
Wie sehen Schlagerpreisverleihungen aus? Warum stehen Bands wie die Amigos ganz weit vorne in den Charts  und die wichtigste aller Fragen: Wieviel heile Welt findet man in der Schlagerszene tatsächlich? Diesen Fragen ging Valve am 7. Dezember beim Smago Award näher auf die Spur.
Im kleinen Aspach bei Stuttgart wurde im restlos ausverkauften Kanadischen Blockhaus erstmalig der Smago Award verliehen. Ein Preis, hervorgerufen vom Smago Chef Andy Tichler und durchgeführt von afmevents GmbH durch Andreas Ferber, dem Stiefsohn von Schlagerqueen Andrea Berg, der Dame, die just bei den Google-Such-Charts 2011 in den Top 10 gelandet ist. Verliehen wurde der Preis in verschiedensten Kategorien. Unter anderem gab es Trophäen für „Shooting Star des Jahres“ , „Castingstar“, „Comeback“, „Hit des Jahres“ und „Gruppe des Jahres“.
Der Preis stand, wie der allseits bekannte Moderator Jürgen Drews erwähnte, unter dem Licht der Nachwuchsförderung. So wurden junge Künstler wie Laura Wilde, Annemarie Eifeld oder Norman Langen ausgezeichnet. Letztere kennt man vermutlich aus der Casting Show „Deutschland sucht den Superstar“. Und da drängt sich natürlich die Frage auf: Wird hier nun aus Überzeugung Schlager gesungen oder ist Schlager die letzte Lösung vor dem absoluten Karriereniedergang? Annemarie Eifeld wirkte auf jeden Fall nicht sehr glücklich, irgendwie verloren und verlieh das Gefühl, dass die sonst so strahlenden Sängerin mit der deutschen Schlagermusik etwas zu kämpfen hat - vor allem, wenn man bedenkt, dass Eifeld vor ihrer Zeit bei DSDS Frontsängerin einer Rockband war.

Aber auch alte Schlagerkünstler wie Isabell Varell oder Ute Freudenberg wurden mit dem Smago Award ausgezeichnet. Die Optik der Location wirkte dabei sehr edel und passte mit der rot leuchtenden Dekoration zusätzlich sehr schön in die Weihnachtszeit und auch die Holzelemente des Kanadischen Blockhauses unterstrichen die Vorweihnachtsromantik. Die VIP Gäste saßen an stilvoll dekorierten weissen Rundtischen, das „normale“ Publikum dagegen musste in ebenso normalen Stuhlreihen Platz nehmen. Das Ganze wirkte dadurch doch wie eine Zweiteilung des Publikums und wo die „wichtigen“ Gäste mit Getränken und Essen versorgt wurden, saß der Rest etwas trocken da.
Die fast 4 stündige Veranstaltung lebte natürlich ganz besonders vom „König von Mallorca“. Drews sorgte mit einer ordentlichen Portion Charme und Natürlichkeit für einige Lacher und durch die Musikbeiträge der ausgezeichneten Künstler wurde die Preisverleihung gut aufgelockert. Auch wenn man kein Fan der Schlagermusik ist, kann man doch Spaß an solche einer Verleihung haben und die gute Stimmung unterstrich das noch zusätzlich.
Besonders ins Auge sprangen allerdings auch die Outfits der Künstler. Jürgen Drews erschien in einem silberfarbenen Anzug und die auftretenden Damen waren oft enorm sexy - mit Tendenz zu „nackig“ – gekleidet, erinnerten manche Outfits dabei doch sehr an eine Mischung aus Dracula und Stripperin.
Die Frage des Abends war eindeutig: Wie schafft es die deutsche Schlagermusik im Vergleich zu anderen Musikstilen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft die höheren Plätze in den deutschen Charts einzunehmen? Sind es die leicht zu merkenden Texte, die zum Mitsingen einladen , oder doch das nachvollziehbare Kopfkino, das sich bei vielen Texten sofort ergibt? Es gibt wohl kaum einen Schlagertitel, der sich nicht um Themen wie Liebe, Trennung und Herzschmerz dreht und vielleicht ist es genau das, was sich die Menschen im Vergleich zur doch oft sehr grausamen Nachrichtenrealität wünschen: Eine heile Welt in der es keinen Mord und keinen Totschlag gibt und der Liebeskummer das einzige Problem im Leben darstellt.

Ja, wie heil ist die deutsche Schlagerszene? Letztenendes sind die „Schlagertypen“ eben auch nur Menschen und unterscheiden sich eben nur im Musikstil von anderen Künstlern. Das Bild der heilen Welt, das in den Medien oft verkauft wird, existiert nicht. Auch in der Schlagerbranche gibt es Streit, Lügen, Trennungen und es wird Alkohol getrunken – mitunter sehr viel. Aber was im Vergleich zu anderen Musikrichtungen auffällt ist, dass der deutsche Schlager in sich sehr geschlossen ist. Er wirkt zusammen mit seinen Protagonisten wie eine eigene Welt. Jeder kennt hier Jeden und das Gemeinschaftsgefühl ist sehr ausgeprägt. Besonders fiel dies dann auch auf der Aftershowparty auf, wo im rustikalen Ambiente bis spät in die Morgenstunden zusammen gefeiert wurde. Auf Veranstaltungen wie diesen wird klar, dass der Schlager nicht ausschliesslich alt und bieder ist, sondern auch jung und sexy sein kann. Man darf gespannt sein, wie sich der Smago Award in der Riege der großen Musikpreise etablieren wird.
Sarah Müller
















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