The Bones, 4.3.12 im Lido in Berlin (mit Interview)

The Bones

Es gibt ein paar Bands, bei denen grüßt alljährlich das Murmeltier - was nicht bedeutet, dass sich die Berliner weniger auf ihre Konzerte freuen, sondern eher, dass Musiker und Musikfreunde die Begegnung umso mehr schätzen. The Bones gehören zweifelsohne in diese Kategorie, und trotzdem gab's diesmal eine Premiere zu feiern.


 

Um es vorweg zu nehmen und ausnahmsweise privat zu werden: Der Auftritt im Lido war mein persönliches Bones-Debüt und - wesentlich aufregender - mein erstes Interview. Über das neue Album mochten die vier Skandinavier dabei nicht allzuviel Auskunft geben: Am 18.06.2012 soll es erscheinen und bisher stehen weder Titel, noch Tracklist endgültig fest. Dafür plauderten Beef, Boner & Co. mit dem ihnen eigenen Humor aber sonst bereitwillig aus dem Nähkästchen - über die Bandgründung, Wolfgang Petry und Vinyl vs. Download:


Valve: Nur zur Vorwarnung, dies ist mein erstes Interview und so sehr ich mich freue, das mit euch zu machen... ich bin wirklich nervös.

Andi: Oh, dann bist du noch Jungfrau? Keine Sorge, wir werden so sanft sein wie wir können. (lacht) Worüber wollen wir denn reden? Das Leben im Allgemeinen? Die Umwelt? Die Politik in Uganda?

Valve: Das Leben im Allgemeinen und das neue Album. Und vielleicht ein bisschen über Afghanistan.

Andi: Afghanistan ist unser Spezialgebiet. Genau wie die Agrarkultur von Pakistan. Lass uns anfangen!

Valve: Beginnen wir am Ende: Ihr habt gerade die Aufnahmen zu eurem neuen Album beendet. Wie wird es heißen und wann kommt es heraus?

Beef: Ja, wir haben es endlich geschafft. Morgen geht es zum Mastering nach Finnland. Es ist also noch nicht fertig, aber wir sind fertig. Wenn nichts Schlimmes dazwischen kommt, wird es am 18. Juni rauskommen… Also, dieses Jahr. (lacht)

Andi: Wir haben noch keinen Titel.

Boner: Doch, wir haben einen, aber es ist ein Arbeitstitel. Den sagen wir nicht.

Andi: Wir arbeiten auch immer noch an der Reihenfolge der Songs, das ist wirklich harte Arbeit… Aber nein, darüber wollen wir nicht sprechen. (lacht)

The Bones (c) The Bones

Valve: Ihr habt die Zeit im Studio eure “heavy metal days” genannt. Wie darf man sich das neue Album also vorstellen? Härter als „Straight Flush Ghetto“?

Andi: Es wird so etwas Ähnliches wie Speed Black Metal sein… Erotic…

Boner: Erotic Black Metal! (lacht)

Andi: Yeah, Church Burning Metal, schön blutig.

Boner: Wir haben das Album tatsächlich in einer Kirche aufgenommen.

Valve: In einer Kirche?

Andi: Ja, wirklich, drei der Tracks sind komplett in einer alten Kirche aufgenommen worden. Wir haben Teile in Boners Studio aufgenommen, einige im Hauptstudio und einige dort in der Kirche.

Beef: Also, es war früher einmal eine Kirche. Nicht mehr, nachdem wir da waren. (lacht)

Andi: Aber das mit den “heavy metal days” ist nichts weiter als ein Code aus einem unserer Lieblingsfilme. Ein Comic Strip, „Bad News“.

Valve: Noch einmal zurück zu den Aufnahmen: Habt ihr etwas verändert, seitdem ihr 1997 eure erste EP “The Horrorway” aufgenommen habt?

Boner: Natürlich, es gibt immer Veränderungen… Aber es ist immer dasselbe Zeug. Nur andere Songtitel, sozusagen.

Andi: Es ist wie mit einem Paar neuer Jeans, die so gut sitzen wie die alten!

Valve: Okay, was ich meinte, war eher, ob ihr die Art, wie ihr im Studio arbeitet über die Jahre verändert habt.

Andi: Früher haben wir es gemecht wie alle Bands: Erst die Drums, dann den Bass und dann die Gitarren. Aber dann haben wir es umgedreht, und die Drums UND die Gitarren gemacht und dann den Bass. Das hat sich geändert.

