Ari Hest - Sunset over Hope Street (VÖ 16.9.11) & Interview

Ari Hest - Sunset over Hope Street

“Nett” ist ein Wort, das im Grunde positiv gemeint ist, einem Songwriter allerdings graue Haare sprießen lässt. Nett zu sein heißt letztendlich in kleinen Clubs zu versauern. In Läden, bei denen alle reden, während man spielt. Vergessen zu sein, wenn der Morgen graut. „Nett“ klingt auch Ari Hest, doch der Mann aus New York hat da diese Stimme...



 

Schon 2010, als „12 Mondays“ hierzulande erschien (Alben von Ari Hest erscheinen hierzulande immer mit einigem Verzug), war irgendwie klar, dass das nicht alles sein konnte, was man noch von dem Mann hören wird. Diese einzigartige Stimme, kombiniert mit liebevoll arrangierten und mit reichlich interssanten Details ausstaffierten Popnummern war einfach zu verlockend, um sie links liegen zu lassen.

Zwei Jahre später ist Hest mit „Sunset Over Hope Street“ zurück. Nicht mehr ganz so experimentierfreudig aber dafür selbstbewusster kommen die elf Titel daher, die geschickt zwischen persönlichen („Until next Time“, „Sunset over Hope Street“) und eher generalistischeren Themen („Business of America“, „A Way back Home“) changieren.

Valve: Wie schreibst Du Deine Songs? Ich habe gelesen du seist Multiinstrumentalist...

Hest: Primär spiele ich Gitarre, aber ich schreibe am Klavier und spiele auch Bass, aber den nur für spezifische Teile der Songs. Ich sitze also nicht daheim und spiele Akkordeon.

Valve: Wie bist Du zum Songwriting gekommen? Wer waren Deine Inspirationen und Einflüsse?

Hest: Ich habe mir damals einfach eine Gitarre geschnappt und Platten gehört, die meine Mutter hatte. Ich war zu dieser Zeit nicht wirklich interessiert an Musik, obwohl ich sie immer mochte – Sport war da während der Schulzeit eher mein Ding. Meine Mutter hatte da auch ein paar Alben der Beatles und es war tatsächlich so, dass „Rubber Soul“ mein Einstieg ins Songwriting war. Ich habe einfach George Harrison nachgespielt.
Mittlerweile mag ich die kurzen Popsongs am liebsten. Ich schreibe nicht diese epischen Nummern.

Valve: Aber Deine Songs sind trotz der Kürze dennoch wenig „kommerziell“. Sie sind eher „indie“.

Hest: Ich habe herausgefunden, dass das für mich das Beste ist. Ich glaube der Grund warum ich bei Columbia Records nicht wirklich Fuß fassen konnte war, dass ich eben nicht genug „kommerzielle“ Musik geschrieben habe. So eine Arbeitsweise ist dann viel einfacher, wenn man mit kleinen Labels zusammenarbeitet. Ich muss mir da nicht so viele Gedanken um das machen, was alle denken.


falls Video geblockt...

Valve: Erzähl uns doch ein wenig über das letzte Album. Da war das „52 Project“...

Hest: Ich habe Columbia verlassen und 52 Songs geschrieben, von denen immer montags jeweils einer erschien. Ich habe wie verrückt Songs geschrieben, was wirklich harte Arbeit war – manchmal total irre, manchmal großartig, je nachdem wie die Woche so war. Manchmal wollte ich mehr schreiben, manchmal weniger. Am Ende haben meine Fans abgestimmt und zwölf Songs für das Album „12 Mondays“ bestimmt. Das war eine tolle Erfahrung.

Valve: Und das neue Album?

Hest: Das entstand ganz anders. Ich wollte mit jemandem zusammenarbeiten, der mich fordert, der andere Ideen hatte als ich, da ich neugierig war mit jemandem zu arbeiten, den ich mag, der aber auch aus einer ganz anderen Richtung kommt. Ich habe dabei zum Beispiel viel über Streicherorchestrierung gelernt. „Sunset Over Hope Street“ ist eine organische Platte, hat dann aber auch wieder Sounds, an die ich mich ohne den fremden Einfluss nie heran getraut hätte. Das hat dann alles länger gedauert und genau so wollte ich das auch. Ein Jahr lang haben wir daran gearbeitet und jetzt ist eine sehr interpretierbare Sache dabei heraus gekommen. Es ist lustig: Sonnenuntergänge betrachten viele als etwas sehr Schönes, manche allerdings sehen darin das Ende des Tages, eines Tages, der nicht wieder kommt, zu dem man niemals wieder zurück gehen kann.

