Red Hot Chili Peppers - I’m with you (VÖ 26.8.11)

Red Hot Chili Peppers - I'm with you

Vorbei die Zeit mit Socken am Pimmel: Die Red Hot Chili Peppers schauen auf Pressefotos zwar noch genauso irre drein wie eh und je, allerdings weicht der mitunter höchst experimentelle Sound, den die Band bis dato ausgemacht hat, einem durchaus lässigen Grundton. Dem Stammproduzenten Rick Rubin gefällts wie immer gut und man muss wirklich feststellen: Das Ding ist mutig und frisch.


 

Diese angesprochene Lässigkeit mag man nach dem flotten Disco-Opener „Monarchy of Roses“, dem zackig-spacigen Vers in „Factory of Faith“ oder dem rhytmisch verwirrenden „Ethiopia“ zwar gar nicht vermuten, doch wo im Vers oft noch ein rotziger Unterbau hörbar sein mag, übernimmt ab dem Refrain meist ein breitflächiger Klangteppich, der stets auf Nummer sicher geht und fast schon zu gefällig daher kommt. Das ist gewöhungsbedürftig aber die Melodien sind einfach noch immer so gut, dass auch gänzlich untypische Ragtime-Stampfer wie „Happiness Loves Company“ oder das an klassische Countrypop-Songwriter-Nummern und am Ende an Vangelis (what?) erinnernde „Police Station“ voll überzeugen.

Und hey, noch immer singt Kiedis in seiner unvergleichlichen Stimmfarbe, noch immer trommelt da Chad Smith und noch immer beweist sich Flea famos am Bass. Nur der Gitarrist ist neu: Josh Klinghoffer ersetzt den ausgestiegenen Saitenvirtuosen John Frusciante. Und macht er seine Sache gut? Natürlich, der Mann ist doch professioneller Musiker! Was soll er denn auch tun? Soll er auf „I’m with you“ alles auspacken, was technisch möglich wäre und er mit Sicherheit auch draufhat? Soll er ohne Umwege Frusciante nacheifern? Nein, natürlich nicht – man würde ihm Größenwahn nachsagen, Arroganz vielleicht. Also schön den Ball flach halten, sich ehrfürchtig einfügen und gut abliefern. Mission geglückt, ganz solide Handarbeit.


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Aber zurück zur Musik: Wir hatten schon festgestellt, dass auf „I’m with you“ wie etwa im Song „Look Around“ dieses altbekannte RHCP-Stakkato sein Stelldichein gibt. Und natürlich ist auch das wieder sehr gut gelungen. Aber irgendwie fehlt hier das Zackige, das Temporeiche und auch das von Sänger Kiedis so sehr geprägte Hip-Hop-Crescendo, das Songs in der Vergangenheit so oft auf ein neues Level gehoben hat. Gegenfrage: Muss das sein? Will man das Gleiche noch einmal hören? Mitnichten, denn musikalisch ist „I’m with you“ ein Schritt vorwärts, Jazz und Afro-Beat, Reggae und Pop verschmelzen hier zu einer meist erst im zweiten Durchlauf zu erkennenden Partitur aus interessanter Bass-Linie, flottem Gitarrensolounterbau und einem ungewohnt häufigen Einsatz von Pianospuren. „Did I let you know“ sticht hier besonders heraus und je öfter und länger das ganze Ding aus dem Abspielgerät der Wahl klingt, desto besser wird das.

Locker hätten die Red Hot Chili Peppers noch die Tracks „Annie wants a Baby“ und „Dance, Dance, Dance“ weglassen können, denn mit 60 Minuten ist die Scheibe doch recht lang geworden und es gehen diese Titel im eklektischen Miteinander am Ende auch etwas unter – aber Überlänge gehört bei den Kaliforniern ja schon zum guten Ton. „I’m with you“ ist nicht die Platte, die man von den Red Hot Chili Peppers erwartet, denn sie wiederholt nicht das, was die Band mit ihren Vorgängeralben perfektioniert hat. Sie ist eigenständig, mutig und zudem auch äußerst positiv. Sehr gelungen.

th

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Bewertung: 4/5
Highlights: Did I let you know, Factory of Faith, Monarchy of Roses, Ethiopia, Look Around

Tracklist:
1. Monarchy of Roses
2. Factory of Faith
3. Brendan’s Death Song
4. Ethiopia
5. Annie Wants a Baby
6. Look Around
7. The Adventures of Rain Dance Maggie
8. Did I Let You Know
9. Goodbye Hooray
10. Happiness Loves Company
11. Police Station
12. Even You Brutus?
13. Meet Me at the Corner
14. Dance, Dance, Dance

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