Valve: Lasst uns noch ein wenig über alte Zeiten reden. The Bones wurden 1996 nach ein paar gemeinsamen Jam Sessions gegründet, so liest man.

Beef: Die Geschichte geht so: Ich und mein Bruder Spooky, der Drummer, hatten eine Band, mit dem alten Bassisten damals noch. Und dann haben Spooky und Boner eines Nachts ein Tequila-Wetttrinken veranstaltet. Boner hatte damals keine Band, aber wir kannten ihn schon seit Jahren, und nach dem Tequila war er dann dabei.

Boner: Es war alles dein Fehler, Spooky.

Beef: So war es. So fing es 1996 an. Den Bandnamen gab es vorher schon, aber ab da hat es richtig angefangen. Er kam und hat alles kaputtgemacht. (lacht)


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Valve: Jetzt spielt ihr schon seit über 15 Jahren zusammen. Andere Bands haben ihre Skandale und Lineup-Wechsel, nur ihr nicht. Was ist euer Geheimnis?

Andi: Wir sind verliebt!

Beef: Unser Skandal ist, dass wir immer noch da sind!

Andi: Wir behandeln das wie eine Ehe, weißt du, wir gehen zur Psychotherapie und so.

Boner: Yeah, der zweite Versuch ist immer der Beste.

Valve: Also, wann habt ihr angefangen, Musik zu machen?

Andi: Ich war in meiner ersten Band, als ich 13 war. Das war vor 5 Jahren.

Boner: Ja, das war 1967. (lacht) Ich glaube, ich war 13, 14 als wir unsere erste Band gegründet haben.

Andi: Aber es kommt einem vor wie gestern. Yesterday… (singt)

Boner: …all my troubles… (singt)

Andi: Was war die Frage nochmal?

Valve: Eigentlich war’s das, ich wollte euch nur zum Singen bringen.

Beef: Oh, nett, wirst du ein Bootleg daraus machen?

Valve: Vielleicht? Aber sprechen wir noch ein bisschen mehr über eure Musik. Niemand scheint euren Stil genau bezeichnen zu können.

Andi: Finde ich gut!

Valve: Punk’n’Roll, Rock’n’Roll, Punk Rock… wie nennt ihr es?

Andi: Wir bezeichnen es als “gute Musik”, mehr muss man nicht wissen.

Valve: Wer sind denn eure Helden im Rock’n’Roll-Business? Was für Musik hört ihr auf den Touren im Bus, zum Beispiel?

Andi: Oh, da hören wir alles Mögliche. Jede Menge Zeug.

Valve: HipHop und Elektro und…?

Beef: Das bezeichnen wir nicht als Musik!

Andi: (lacht) Spooky mag HipHop.

Valve: Als ich mir das Making of des neuen Albums auf youtube angeschaut habe, habe ich in einem Video diese Wolfgang-Petry-Postkarte in eurem Studio entdeckt…

Boner: Yeah! Wolle ist ein alter Freund von uns!

Andi: Ja, wir hängen oft zusammen rum.

Boner: Wir lieben seine Musik! Er hat tatsächlich einen starken Einfluss auf uns.

Beef: Vor allem auf unsere Refrains.

Andi: Autsch! (lacht) Du musst uns ein bisschen besser kennenlernen, um uns zu… kennen.

Boner: Wir haben eine schräge Art von Humor.

Valve: Na ja, in Berlin lernt man zum Glück, sich von nichts schrecken zu lassen.

Andi: (mit Geisterstimme) Besser wäre es, du hättest Angst... Aber ernsthaft: Du lebst in Berlin und warst noch nie auf einem unserer Konzerte? Wir spielen hier praktisch jeden Tag!

Beef: Ich glaube, wir sind hier schon 20 Mal oder so aufgetreten.


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Valve: Heute Abend sollte es klappen. Immerhin werdet ihr bei laut.fm als einer der besten Live-Acts in Europa gehandelt…

Spooky: Die lügen!

Andi: Guter Geschmack.

Beef: Wirklich? Das haben wir nicht gewusst. Danke, das ist gut zu hören! Wir haben einfach Spaß daran, auf der Bühne zu stehen. Den Clown zu spielen, Rock’n’Roll zu machen, die Leute zum Mitsingen zu bringen… das ist einfach gut.

