
Nach zwei Jahren zum zweiten Mal im Gebäude 9 zu Gast und noch immer so zuckersüß wie beim ersten Mal. Die Südafrikanerin Cherilyn MacNeil alias Dear Reader zaubert an einem Dienstagabend zusammen mit ihrer multiinstrumentalen Band ihre vielschichtige Musik auf die kleine Bühne und gibt sich noch immer ganz verlegen und schüchtern.
Zwei Jahre sind eine lange Zeit, viel kann passieren. So auch bei Dear Reader, die nach ihrem Debütalbum „Replace Why with Funny“ vom Duo zur Solonummer geworden sind. Cherilyn MacNeil, oder auch Cheri, wie die Frontdame gemeinhin genannt wird, ist mittlerweile nicht mehr mit dem musikalischen Partner in Crime Darryl Torr unterwegs, sondern arbeitet allein weiter. Dafür zog sie nach Berlin (Torr blieb in Südafrika und ist dort als Toningenieur erfolgreich), lernte Deutsch und schrieb das Zweitwerk „Idealistic Animals“.
Aus beiden Alben spielt die fünfköpfige Band im Gebäude 9 ein buntes Potpourri an Songs und auch ohne „Idealistic Animals“ zu kennen, mag man behaupten die neuen Songs von den alten unterscheiden zu können. Dunkler sind sie, thematisch schwerer zu verdauen, nur vordergründig locken sie wie den Hörer mit zuckersüßen Melodien und einer Prise Pop an, um ihn dann in die Abgründe der Melancholie und Depression zu stoßen. Hübsche Meerjungfrauen sind sie und ob sich die nicht ganz so zahlreich erschienenen Fans vor den neuen Songs fürchteten oder einfach die Eingängigkeit vermissen ließen, bleibt offen.

MacNeil begeistert auch immer wieder mit Fetzen auf Deutsch, präsentiert sich als gute Freundin, nette Begleiterin durch den Abend und, ja, nett ist es von vorn bis hinten gewesen und nett war auch, dass man sich das ganze Geklatsche bei der Zugabe sparen durfte, um die dafür eingeplanten Songs direkt und ohne Umwege zu hören. Wir sehen uns wieder.
th


14.03.13 | News
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