Heyward Howkins - The Hale & Hearty (VÖ 26.6.2012)

(c) Heyward Howkins

Singer-/Songwriter sind mittlerweile eine heikle Angelegenheit. Heikel deshalb, weil der Künstler mehr und mehr Gefahr läuft, einer von vielen zu werden. Dass Howkins einer der Besten werden könnte, ist zwar etwas hochgegriffen, aber diesen unentdeckten Stern am Musikhimmel sollte man gehört haben.


 

Heyward Howkins ist kein Musiker, der konventionelle Popsongs schreibt. Nein der Amerikaner aus Philadelphia schreibt hochkomplexe Pop-Folk Arrangements. Was das für seine Musik bedeutet, bekommt der Hörer gleich auf dem Opener "Thunderin' Stop" zu hören. Dieser beginnt mit einer schlichten Gitarrenbegleitung und wird dann unmittelbar von einem zarten Streicher begleitet. Auffallend schön ist die so vielfach varierende Stimmlage. Mal haucht er geradezu ins Mikrofon, und im nächsten Moment entweicht ihm ein deutliches und lauteres "Stop!"

In "The Hale & Hearty" fällt dieses Muster wieder auf, und so langsam bekommt man für die – anfangs noch sonderbar klingende Musik – ein Gefühl. Und Gefühl ist genau das Stichwort in seinen Songs. Heyward Howkins schreibt keine stereotypen Liebeslieder, wie es sie schon zuhauf gibt. In seinem Debüt werden keine Herzen gebrochen, zugleich aber auch keine wirklichen Geschichten erzählt. Heyward Howkins geht eher poetisch zu Werke.

Heyward wandelt in seinen Songs emotional nicht auf einer monotonen Ebene, in ihnen hört man etliche Auf und Abs. Auch in "Sugar Sand Stitched Lip", "Waist High Or Dry" oder in "The Raccous Calls of Morning" geht es mehr als herzlich zu. Durch die Begleitung seine Gitarre, durch Streicher, Piano oder Cello wird deutlich, wie viel Wert auf Details Heyward Howkins legt. Man könnte seine Songs mit einem großen aufgestellten Kartenhaus vergleichen: Es wackelt zwar hier und dort und läuft stets Gefahr einzustürzen, aber mit der nötigen Akribie, Ruhe und Unaufgeregtheit entsteht etwas Großartiges. Bei den Songs auf "The Hale & Hearty" besteht allerdings keine Gefahr, dass sie einstürzen. Nein, diese Tracks stehen alle auf einem soliden Fundament.

Bei "Flash Mob" wird Heyward Howkins dann sogar etwas lauter und zum ersten Mal hört man hier ein verzerrte Gitarre. Dieser Titel ist eins der vielen Highlights, wobei „Flash Mob“ auch wirklich außerordentlich gut geworden ist. Einmal mehr hört man, dass der Amerikaner kein One-Note-Sänger ist, denn er variiert wahnsinnig gut in seinen Stimmlagen und passt sich in jedem seiner Songs den emotionalen Gegegebenheiten an, dass es eine wahre Freude ist.

Auch wenn hier nicht alle Tracks behandelt werden können: Bei jedem der elf Titel nimmt er einen Pinsel in die Hand und zeichnet mit seiner großen künstlerischen Hingabe schöne Bilder. Und genau dann, wenn "The Live Oak" beginnt, muss man daran denken, wie lange es eigentlich her sein muss, dass man keinen musikalischen Fast-Food zu sich genommen hat. Wahrlich zu lange, denn "The Hale & Hearty" ist ein fulminant gutes Erstlingswerk.

Niklas Kolell

Bewertung: 4/5
Highlights: Flash Mob, Plume and Orange, The Live Oak

Tracklist:
1. Thunderin' Stop
2. Hale & Hearty
3. Spanish Moss
4. Sugar Sand Stitched Lip
5. Waist High Or Dry
6. The Raucous Call of Morning
7. Flash Mob
8. The Live Oak
9. Plume And Orange
10. Cocaine Bill
11. Hudson Piers

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