Laura Gibson: Interview zu 'La Grande'

Laura Gibson (c) Laura Gibson

Am 6. Januar des kommenden Jahres erscheint mit „La Grande“ das dritte Album der US amerikanischen Folksängerin Laura Gibson und wer dachte die Dame ist hier wieder gut für leise Abende am Kamin, der darf sich – gemessen am bisher bekannten Titeltrack – warm anziehen, denn der schmeißt sich richtig ran. Wir haben Laura in Berlin zu „La Grande“ befragt.


 

Valve: Du stammst aus Portland, Oregon, richtig?

Laura: Ursprünglich komme ich aus einer Art kleinem Holzhüttenstädtchen im südlichen Oregon. In Portland lebe ich jetzt seit etwa 10 Jahren. Und ich kann mich echt glücklich schätzen, dabei in so einer konstruktiven, unterstützenden Gemeinschaft zu leben: Künstler, Musiker, Filmemacher… es gibt dort einfach viele Leute, die Dinge ausprobieren und ihre eigene Identität erforschen. Portland ist ein gutes Nest, in dessen Mitte man sich an Kunst oder Musik versuchen kann. Und es ist jedes Mal aufs Neue wieder fantastisch, wenn man Zeuge sein darf, wie jemand Etwas aus Nichts geschaffen hat.

Valve: Und jetzt bringst du mit „La Grande“ gerade dein drittes Album heraus?

Laura: Ja, genau. Ich habe schon vereinzelt kleine EPs herausgebracht und mit anderen Musikern zusammengearbeitet, aber „La Grande“ ist mein drittes Album.

Valve: Warum heißt es „La Grande“?

Laura: Ich habe es nach der gleichnamigen Stadt in Oregon benannt, und einer der Gründe für die Namensgebung liegt darin, dass ich nach La Grande gefahren bin und mir dort viele Gedanken gemacht habe, welche Art von Album es wird und welche Dinge ich gerne beim Entstehen des Albums lernen will. Manchmal macht man eben eine Reise, und aus irgendeinem Grund werden einem dabei Dinge klar. Ich habe auch einen Song namens „La Grande“ über diese Stadt geschrieben. Es war ja nicht mal eine große Reise, aber genau da sind einfach ein paar wichtige Groschen gefallen. Ich wollte auch, dass das Album sehr selbstsicher wird, ich wollte die Schüchternheit, die ich oft hatte, überwinden. Und dann dachte ich noch als Witz dazu: Man könnte den Albumtitel auch lesen als „Laura, die Große“. Zwei perfekte Bedeutungen also, und schon war der Name beschlossene Sache.

La Grande

Valve: War es für dich selbst auch eine andere Herangehensweise, eine selbstbewusstere Platte zu machen?

Laura: Das ist eigentlich eher unbewusst passiert. Während des Entstehungsprozesses des Albums wurde mir auf halber Strecke klar, was ich für mich selbst lernen wollte und wohin die Reise mit dem Album gehen sollte. Ich bin die Dinge dann ein bisschen anders angegangen: Diesmal habe ich Rhythmus und Schlagzeug den Song führen lassen. Das Arrangement und die Produktion haben mir dann echt eine Riesenfreude gemacht. Ich habe viele der Texte geschrieben, diesmal aber eben die Musik die Richtung für die Songs vorgeben lassen.
Es gibt ein paar langsamere Stücke, einige sind auch etwas mehr Upbeat… viele Samba-Rhythmen, Bossanova, Blasinstrumente: Klarinette und Flöte ziehen einen roten Faden durchs Album. Ich habe außerdem viele Stimmspuren aufgenommen und mit einem Lo-Fi-Mikrofon übereinander gelegt – und meine Harmonien damit sozusagen wie ein weiteres Instrument in den Songs benutzt: Laura harmoniert also mit Laura (lacht).

Valve: Gibt es auch einen Leitgedanken, ein „Theme“ auf dem Album?

Laura: Die Songs haben alle eine Verbindung. Das Hauptthema ist aber: Selbstvertrauen haben und sich in der Welt behaupten. Darüber hinaus geht es auch darum, zwei verschiedene Kräfte in sich selbst zu spüren: Die eine ist der Drang danach, frei zu sein, wild zu sein, sich das zu holen was man will. Ein Leben ohne Balance und ohne Grenzen. Die andere Kraft besteht in dem Drang nach Beziehungen, nach Dingen die einen ausgleichen, nach Verbindlichkeiten. Es gibt aber auch Dinge, die dich binden und gleichzeitig ein Segen sind. Was auch immer es also bedeutet, seine Freiheit auszuleben – man sollte immer auch an diesen ausgleichenden Beziehungen festhalten und, sofern möglich, beide Kräfte kombinieren. Ich denke, ein großer Teil des Albums handelt genau von diesem Widerstreit, den ich durchlebe, wenn ich beide Kräfte in mir spüre.

Valve: Du hast auch tolle Gäste auf deinem Album…

Laura: Yep, Joey Burns, der Leadsänger von Calexico, war zum Beispiel eine großartige Unterstützung für mich und meine Musik. Er war gerade im Rahmen seiner Tour in der Stadt, also hab ich ihn einfach gefragt, ob er Lust auf einen Song hat. Er kam für ungefähr vier Stunden ins Studio und sang auf einigen Titeln, spielte Gitarre und ermutigte mich die ganze Zeit. Seinen Spirit auch als Teil des Albums zu haben, bedeutet mir wirklich viel. Dann ist noch Jenny Conlee von den Decemberists – eine absolut umwerfende Orgelspielerin – auf einigen Songs vertreten, und auch Adam Selzer von M Ward war mit von der Partie.

Valve: Erzähl uns auch was über den Wohnwagen…!

Laura: Ich lebe in einem Haus zusammen mit zwei Musikern. Das Haus ist zugleich auch ein Aufnahmestudio, und so kommen und gehen ständig Leute, die etwas aufnehmen oder proben wollen. Es ist ein Treffpunkt, ein Knotenpunkt – und ich liebe ihn. Manchmal brauchte ich aber für die Arbeit an neuen Songs einen ruhigen Ort, und da fand ich diesen alten Wohnwagen, der sich perfekt als Büro und Studio eignete. Ich habe viel Zeit damit verbracht, ihn wieder instandzusetzen, auszustatten und anzustreichen. Es war wichtig für mich, mal etwas Handwerkliches zu machen. Ich habe das nie gelernt, daher war es einfach gut, es selbst zu machen, das hat mir auch Selbstvertrauen gegeben. Und da sind wir wieder beim Album: Ein Problem handwerklich zu lösen führte mich auch zur Problemlösung auf musikalischem Weg.

Valve: Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Laura: Ich bin im Januar wieder für Shows unterwegs, sobald das Album draußen ist. Jetzt geht´s für uns erstmal zurück nach Hause, um uns auf das Album-Release vorzubereiten. Wir spielen noch eine Show in Portland, und dann wird hoffentlich noch genug Zeit übrig sein, um an neuen Songs zu arbeiten und die Band startklar zu machen.

Valve: Welcher Künstler ist eigentlich für dich die Nummer 1?

Laura: Auf Leonard Cohen komme ich immer wieder zurück, ein exzellenter Songwriter. Ich mag auch Bossanova sehr, zum Beispiel von Astrud Gilberto. Und auch ein paar lokale Bands aus Portland. Dort gibt es so viele gute – „Sallie Ford and the Sound Outside“ sind beispielsweise der Hammer.

Interview: Teresa Woischiski

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