Placebo haben in ihrem Leben bisher so einiges erreicht. Nach 15 Jahren Banderfahrung, 2 Besatzungswechseln am Schlagzeug, mehrfachen Auszeichnungen und einer guten Hand voll Studioalben, kehren sie nach 3 Jahren mit „Battle For The Sun“ zurück. Nicht präsent waren sie ja nie: überall und ständig Konzerte, Videos, Interviews, Storys.
So erzählt Brian Molko in der aktuellen Kulturnews, er wolle nicht erwachsen werden. Lieber möchte er sich unentwegt aufführen wie ein Teenie – deswegen mache er Musik und bezeichnet Placebo als sowieso vollkommen untypische Rockband. Ob es die klassische Rockband überhaupt gibt, sei mal dahingestellt, wir bewegen uns immerhin in einer Szene, in der nichts ist, wie es scheint.
Die Band, die sich ehemals „Ashtray Heart“ nannte, ist eher merkwürdig und eigenbrötlerisch als typisch, bekennt Molko selbst. Anstrengend ist er, gibt in Interviews fragwürdige Antworten, wird dennoch als liebenswert eingeschätzt und denkt sehr viel an Fans und Sympathisanten. Für die hat er wirklich ein gutes Gespür, das beweist „Battle For The Sun“. Ganz anders als das im Jahr 2006 erschienene Album „Meds“, was fraglos auch den ein oder anderen Hit beherbergte, aber mehr depressiv als impulsiv ausfiel, lassen sich die 13 neuen Songs schon um einiges leichter aufnehmen. Eventuell etwas zu leicht.
 Mitschuld trägt natürlich der neue Drummer, Steve Forrest. Der sollte mit seinem 22jährigen Dasein „frischen Wind“ in den vermoosten Sound von Placebo bringen. Frisch ja, allerdings nicht im Sinne von neu oder angenehm kühl. Eher hat der junge Kalifornier Brian Molko und dem Schweden Stefan Olsdal nach eigenen Angaben aus einer recht deutlichen, sehr pessimistischen Phase herausgeholfen. Was das neue Album allerdings nicht zu einem Mallorcasonnensommeralbum macht. Es schäumt natürlich nicht über vor Fröhlichkeit, da Molkos Stimme allein dafür gänzlich ungeeignet ist, so dass ein gewisser Hauch Melancholie immer noch über dem Album schweben darf. Aber das ist das Gegenteil von Schlimm! Schlimm ist eher, dass die Platte erneut zu kommerziell und massentauglich geworden ist.
Placebo haben ein sensationelles Empfinden für Festivalsongs, simple Melodien und Eingängigkeit. Ein Glück für die Fans, denn die Songs könnten von ihnen, egal ob mehr oder weniger angeduselt, problemlos mitgesungen werden. Aber keiner der Titel lässt wirklich viel Interpretationsspielraum, eher noch folgt jeder klar einer eigenen Linie und lebt vor allem von zigfachen Wiederholungen im Text. Passt zum sommerlichen Festival wie die Faust aufs Auge!
Es gibt natürlich auch einige durchdachte Passagen, profundes Songmaterial sieht dennoch anders aus.
So mühelos sich „Kitty Litter“ einprägt, so schnell geht es auch bei „Ashtray Heart“, „Battle For The Sun“, „For What It’s Worth“ und alles was danach noch kommt. Das Problem ist einfach, dass es keinen wirklich großartigen Reißer gibt, der das Album doch noch zu etwas Besonderem machen kann. Die Songs sind astrein gegeneinander austauschbar. Sollen sie ja auch, laut Molko, denn ein Konzept steht nicht hinter dem Album. Für eingefleischte Placebo-Fans ist die aktuelle musikalische Entwicklung der Band selbstredend in Ordnung! Bei anderen, die erst überzeugt werden müssen, hat „Battle For The Sun“ jedoch keine Chance. Vielleicht ist das eben der Preis der Leichtigkeit, den sonst nur Teenager zahlen. Molko will es so.
Julia Fischer
Bewertung:  Highlights: - Lowlights: -
Tracklist: 01. Kitty Litter 02. Ashtray Heart 03. Battle For The Sun 04. For What It’s Worth 05. Devil In The Details 06. Bright Lights 07. Speak In Tongues 08. The Never-Ending Why 09. Julien 10. Happy You’re Gone 11. Breathe Underwater 12. Come Undone 13. Kings Of Medicine
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.placeboworld.co.uk Myspace: http://www.myspace.com/placebo
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