 Sechs Studioalben, vier DVDs und vier Livealben, 20 Singles, neun Soundtracks, mehrere Platinauszeichnungen und Nummer-1-Hits, Welttourneen, gefüllte Stadien und für die Damen: Brandon Boyd. Als Zugabe gibt es jetzt ein ordentliches, aus zwei Silberlingen bestehendes Best-Of-Paket.
Incubus scheint es an nichts zu fehlen. In den 18 Jahren Bandgeschichte hat sich das kalifornische Crossover-Kommando nebenbei auch noch für einen Grammy nominieren lassen und seinen ohnehin schon abgedrehten Stil laufend auf links gedreht, in Experimenten ertränkt, zum Trocknen wieder aufgehängt und dann doch wieder neu erfunden, kurz – die Herren sind vielseitig, jawohl. Was den Kollegen Boyd, Einziger, Kilmore, Kenney und Pasillas trotz allem Tamtam noch immer fehlt ist ein Best-Of-Album. Und das, oh Wunder, ist vor kurzem am Frankfurter Flughafen unter dem verheißungsvollen Decknamen „Monuments And Melodies“ ausgecheckt.
Nun ist das immer so eine Sache mit Best-Of-Alben. Denn dieser Sorte Tonträger haftet oftmals der bittere Beigeschmack eines geldscheffelnden Plattenriesen an, der in regelmäßigen Abständen und ohne größeren Aufwand noch ein paar Goldbarren dazuverdienen möchte. Da werden dann alle vermeintlichen Hits der Band hübsch auf einer Scheibe zusammengequetscht und mit ein oder zwei „braaaandneuen“ Songs garniert, während die Band Phrasen wie „der Beginn einer neuen Ära“ oder „…wenn wir zurückblicken, dann…“ über die müden Lippen wälzt.
Bei Incubus sieht das anders aus. Von einer neuen Ära ist hier nicht die Rede, denn wer doch einen Blick in die Vergangenheit zurückwirft, stellt fest, dass Veränderungen und Experimente zu Incubus gehören, wie die Nase zu Michael Jackson. „Monuments And Melodies“ ist zunächst mal ein Doppelalbum. Während die eine Hälfte alle Hits und Klassiker der Band, inklusive natürlich solchen Airplay-Wundern wie „Drive“ und „Love Hurts“, vereint und mit den beiden „braaaandneuen“ Songs „Black Heart Inertia“ und „Midnight Swim“ durchaus in das Schema eines Standard-Best-Of passen würde, sieht die zweite Hälfte schon anders aus. Hier servieren Incubus leckere Raritäten, B-Seiten und unveröffentlichte Kost. Neben einer gelungenen Coverversion von Prince’ „Let’s Go Crazy“ finden sich hier Songs wie das selbst für Incubus-Verhältnisse sehr melodische und atmosphärische „While All The Vultures Feed“.
Dichte Atmosphären wie aus dem Nichts heraufzubeschwören gehört zu den Spezialitäten dieser Truppe, das beweist schon der sehr nachdenkliche Titelsong des Albums. „Monuments And Melodies“ ist ein Bonustrack des Albums „A Crow Left Of The Murder…“ (2004), mit dem Incubus ihren Stil ein weiteres Mal durch den Fleischwolf drehten. Beim Hören von „Punch Drunk“ entfaltet sich eine ähnliche Wirkung. Allerdings ist dieser Song weniger melancholisch, sondern scheint einem Flügel aufzusetzen und aufs Meer hinauszuschubsen.
Damit verglichen fühlt sich „Look Alive“ an, als sei man soeben gegen eine ernstzunehmende Klippe gekracht. Hier ist der Funk ausgebrochen. Bassist Ben Kenney macht einem gewissen Flea von den Red Hot Chili Peppers durchaus Konkurrenz.
Sofern es so etwas wie einen Rahmen für Incubus-Songs gibt, schafft es nur ein Song auf dem gesamten Album dort herauszufallen – „Martini“. Dieses Biest ist das eigentliche Highlight des Pakets. Schiefe Gitarren, selbst für Brandon Boyd sehr eigenwilliger Gesang und ein Groove, der sich anfühlt, als würde Drummer Jose Pasillas einen wild gewordenen Gorilla durch Los Angeles trommeln.
Die aktuelle Single „Black Heart Inertia“ setzt fort, was mit „A Crow Left Of The Murder…“ und dem letzten Werk “Light Grenades” begann. Noch immer experimentell und doch etwas poppiger als in früheren Zeiten kommt die Band daher. Dennoch sind die beiden Neuankömmlinge im Incubus-Universum vergleichsweise uninteressant und heben sich durch nichts besonderes hervor. Interessant ist hingegen, dass Gitarrist Mike Einziger in den beiden neuen Songs einen Hang zu ausgedehnten Gitarrensoli zu entwickeln scheint. Sowohl in „Black Heart Inertia“, als auch in „Midnight Swim“ sägt er sich schon fast klassikrockähnlich durch die Soundwände.
 Incubus’ Best-Of-Sammlung „Monuments And Melodies“ bietet einen guten Überblick über vieles, was die Band seit ihrem Zweitling „S.C.I.E.N.C.E.“ (1997) zusammengefrickelt hat. Moment – Zweitling? Ja genau, da fehlt doch noch etwas! Das 1995 erschienene erste Album „Fungus Amongus“ ist mit keinem einzigen Song vertreten, was angesichts von solch hirnverbrannten Funknummern wie „Take Me To Your Leader“ ziemlich schade ist. Als Ausgleich gibt es eine sehr entspannte Akustikversion des Klassikers „A Certain Shade Of Green“. Aber dennoch – die wirklichen Oldschool-Incubus bekommen Neuentdecker der Band, die sich mit „Monuments And Melodies“ einen Überblick verschaffen wollen, leider nicht zu Gehör.
Allerdings liegt dem Album ein kleines Gimmick bei. Ein darin enthaltener Code öffnet die Tore zu „The Vault“ – einer Art Incubus-Gerümpelkammer, in der sich Konzertmitschnitte, weiteres unveröffentlichtes Material und bestimmt auch viele andere interessante Dinge verbergen. Und vielleicht springt einen dort auch ein ganz junger, wild gewordener Brandon Boyd entgegen und schreit: „Take me to your leader or die by the fly guy!“
Felix Wilmsen
Bewertung:  Highlights: Neither Of Us Can See, While All The Vultures Feed, Punch Drunk, Martini, Monuments And Melodies Lowlights: Black Heart Inertia, Midnight Swim
Tracklist:
CD1: 1. Black Heart Inertia 2. Drive 3. Megalomaniac 4. Anna-Molly 5. Love Hurts 6. Wish You Were Here 7. Warning 8. Stellar 9. Talk Shows On Mute 10. Pardon Me 11. Dig 12. Oil And Water 13. Are You In? 14. Nice To Know You 15. Midnight Swim
CD2: 1. Neither Of Us Can See 2. Look Alive 3. While The Vultures Feed 4. Pantomime 5. Anything 6. Punch Drunk 7. Admiration 8. Martini 9. A Certain Shade Of Green (Acoustic Version) 10. Monuments And Melodies 11. Let’s Go Crazy (Prince Cover)
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.enjoyincubus.com Myspace: http://www.myspace.com/incubus
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