Tu Fawning - Hearts On Hold (VÖ 14.1.11)

Tu Fawning - Hearts On Hold (VÖ 14.1.)Die aktuell fesselndste Neuerscheinung im noch jungen Musikjahr 2011 stammt aus Portland, Oregon und hört auf den Namen Tu Fawning. Was das schillernde Quartett auf dem Album „Hearts On Hold“ musikalisch aufzeigt ist ein irrwitziger Ritt durch die widersprüchlichsten Klanglandschaften, ein getrommeltes Spektakel, das verwunschen und eigentümlich klingt. Mit ihrer unwiderstehlichen Mischung aus Folk, Chanson, Rock und Variete stellen Tu Fawning so ein erstes, echtes Highlight des Jahres dar.

 

 

 

 

Auf herrlich schräge Art setzen sich Tu Fawning mit ihrem Folkwahnsinn zwischen alle Stühle und hinterlassen erst einmal eine Menge großer Fragen. Was soll das alles sein, wo setzt die Band an mit ihren schön schrägen Songs? Mal klingen sie so zerrüttet wie Tom Waits zu Zeiten der „Bone Machine“, dann wieder lieblich versponnen wie aktuelle Wegbereiter (Beirut oder CocoRosie), nur um im nächsten Moment alles wieder aufzuheben. Tu Fawning spinnen mit ihrem percussiv vorangetriebenen Rhythmus ihre ganz eigene Geschichte und wiegen sich wie selbstverständlich zwischen Schiffermelodie und geisterhaften Chören, klingen dabei seltsam eigentümlich aber auch stets herbeigesehnt.


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I know you now


Das Gerüst des musikalisch wie auch optisch verwegen verführerischen Quartetts bilden die beiden Frontleute Joe Haege und Sängerin Corinna Repp, ein singendes wie musizierendes Konglomerat, das sich mal hingebungsvoll, mal kämpferisch das Mikro teilt. Ihre Einflüsse steckt die Band dabei so weitreichend ab wie der Sound des Debüts es bereits erahnen lässt. Von aktuellen Acts oder zeitgenössischen Pionieren wie Nick Cave oder Arcade Fire lässt sich der Vierer dabei genauso in den Bann ziehen wie von 30er Jahre Vocal-Jazz-Bands und indonesischer Gamelan-Musik. In der Umsetzung steht dabei aber ein zu jeder Zeit ganz eigener, sehr eigenwilliger Sound; ein fiebriges Gewirr aus Abstraktion und derber Melancholie.

Abwegig oder gar unzugänglich klingen Tu Fawning bei aller avantgardistischen Vielmalerei jedoch nicht. Unter dem von Trompeten, Trommeln und sägenden Gitarren geformten Klangteppich stecken hervorragende, mitunter sehr feingliedrige Songs. Umgarnt werden diese zum größten Teil von Corinna Repps schroffer Stimme, die dem Ganzen einen zwar groben aber doch auch sehr einfühlsamen und hinreißenden Charakter verleiht. Mit dieser Legierung wirken Tu Fawning wie die beseelte Schieflage im tosenden Sturm. Eine trunkene, glamouröse Kapelle die, dem Untergang geweiht, einfach weiterspielt. Ein großer Zauber.

Marc-Alexander Jacobi


Bewertung: 4/5
Highlights: The Felt Sense, Sad Story, Hand Grenade, I Know You Know

Tracklist:
01 – Multiply A House
02 – The Felt Sense
03 – Mouths of Young
04 – Sad Story
05 – Apples And Oranges
06 – Just Too Much
07 – Diamond In The Forest
08 – Hand Grenade
09 – I Know You Now
10 – Lonely Nights

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