An welche Bands denkt der geneigte Hörer beim Thema Progressive Rock? Ganz klar: Tool, Porcupine Tree, A perfect Circle – Opeth oder Dream Theater, wenn es ein wenig härter sein darf. Ganz wenigen fällt vielleicht eine deutsche Band namens RPWL ein und noch weniger kennen das Soloprojekt des Bandgitarristen Kalle Wallner, das auf den Namen Blind Ego hört. Dies sollte sich jetzt ändern, denn mit seiner zweiten LP stellt er sich international mit breiten Schultern auf. Und weil’s so schön ist, haben wir 3 Exemplare des Albums in treue Hände abzugeben.
Die Personalien zuerst: Wie auch beim Erstling „Mirror“ sind Sänger Paul Wrightson und Bassist John Jowitt erneut Teil der Studiocrew. Und auch RPWL-Sänger Yogi Lang, der sich hier nur an den Background-Vocals beteiligt, saß wieder als Produzent hinter den Schiebern. Auf einen zweiten Mann am Mikro hat Wallner diesmal verzichtet: „Ich hatte schon in Erwägung gezogen, wieder mit verschiedenen Sängern zu arbeiten. Doch als wir mit Paul die ersten Tracks aufgenommen hatten, war mir klar, dass das nicht zu toppen ist. Deswegen hab ich das Album komplett mit ihm gemacht.“ Außerdem konnte mit Michael Schwager (ex-Dreamscape) ein neuer hochkarätiger Drummer gewonnen werden.
Als besonderes Schmankerl muss erwähnt werden, dass Sepultura-Drummer Iggor Cavalera (Cavalera Conspiracy) ebenfalls für einen Song („Change Reprise“) die Stöcke geschwungen hat. „Unsere Booking-Agentur hatte ihn für ein Konzert mit Mix Hell in Freising gebucht“, so Wallner. „Beim Besuch in unserem Farmlands-Studio fand er das neue Blind-Ego-Material so gut, dass er sofort bereit war bei einem Song mitzuwirken. Daraus ergab sich die Variation von ‘Change’.“

Was hier die Mischung macht und sich im Vergleich mit internationalen Größen rein gar nicht verstecken muss, ist die äußerst gelungene Synthese aus melodiösem Rock mit Metal- und gar Popanleihen, die an treibenden Schlagzeugmustern, glasklarem Gesang und mitreißenden Soli nicht spart. Paradebeispiel dieser Mixtur ist das famose „Death“, dem mit Abstand längsten Titel auf „Numb“. Hier scheinen sich alle musikalischen Aspekte von Blind Ego zu vereinen und während man sich als Hörer noch von den ersten psychedelischen Eröffnungsriffs befreien möchte, bestimmen schon wieder balladeske Intermezzi die Szenerie, nur um kurz darauf mit einem Paukenschlag zurück im Fegefeuer Wallners Gitarren zu schmoren.
Momentaufnahmen sind es, die Wallner auf „Numb“ in bis zu zehnminütigen Epen beschreibt. „Es geht um extreme Gefühle, die einen für kurze Zeit vollständig überfluten, vereinnahmen und nichts anderes neben sich zulassen“, so der Gitarrist. „Deswegen die kurzen Songtitel: Man fühlt sich zum Beispiel einfach nur verlassen, schuldig oder‚ betäubt.“
Wie erwartet münden viele der lyrisch melancholischen und bisweilen auch depressiven Songs (das muss so!) immer mal wieder in ruhige, melodische Refrains. Es fehlen hier zwar die ganz großen Melodien, die noch Stunden und Tage danach in den Gehörgängen nachhallen, doch mag das an dieser Stelle verziehen sein, würden einige hartgesottene Prog-Haudegen am Ende noch auf die Idee kommen das würde hier nun alles zu kommerziell und überhaupt sei „Vow“ mit seiner gekonnten Reise ins Land der hypnotischen Stereo-Träumereien ja auch total over-the-top.
Wenn es wie in „Change“ oder dem instrumentalen und knorpeligsten Track „Torn“ ein wenig härter wird, haut uns Wallner gekonnt vertrackte Gitarrenkost um die Ohren und scheut weder vor stimmlicher noch instrumentaler Mehrstimmigkeit zurück. Da darf ruhig auch mal der Synthesizer herhalten und der perfekt produzierten Soundwand noch mehr Tiefe verleihen. Eine Ohrenweide (sagt man das so?)!

Dass die Jungs nicht nur in Deutschland, sondern auch auf der britischen Insel unterwegs sind, sollte für jeden Liebhaber gut gemachter Musik (ja, so allgemein ist das tatsächlich gemeint!) nur ein weiteres Argument sein, die Platte schnellstmöglich einmal im hauseigenen CD-Spieler rotieren zu lassen. Eigenltich wäre das Teil 4,5 Punkte wert - dass es am Ende bei vieren bleibt, lässt einfach Luft nach oben. Denn wenn hier noch eine handvoll Hits dazu kommt, möchten wir das beim dritten Teil auch belohnen können.
Und wer ein Exemplar des Albums gerne sein Eigen nennen möchte, der kann hier an unserem Gewinnspiel teilnehmen.
Bewertung: ![]()
Highlights: Guilt, Leave, Death, Torn, Vow, Change Reprise
Lowlights: -
Tracklist:
1. Lost
2. Guilt
3. Numb
4. Leave
5. Death
6. Change
7. Seek
8. Risk
9. Torn
10. Vow
11. Change reprise
Weiteres Material:
Offizielle Webseite: http://www.blind-ego.com/
Myspace: http://www.myspace.com/blindego
Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/RPWL
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