Valve: Also seid ihr lieber auf der Bühne als im Studio?

Beef: Also, ich schon. Absolut.

Andi: Ich mag die Fahrten mit dem Tourbus. Ich mache es wegen der Busfahrten

Boner: Es gibt immer etwas, das Spaß macht, sonst würde man es nicht machen. Wenn die Studioaufnahmen keinen Spaß machen würden, würden wir gar nichts mehr aufnehmen.

Andi: Ich hatte diesmal eine gute Zeit im Studio.

Beef: Ja, ich auch, aber es macht immer noch mehr Spaß, live zu spielen, finde ich.

Andi: Wann warst du überhaupt mal im Studio? (lacht)

Beef: Ich war da, für die Fotos! Ansonsten spielt der Producer meine Gitarren. Ja, wirklich, die klingen so tight, das muss er sein!

Andi: (lacht) Die Stunde auf der Bühne ist nicht der Job. Es sind die anderen 23 Stunden, für die du bezahlt wirst.

Boner: Du wirst für 23 Stunden bezahlt?!

Valve: Vielleicht lieber zurück zum Thema. Wie fühlt ihr euch nach einem Auftritt? Völlig erschöpft oder könntet ihr noch zwei Stunden weiterspielen?

Spooky: Hervorragend! Wunderbar!

Andi: Wir setzen uns in unsere Rollstühle, holen das Strickzeug raus, spielen ein wenig Schach… normalerweise lesen wir uns Gedichte vor, um runterzukommen… manchmal auch ein kleines Gebet…

Beef: Ja, wir ziehen uns aus und lesen und uns was vor.

Andi: Ja, ich reiße mir immer die Klamotten vom Leib… Ernsthaft: Wir sind danach ziemlich ausgepowert und erschöpft. Wie wir uns nach der Show fühlen? Alt.

Boner: Und runzlig.

Beef: Du solltest das am besten unseren Tourmanager fragen – wir führen uns auf wie 13-jährige. Wir haben Spaß!

Andi: Nächste Frage.

Valve: Die nächste und letzte Frage dreht sich um Musik im Internet. Was denkt ihr darüber? Surft ihr im Netz herum, teilt eure Links und hört euch neue Bands an, oder kauft ihr nur CDs?

Beef: Nun, es kommen neue Zeiten. Ich für meinen Teil ziehe Vinyl vor, Downloads sind nicht so meine Sache.

Andi: Ich bin kein Computerfreak, ich mag meine CDs.

Beef: Ja, eine CD kann man kaufen und berühren, das Booklet anschauen… Wow, das macht einfach mehr Spaß. Ich habe auch viele LPs und die wandele ich in MP3s um. Es kommen neue Zeiten. Für die Kinder heute ist Musik wie ein USB-Stick, nur ein Stückchen Plastik, aber ich bleibe beim Vinyl. Es ist nicht gut, wenn Menschen etwas schaffen und nie Geld dafür sehen, weil jeder es einfach anhören kann, ohne jemals das Album oder so zu kaufen.

Valve: Wie seht ihr das Internet als Chance für neue Bands? Um zu zeigen, was sie können, und sich ihr Publikum aufzubauen?

Beef: Das ist eine schwierige Sache… Ich kann nur für mich sprechen, aber ich mag eben Vinyl.

Andi: Ich bin auch kein Download-Fan, was ich nicht mag, ist das die Dinge so immer schneller werden. Niemand hört sich bewusst ein ganzes Album an, man switched nur noch von einem Song zum nächsten. In der einen Woche hört man diese Band und in der nächsten Woche die nächste… es ist hart für neue Bands, sich so über einen längeren Zeitraum zu behaupten.

Beef: Ja, das stimmt. Es gibt kaum noch Identität.

Andi: Ich weiß nicht, ob es jemals eine Band geschafft hat, mit einem Download berühmt zu werden – und es zu bleiben. Es ist Fast Food für die Ohren. Ich mag es auch nicht, Musik einfach zu stehlen. Ich verstehe nicht recht, wie Plattformen wie spotify.com legal sein können, aber ich kenne mich damit nicht aus.

Beef: So was ist wie eine Brücke zwischen alten und neuen Zeiten, aber es beinhaltet Schwierigkeiten… das ist eine schwierige Frage. Ich habe keine Ahnung, wie das alles in 5 Jahren aussehen wird.

