Da ist es das zweite, schwache Album - der Albtraum eines jeden Künstlers. Es hilft auch kein weiteres Durchhören, kein Blick in die Texte, no Dance in the Sun. MGMT, die beiden Jungs, die uns auf ihrem Debüt die wunderbaren „Kids“, „Electric Feel“ oder „Time to pretend“ schenkten, mäandern auf „Congratulations“ durch verschiedene Stile der 70er, mischen reichlich ärgerliche Psychedelik unter, schaffen nur wenige prägnante Momente und am Ende bleiben die Glückwünsche mehr als nur verhalten.
Einige Zeit nach der Tour zum famosen „Oracular Spectacular“ begannen Ben Goldwasser und Andrew VanWyngarden damit neue Songs zu schreiben und die massiven Huldigungen, die ihnen seit Veröffentlichung des Debüts zuteil wurden, in eben jenen zu verarbeiten. Aber es müssen schon reichlich unbestimmte, gar wirre Gefühle gewesen sein, die dafür gesorgt haben, dass der Weg von den klaren, eingängigen Stücken des Erstlings hin zu vertrackten, kaleidoskopischen und so gar nicht mehr nachhaltigen Titeln ein weiter war.
Nur wenige Songs wie „Someone’s missing“ oder „It’s working“ sind auf „Congratulations“ noch halbwegs zugänglich wie das bekannte und so geliebte Material. Das im Vorfeld schon präsentierte „Flash Delirium“ steigert sich in über vier Minuten zu alberner Durchgedrehtheit ohne Sinn und Verstand und hätten sich MGMT nach den heftigen, ja, negativen Reaktionen in Blogs und Foren nicht in einem Interview dafür entschuldigt wie schlecht die „Single“ gewesen sei (aus welchen Motiven heraus auch immer), man hätte den Track zunächst einfach als Missverständnis abgetan.
Aber es kommt ja am laufenden Band dicker. „Siberian Breaks“, der mit zwölf Minuten längste Song des Albums, ist das beste Beispiel für die merkwürdige Art und Weise, mit der „Congratulations“ 43 Minuten lang durch den Äther trällert: Ein bunter Brei aus Beach Boys auf Dope, 70er-Pornostreifenästhetik, Italo-Western und Stop-Motion-B-Movie-Creature-From-Outer-Space-Gedudel, die den Zuhörer allseitig verwirrt und ratlos zurücklässt. Allerorten fehlt es an Kraft und Dynamik, VanWyngardens Falsett wirkt mal unsicher und oft ziellos, keine einzige Melodie (sowohl beim Flickenteppich von „Siberian Breaks“ als auch sonst) vermag zu bestechen und live wird kaum einer der neun Songs die Menge nachhaltig bewegen können.

Kann das alles künstlerisch wertvoll sein? Nein. „Congratulations“ ist lahm, öde und manchmal nervt es wie in „Lady Dada’s Nightmare“ trotz interessanter Harmonien auch noch. Man kann jetzt noch so sehr analysieren, was MGMT mit dieser Platte erreichen wollten: Die absichtliche Dekonstruktion ihres bisherigen Ruhmes, hochrote Köpfe beim Major Label oder schlicht allgemeine Konfusion, über die sie sich lustig machen können. Am Ende zählt die Musik und die ist hier in weiten Teilen einfach nur überflüssig verquer und unbedeutend. Wer nicht zwingend einen guten Refrain braucht, der mag das unter Umständen okay finden, der Rest wird sich verwundert die geschundenen Ohren reiben.
Ist das, was hier zu hören bekommen, nun MGMT, wie sie sich selbst definieren und war „Oracular Spectacular“ nur das Sprungbrett für den nun folgenden musikalischen Eskapismus, nach dem sich Goldwasser und VanWyngarden hoch oben in ihrem Elfenbeinturm gesehnt haben? Wir wissen es nicht und werden es dann wohl auch erst mit dem dritten Album herausfinden.
Vielleicht ist „Congratulations“ aber auch unterschätzt und nach einiger Zeit fällt der berühmte Groschen doch noch. Vielleicht benötigt diese Platte einen anderen Bewusstseinszustand, um verstanden zu werden. Vielleicht wollten MGMT aber auch einfach nur sagen, dass sie immer noch ganz normale Jungs sind, die auch mal einen schlechten Tag und dann bitte ihre Ruhe haben wollen.
Bewertung: ![]()
Highlights: It’s working
Lowlights: Brian Eno, Lady Dada’s Nightmare, Flash Delirium
Tracklist:
01. It’s Working
02. Song for Dan Treacy
03. Someone’s Missing
04. Flash Delirium
05. I Found a Whistle
06. Siberian Breaks
07. Brian Eno
08. Lady Dada’s Nightmare
09. Congratulations
Weiteres Material:
Offizielle Webseite: http://www.whoismgmt.net/
Myspace: http://www.myspace.com/mgmt
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