten The Coral auf allen modernen Schnickschnack und geben sich ganz dem Sound ihrer sanften Gitarren, unaufdringlichen Drums, Flöten und Streicher hin. Dur und Moll werden so unglaublich feinfühlig zusammengesetzt, dass Songs wie „Rebecca you“ trotz ihrer Sanftheit musikalisch derart kraftvoll daherkommen, dass man nichts anderes tun kann als verträumt zuzuhören, mit dem Fuß leicht mitzuwippen und sich zu wünschen bloß keine Note zu verpassen.
„Roots and Echoes“ ist von vorn bis hinten ein modernes Meisterwerk in alten Gewändern, mal mitreißend und gar episch („She’s got a Reason“), mal sanft und schier unfassbar schön („Not so lonely“). Und wenn am Ende mit „Music at Night“, das mit über 6 Minuten längste Stück der LP, das Album beschließt, bleibt nichts anderes übrig als noch einmal festzustellen, dass das, was The Coral hier geschaffen haben, ohne jegliche Überheblichkeit zeigt, dass sie eine der besten Bands sind, welche die Insel zurzeit zu bieten hat. Fantastisch!
Bewertung:
Highlights: She’s got a reason, Music at night, Who’s gonna find me, Rebecca you, Jaqueline, Not so lonely
Lowlights: -
Weiteres Material:
Offizielle Webseite: http://www.thecoral.co.uk
Myspace: http://www.myspace.com/thecoral
Tracklist:
1. Who's Gonna Find Me
2. Remember Me
3. Put The Sun Back
4. Jacqueline
5. Fireflies
6. In The Rain
7. Not So Lonely
8. Cobwebs
9. Rebecca You
10. She's Got A Reason
11. Music At Night
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