Andi: Ich habe mir Musik schon übers Internet angehört, auch über spotify.com, die meisten Bands haben ihre Alben dort… aber wir nicht, höchstens ein Album, glaube ich.

Beef: Nein, das Label hat’s runtergenommen.

Andi: Aber normalerweise kaufe ich mir ein Album, wenn es mir wirklich gefällt. Ich mag Vinyl und ich sitze gern da und höre es mir wirklich bewusst an. Denn man hört nur wirklich zu, wenn man die Zeit dafür hat. Nicht mal eben im Vorbeigehen… das ist wirklich eine komplizierte Sache… Also, was ist jetzt mit Pakistan?

Valve: Das war’s! Vielen Dank für das Gespräch and see you at the show!

Boner: Oh, diese verdammten Downloads!

Den heißen Auftakt geben Bonsai Kitten mit Killbilly made in Berlin: Mit feuerroten Haaren, Matrosenröckchen und Songs wie "Life Is A Bitch" und "Too Drunk To Fuck" heizt Frontfrau Tiger Lilly Marleen ordentlich ein - und spätestens als die Bühnendeko nach einer Kontrabass-Pyro-Einlage Feuer fängt, ist der Lido ready to rock.

Kurze Verschnaufpause und dann stürmen The Bones mit "Screwed Blued & Tattooed" die Bühne. Sonnenbrille, Cowboyhut, coole Miene und Rock'n'Reibeisenstimme, dass die Wände wackeln. Nach "Gazoline Business" gibt es mit "Shooting Blanks" schon eine erste Kostprobe auf das kommende Album - same old shit? Oh ja, und ob! So, wie es sein muss.
Es folgen mit "Not Another Lovesong", "Flatline Fever" und "Denial" einige dauerschleifentaugliche Lieblingsstücke, dazu knochenharter Rock à la "Chrome, Smoke & Thunderroads" und "Flashback". Ein bisschen Frauenverkasperung darf mit "Little Surfin' Demonbabe" auch nicht fehlen.


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Mit ihrer Live-DVD "Berlin Burnout" haben The Bones schon einmal ihre Liebe zur Hauptstadt demonstriert, und auch an diesem Abend betonen sie einmal mehr, dass Berlin ihre Heimat in der Fremde sei. In der Tat: Unter den tanzenden und tollewippenden Leuten im Publikum sind nur wenige, die mitgebracht wirken - und auch die rocken mit.
Nach drei Zugaben aus von "Zero To Ten" bis zum Blondinenwitz "Monsters Prefer Blondes" ist aber schließlich Schluss. Nein, halt! Noch einer "Until I Die". Großartig!

Und hinterher begegnet man den Jungs ganz locker am Merchstand und wird als Fan um einiges herzlicher begrüßt, denn als "Journalistin". Denn wie zu erfahren war, interessieren sich The Bones weniger für ihr Image als fürs Musikmachen und -leben. Und an so eine Band die Jungfräulichkeit zu verlieren, tut dann doch gar nicht weh.

Setlist:
1. Screwed Blued & Tattooed
2. Half Of Nothing
3. Gazoline Business
4. Shotting Blanks
5. Born To Butch
6. Not Another Lovesong
7. Chrome, Smoke and Thunderroads
8. Flashback
9. B O B -- ich krieg nicht raus, was das ist!
10. Little Surfin' Demonbabe
11. One Louder
12. Flatline Fever
13. Railroad Track
14. Denial
15. Graveyard Gloria

Text und Interview: Die famose Sabine Wirsching

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Aktuellste Berichte zum Künstler
Konzerttermine
24.05.2013 - Chemnitz (D), Chemnitz Arena (bei Rock 'N' Ink Tattoo Festival 2013)
11.07.2013 - Ballenstedt (D), Flughafen Ballenstedt (bei RockHarz Open Air 2013)
12.07.2013 - Breitungen (D), Bretinga fest (bei Bretinga fest)
09.08.2013 - Torgau (D), Entenfang (bei Endless Summer)
13.08.2013 - Essen (D), Turock
14.08.2013 - Dinkelsbühl (D), Flugplatz des Aeroclubs Dinkelsbühl (bei Summer Breeze Open Air 2013)

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R.I.P.


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Wir verabschieden uns von allen Lesern, Mitschreibern, Promotern und Künstlern, ohne die dieses tolle Projekt niemals so weit gekommen wäre wie es eben gekommen ist!

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