Das Album ist so etwas wie ein Übergang – als ob Du von einer Phase des Lebens in die nächste übergehst. Ich habe viele der Songs geschrieben als ich gerade 30 wurde und sich sowohl beruflich als auch privat einiges verändert hatte. Bin ich bereit für den nächsten Schritt?

Bereit ist er, das muss man zugeben: Die Songs erobern im Gegensatz zum Vorgänger mehr Raum, haben mehr Fülle, schmiegen sich eher um die beeindruckend warme Stimme Hests als dies noch zuvor der Fall war. Was hier und da fehlt sind die eingängigen Hooks, wie sie etwa „Dead End Driving“ geboten hatte. Alles plätschert, alles fließt, alles ist absolut anhörbar, mag aber nicht so recht nachhallen.

Valve: Wo wurde das schöne Foto geschossen?

Hest: In einem Park namens Prospect Park in Brooklyn. Da ist dieser Tunnel mit diesem interessanten Lichteinfall...

Valve: Wie sieht Deine Musikszene in New York aus?

Hest: Es gibt da diesen Laden, in den alle gehen, wo Leute verschiedene Dinge spielen und viele Musiker im Publikum sind. Wir sprechen über unsere Songs und was wir tun können, um sie zu verbessern. Ich spiele Shows in der „Rockwood Music Hall“, meist unter falschem Namen, damit nicht so viele Leute hinkommen und meine neuen Songs zerreißen (lacht).


falls Video geblockt...

Valve: Hattest Du jemals Gesangsunterricht?

Hest: Ich hatte eine Stunde im College und sie wollten mir beibringen zu singen wie ein Opernsänger – da bin ich nie wieder hin gegangen. Gelernt habe ich über die Zeit, dass meine Stimme nicht so durchschlagend ist und daher nicht so viele Dinge dahinter passieren dürfen. Außerdem habe ich mehr eine Erzählstimme, deren „Comfort Zone“ ich nicht so oft verlassen sollte – etwa um hohe Noten zu singen.

Valve: Was denkst du über’s Sprechen auf der Bühne? Manche sagen ein Künstler sollte niemals etwas sagen, sondern nur singen. Die anderen sagen, dass das Publikum unterhalten werden soll...

Hest: Ich glaube ich bin grundsätzlich eher der Typ, der nichts sagt, da ich wirklich schüchtern bin. Am Anfang hat mich das verängstigt, mittlerweile kann ich damit leben, aber noch immer singe ich lieber als zu reden. Es ist wichtig, dass das, was du tust, immer ein Teil von deiner Persönlichkeit ist.

Valve: Wann bist du wieder in Deutschland?

Hest: Im Herbst, genauer im September und Oktober. Ich bin schon wirklich neugierig darauf was passieren wird.

Valve: Letzte Frage – was hörst du selbst für Musik dieser Tage?

Hest: Mein Schlagzeuger hat mir dieses Mädchen Marisa Monte gezeigt – die mag ich wirklich gerne. Dann komme ich immer wieder zurück zu Peter Gabriel. Bon Iver mag ich ebenfalls sehr gerne.

Bon Iver – man hätte darauf kommen können. Warum soll man sich auch nicht an den Besten orientieren? Hest hat enormes Potential, das in Songs wie „A Way back Home“ oder „One Track Mind“ immer mal wieder aufblitzt. Er sollte sich mehr trauen, damit das alles nicht so glatt wirkt und er nicht für immer das „Große Talent“ bleibt.

Interview: Teresa Woischiski/Text: th

Bewertung: 3.5/5
Highlights: A Way back Home, Business of America, Swan Song

Tracklist:
1. Until Next Time
2. How Would I Know
3. A Way Back Home
4. Business Of America
5. One Track Mind
6. If I Knew You'd Say Yes
7. Sunset Over Hope Street
8. Down The Mountain
9. Give It Time
10. Swan Song
11. A Good Look Around

Artikel teilen
Aktuellste Berichte zum Künstler
10.09.11 | Interview
Ari Hest im Valve-Interview
Konzerttermine
Derzeit sind uns via last.fm leider keine Konzerttermine bekannt.
Da wir aber auch nicht perfekt sind, könnt ihr dennoch suchen bei:
♫ von Ari Hest gibt es bei:
Amazon Amazon MP3 Musicload iTunes
Und weil wir Vinyl lieben...
Amazon
comments powered by Disqus

R.I.P.


2007 - 2013!



Wir verabschieden uns von allen Lesern, Mitschreibern, Promotern und Künstlern, ohne die dieses tolle Projekt niemals so weit gekommen wäre wie es eben gekommen ist!

Wer nicht auf die regelmäßige Dosis Albumstreams noch nicht veröffentlichter LPs aller Genres verzichten möchte, dem sei http://albumstreams.com ans Herz gelegt!