
Für das Oxforder Quintett von Spring Offensive schon bewährte Routine, für die etwa 200 Gäste des Mainzer Clubs „Schon Schön“ ein denkwürdiger Augenblick, der anderthalb Stunden Indie vom Feinsten vergehen ließ wie eine Minute. Bereits im Oktober letzten Jahres versetzten Spring Offensive die Mainzer Studenten und Stammgänger des Clubs in Ekstase, ein halbes Jahr später übertrafen sich die Jungs wieder selbst – mit neuen Songs und neuen Fans.
Hätten die Veranstalter mit einem derartigen Ansturm gerechnet, hätten sie die Location vielleicht anders gewählt. So tummelten sich Fans mit solchen, die es noch zu überzeugen galt, und belagerten sogar Treppe und Empore. Bewegungsfreiheit ausgeschlossen. Genügend Bewegung hatten im Gegenzug die eigentlichen Stars des Abends. Besonders die beiden Gitarristen und Sänger Lucas Whitworth zeigten sich als sehr bühnenaktiv. So viel Einsatz wäre nicht nötig gewesen, dennoch alle Achtung vor den beiden, die trotz der leidenschaftlichen Action ihre Akkorde nicht aus den Fingern verloren. Der schlaksige 2-Meter-Riese Lucas wusste zwar ab und an nicht so richtig, wohin mit seinen Armen, überspielte die liebenswürdige Unbeholfenheit dann trotzdem gut und gerne mit Auf- und Abspringen.
Klassischer Fall von „die Musik leben“, aber nicht „für die Musik leben“. Die beiden Dinge sind für die bodenständigen Jungs klar differenziert. Jeder der Fünf hat im heimatlichen England einen „richtigen“ Broterwerb und sie alle sehen ihr Hobby nur als Hobby und nicht als krampfhaftes Ziel, das Leben eines Rockstars zu führen. Als lokale Berühmtheiten wagen sie sich jetzt doch mal in die große weite Welt und werden auch weitab von Zuhause gut aufgenommen und kennen- und schätzen gelernt.

Spring Offensive enttäuschten ihre Fans nicht und spielten neben neuen Songs auch ihre alten Melodieklassiker, wie „I Found Myself Smiling“ und „A Stutter And A Start“, die alle vom Publikum laut mitgesungen wurden. Gegen Ende des Konzerts wurde die Band sogar richtig übermütig und verließ für eine wundervoll romantisch angehauchte Akustikversion der B-Side „Carrier“ ihre Bühne und stellte sich mitten unter die überraschte Menge.
Highlight des Gigs war sowohl für die Fans als auch für Frontmann Lucas Spring Offensives neueste Single, wie er in einem kurzen Interview angab: „My favourite song so far is „Worry Fill My Heart“ because it means so much to all of us: the better we get to know each other, the better we play together. And that’s what this song is meant to show.” Auf die Frage nach seinem absoluten Nicht-Spring Offensive-Lieblingslied antwortet er mit einem geschmunzelten “Difficult question.“, gefolgt von der Angabe seiner momentanen Lieblings- und Inspirationsbands: Menomena und Death Cab For Cutie.
Die gemütliche und lockere Atmosphäre hatte mit einigen Spaß- und Sympathiepunkten aufzuwarten, besonders als der Gitarrist Matt Cooper sich im Deutschen versuchte. Einzelne akribisch auswendig gelernte und nahezu akzentfrei aufgesagte Satzfetzen nutzte der smarte Gitarrist, um die Single „Worry Fill My Heart“ an den Mann zu bringen: „Sie ist handgemacht und sieht wunderschön aus. Schnapp Dir eine!“
Mainz wollte die Oxforder gar nicht mehr gehen lassen. Auch nach zwei Encores, darunter der vom Publikum gewünschte dunkeldüstere Song „Every Coin“, wurde ihnen noch immer nicht das gekühlte Bier in einer ruhigen Ecke gegönnt. Während die Fünf sich vor ihrem Gig noch unbemerkt in der Menge verteilen konnten, wurden sie jetzt von allen Seiten bestürmt, nach Autogrammen und CDs gefragt.
Ein Abschied hoffentlich nicht für lange. Mainz sieht seine energiegeladenen Lieblings-Oxforder bestimmt noch ein drittes Mal.
Text: Melanie May/Fotos: Alexander Fergen


19.03.12 | News












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