 Ein wenig wirr sieht er aus - der Mensch hinter Apostle of Hustle. Die Haare vollkommen durcheinander und hinter der Sonnenbrille dieser ständig belustigte, fast schon durchtriebene Blick. Gerade so als würde er einen heillosen Spaß daran haben, der Menschheit bei ihren Untaten einfach nur zuzusehen.
Andrew Whiteman passt zu seiner Musik. Zusammen mit Julian Brown am Bass und Daniel Stone an den Drums legt der kanadische Saitenquäler und Sänger als Apostle of Hustle das mittlerweile dritte Album vor, das wiederum zum dritten Mal irgendwie anders ist als alles andere. Man stelle sich eine amerikanisch-kubanische Patchworkfamilie vor, die zusammen mit diversen Instrumenten, ein paar dicken Havana-Zigarren und genug Brennholz, um auch im Winter die Nacht zum Tag werden zu lassen, zu einem Konzeptalbum zusammengepresst wurde.
Andrew Whiteman entstammt dem kanadischen Indie-Cocktail Broken Social Scene, von denen er sich auch Produzent Marty Kinack ausgeliehen hat. Geprägt von einem längeren Kuba-Aufenthalt sprengt Whiteman mit Apostle of Hustle jegliche Vorstellung, von dem was geht und was eigentlich unmöglich sein sollte. Schon auf den Vorgängern „Folkloric Feel“ und „National Anthem of Nowhere“ kombinierte er experimentellen Indie-Rock mit klassisch kubanischer Volksmusik. Auf „Eats Darkness“ findet sich letztere zwar immer noch wieder, allerdings in abgeschwächter Form. Dafür wird das Album regelmäßig von Klangcollagen aus Sprach- und Geräuschfetzen zerstückelt. „Eats Darkness“ stellt laut Whiteman ein Mittel gegen die Dunkelheit und in dem Sinne alles Schlechte in der Welt dar. „One eats darkness and somehow is able to excrete out pure light!“ - Wer die Hölle, die ihn umgibt, in sich aufnehme, werde den grauenhaften Ballast schließlich in Form von purem Licht wieder los. Eine interessante Philosophie, an die man sich erstmal gewöhnen muss…
Dem Konzept angepasst handeln die meisten Songs vom Umgang mit Kriegen und Konflikten jeglicher Form – den ganz normalen Alltag inbegriffen. Gleich im ersten Song des Albums schlagen jedoch zunächst die kubanischen Einflüsse voll durch. Beim unglaublichen Ohrwurm „Eazy speaks“ mit tanzbaren Salsa-Rhythmen und einem der stärksten Refrains des Albums wird sich selbst Fidel Castro kaum auf seinem Balkon halten können. Mit „Soul Unwind“ springt einem gleich der nächste Höhepunkt entgegen. Ein Duett, schräg quietschende Bläser und dezente Elektrosounds. Der Track kommt mit den wenigsten Worten auf dem ganzen Album aus („Soul Unwind/You got to soul unwind“) und wird dennoch nie langweilig. Trotz aller Schrägheit ist dies vielleicht der erste wirklich massenkompatible Song von Apostle of Hustle. Bemerkenswert ist auch das verträumte „Xerses“, bei dem Whitemans weiche und immer leicht melancholische Stimme besonders stark zum Tragen kommt. Dasselbe gilt auch für das lockere „Blackberry“, in dem Julian Browns verspielte Basslinien eine Melodie nach der anderen unter die schrammeligen Gitarren legen.
Dass die Herren Musiker es nicht lange an einem Fleck hält, beweist spätestens das wirklich seltsame „Perfect Fit“. Einerseits ist dieser Strudel aus verzerrtem Gesang, Elektrobass und einfach nur durchgeknallten Effekten wirklich faszinierend. Andererseits kann einen das ganze Gewurstel auch tierisch auf die Nerven gehen. Hier scheiden sich die Geister.
Wem der Gesang in der Hymne „Regenerosity/Whistle in the Fog“ gegen Ende zu spanisch vorkam, sollte aufpassen, dass ihm mit „How to Defeat a More Powerful Enemy“ die Tapas nicht im Halse stecken bleiben, weil er plötzlich schwedische Köttbullar vor sich hat. Der Refrain erinnert stark an Mando Diao.
Man kann den Herren von Apostle of Hustle bei bestem Willen nicht nachsagen, dass es ihnen an Kreativität oder nötigem Dachschaden fehlen würde. Auf „Eats Darkness“ sind die Latino-Einflüsse zwar weniger stark vertreten als auf dem Erstling „Folkloric Feel“. Allerdings ist das Album dermaßen abwechslungsreich, dass es einem zeitweise wie ein Wunder erscheint, dass die Band sich überhaupt auf gemeinsame Studiozeiten einigen konnte. Whitemans Devise, nie zu lange dasselbe machen zu können, endete auch schon mit den beiden Vorgängern in interessanten Experimenten, die mit „Eats Darkness“ wohl ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden haben. Im ersten Track „Snake“ wird der unbescholtene Höher beispielsweise zuerst einmal über die Fortpflanzungsorgane von Schlangen aufgeklärt. Ah ja, alles klar. Und da soll man sich noch über das wirre Aussehen eines Andrew Whiteman wundern?! Apostle of Hustles neue Scheibe ist nicht nur für gefährlich schräge Indie-Knallköppe sehr zu empfehlen und ist einfach ein gutes Album.
Felix Wilmsen
Bewertung: Highlights: Eazy Speaks, Soul Unwind, Xerses, Blackberry, Perfect Fit Lowlights: Eats Darkness, Perfect Fit
Tracklist: 1. Snakes 2. Eazy Speaks 3. Soul Unwind 4. Sign 5. Perfect Fit 6. Xerses 7. What are you talking about? 8. Whistle in the fog 9. Eats darkness 10. Return to sender 11. How to defeat a more powerful enemy 12. Nobody bought it 13. Blackberry
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.apostleofhustle.com Myspace: http://www.myspace.com/apostleofhustle Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Apostle_of_Hustle
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