Ian Brown - 24.01.2010, Hamburg/Knust

Ian Brown (c) Toby Binstead Mit den Stone Roses schrieb er in den späten Achtziger Jahren Geschichte und veröffentlichte mit deren Debüt 1989 ein Album, das ein Meilenstein  für eine ganze Generation an kommenden Acts aus Großbritannien werden sollte. Nach Jahren in der Versenkung und einer in den späten Neunziger Jahren gestarteten Solokarriere, die aber hauptsächlich in England für Aufsehen sorgte, gelang Ian Brown 2009 mit „My Way“ erstmals wieder ein richtig gutes Album, das allerorten viel Beachtung fand. Vergangenen Sonntag gastierte der schmächtige Brite mit der berüchtigt großen Klappe im beinahe ausverkauften Hamburger Knust. Es hätte ein großer Abend werden sollen wurde aber ein eher durchwachsenes Vergnügen.

 

 

 

Dabei standen die Zeichen am Anfang auf Sturm. Die Stimmung im Publikum ausgelassen, tänzelte Brown nonchalant mit großer Sonnenbrille und hautenger Lederjacke auf die Bühne, um dem Publikum erst einmal keine weitere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. All das war zu erwarten, der Mittelpunkt, die Show ist Brown schließlich selbst. Ein starrer  Blick, ein tänzelndes Schaukeln in den Hüften und das Tamburin als Messestab in den Händen; das sind die Gesten, die sich auch ein Liam Gallagher in den Folgejahren recht schnell zu Eigen werden ließ ebenso wie der arrogante Gestus, die saloppen und coolen Attitüden, die den Britpop aus Manchester ebenso definierten wie der von Brown damals losgetretene, stets tanzbare Rocksound; eine legere Mischung aus Dancehall und Modrock, ein Schwung Reggae und viel Pop.

Auf „My Way“ klang all das wieder frisch und strahlte noch immer einen unwiderstehlichen Reiz aus. Live hingegen entpuppte sich das Konzert als teilweise recht vorhersehbares und ausdrucksloses Vergnügen. Das lag jedoch nur zum Teil an der ordentlich aufgestellten Band. Dass das Konzert mit zunehmender Spieldauer abzustürzen drohte, lag vor allem an Brown selbst, der beinahe kaum einen Ton richtig traf und wenn doch, so ton- wie belanglos klang und an manchen Stellen arg indisponiert wirkte.

Ian Brown (c) Dean Sherwood


Das war ärgerlich, umso mehr, da das Konzert für einen Clubauftritt dieser Art soundtechnisch enorm gut ausgesteuert war und das Publikum von Anfang an bereit schien, sich auf eine umfeierte Party mit einer spät wiedergekehrten Legende einzulassen. Doch die Legende Ian Brown blieb an diesem Abend den Fans mehr als nur einige Erklärungen schuldig.

Dabei konnten aus dem Set die neueren Songs wie „Stellify“ oder „Vanity kills“ dennoch überzeugen. Die aktuelle Single „Just like you“ klang live mit allerlei elektronischen Loops angereichert satt und kraftvoll. Hier wirkte auch Brown am stärksten, energetischer und geladener als im übrigen Set, das er doch teilweise arg routiniert herunternuschelte.  Als nach knapp 70 Minuten das Konzert beendet war strömten die Zuschauer überraschend schnell in die kalte Hamburger Nacht hinaus. Das Brown seinen größten Hit „I wanna be adored“ gar nicht spielte, schien indes niemanden wirklich zu stören. Den wollten die meisten Fans wohl auch lieber in besserer Erinnerung behalten, als ihn Ian Brown an diesem Abend hätte singen können. Der Britpopheld erwischte nicht seinen allerbesten Tag.  

Marc-Alexander Jacobi


Ausschnitt bei youtube:
http://www.youtube.com/watch?v=qNK4GkCWfaw

Weiteres Material:
Offizielle Webseite: http://www.ianbrown.co.uk
Myspace: http://www.myspace.com/ianbrown

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