Kings of Leon - Come around Sundown (VÖ 15.10.)

Kings of Leon - Come around Sundown (VÖ 15.10.) Würde jemand auf die verrückte Idee kommen, Chuck Berrys Musik mit der von Coldplay zu kreuzen, wäre das Ergebnis vermutlich nah dran an den neuesten Ergüssen der Kings of Leon. Vier Musiker, deren Nachname allesamt Followill lautet, drei Brüder und ein Cousin – Geschichten, die nur die Rockmusik schreibt.

 

 

 

 

Als sich ihr Vater Leon Followill Ende der Neunziger mit seiner Familie in Tennessee niederließ, stellten sich seine Söhne Caleb, Nathan und Jared samt Cousin Matthew zu einer klassischen Gesang-Rhythmusgitarre-Leadgitarre-Bass-Drums-Formation auf und spielten zunächst noch etwas holprig, jedoch immer leidenschaftlich drauflos –  mit des Vaters Vornamen im Bandnamen. Als 2003 ihr Debütalbum „Youth and Young Manhood“ erschien, erregten sie vor allem außerhalb der Vereinigten Staaten schnell Aufmerksamkeit, spielten sogar als Vorband der allmächtigen U2.

Es folgten drei weitere Alben, auf denen die Kings sich fortwährend jeweils um einen straighteren Stil bemühten, ohne sich jedoch gänzlich neu zu erfinden. Das blueshafte Gefrickel trat mehr und mehr in den Hintergrund, die Akkorde wandelten immer öfter in bekannten Mustern des Poprock. Jedoch entfernten sich die Followills niemals weit von ihren Wurzeln. Keyboards oder abgedriftete, programmierte Effekte suchte man bei ihnen stets vergeblich. Handgemachte Kunst, geradeaus und direkt. Etwas, das die Fans mehr und mehr honorierten, besonders in Europa und vor allem in Großbritannien, wo man ja seit vielen Jahren immer noch auf der Suche nach einem neuen Sound des Britpop ist.

Kings of Leon (c) Ray Lego


Nun steht mit „Come around Sundown„ das fünfte Studioalbum der Kings of Leon frisch gepresst in den Plattenläden. Doch für welche Hörerschaft? Was hat sich getan seit “Only by the Night“? Was verdient der lang gediente oder frisch hinzukommende Kings-Hörer und was bekommt er?

Auffällig beim ersten Hören sind vor allem die Gitarrensounds des Matthew Followill, die sich mit leichten Hall und ab und an einem ganz dezenten Delay als Begleitung über die neuen Songs legen. Es scheint als hätte Matthew Followill ein oder zwei lange Jam-Sessions mit U2s The Edge hinter sich, ohne sich jedoch von dessen Epik völlig vereinnahmen zu lassen. Noch ist viel eigenwilliges Geschrammel von ihm zu hören, aber sein Drang zu neuen, klaren Begleitmelodien ist unverkennbar. Wie etwa Dennis Becker im Deutschrock, scheint er völlig in seiner Profession – dem Bedienen der sechs Saiten – aufzugehen.

Auch der Rest der Band lässt immer mehr klare Linien erkennen. So ist Caleb Followills Gesang im Laufe der Jahre klarer geworden, die Worte deutlicher artikuliert, weit weg vom Nuschelrock der frühen Alben. Die chorartigen Passagen, die so sehr an Coldplay erinnern, haben seit der letzten Silberscheibe deutlich zugenommen. Auch Bass und Schlagzeug finden sich mehr zu pointiert komponierten Untermalungen zusammen, nicht mehr bloß zum begleitenden Tonbrei früherer Jahre.


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Kings of Leon - Radioactive


Klare Melodien und unüberhörbare Akzente werden hier gesetzt. Selbst eher klassische Kings-of-Leon-Stücke wie „No Money“ oder „Mi Amigo“ wirken auf der neuen Platte konzentrierter. Doch haben sich die Followills deutlich weiterentwickelt. Blueselemente sucht man vergeblich, klassischer Rock tritt nahezu völlig in den Hintergrund - zugunsten von oft im Detail verspielten Kompositionen. Eine gewisse epische Ahnung kommt schließlich bei Songs wie „The End“ oder „Pyro“ auf. Viel Hall und nach Jahren doch der ein oder andere Effekt (abseits der üblichen Overdrive-Pedale) lassen hier beinahe orchestrale Rockstimmung auflodern.

„Come Around Sundown“ ist somit die pure Konsequenz aus dem musikalischen Schaffen der Kings of Leon aus den vergangenen zehn Jahren. Als Fan guter Rockmusik muss man sich gar nicht erst auf diese Platte einlassen, sie saugt einen förmlich in sich auf. Das neue Werk ist ein Hochgenuss für alle Verehrer handgemachter Musik. Bleibt allein die Frage, ob sich die Kings of Leon sich in Zukunft noch einmal zu steigern vermögen? Noch ein Schritt und sie bewegen sich gefährlich nah an jener Grenze, hinter der sie zur Legende werden können.

Thilo Corzilius

Bewertung: 4,5/5
Highlights: The End, Pyro, Mary, Pickup Truck, Beach Side

Tracklist:
1.    The End
2.    Radioactive
3.    Pyro
4.    Mary
5.    The Face
6.    The Immortals
7.    Back Down South
8.    Beach Side
9.    No Money
10.    Pony Up
11.    Birthday
12.    Mi Amigo
13.    Pickup Truck

Weiteres Material:
Offizielle Webseite: http://www.kingsofleon.com
Zum Reinhören: http://www.myspace.com/kingsofleon

Aktuelle Konzerttermine:
Derzeit sind uns keine weiteren Konzerttermine bekannt.

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