Seit Wochen rollt die Hype-Walze, jetzt ist es soweit: Chickenfoot haben ihr Debüt vorgelegt und müssen zeigen, ob die Addition von vier großartigen Musikern tatsächlich auch eine großartige Band ergibt. Auf dem Papier ist das Rock-Quartett aus Gitarrengott Joe Satriani, Ex-Van Halen Fronter Sammy Hagar, sowie dem früheren Van Halen Basser Michael Anthony und Chili Peppers Drummer Chad Smith für Stadionrock-Aficionados die Supergroup schlechthin. Mit Gewinnspiel!!!
Zusammengefunden haben die millionenschweren Haudegen durch Zufall: bei einer Jam-Session in Hagars Club „Cabo Wabo Cantina“ im mexikanischen Cabo San Lucas. Anfang 2008 spielten sie dann bei einem Sammy Hagar Konzert in Las Vegas zusammen ein paar Coversongs – alte Van Halen Hits gab es keine, dafür Led Zeppelin. Und mit keinen geringeren als den legendären Rock-Ikonen vergleicht Großmaul Hagar denn auch gerne sein neues Baby Chickenfoot: „In der ersten Minute, als wir mit der Jam-Session anfingen war mir klar: Das hier müssen die Leute hören.“ Aber allen durch jahrzehntelangen Promi-Status und das damit verbundene süße Leben induzierten Größenwahn beiseite: Chickenfoot lassen es auf ihrem Debüt tatsächlich amtlich krachen. Was die vier Talente zusammen ausgebrütet haben, hat zwar mit Led Zeppelin nicht unbedingt allzu viel zu tun, ist aber sehr straighter Amirock mit starkem Blues- und noch stärkerem Funk-Einschlag. Die wohl größte Gefahr bei einem Projekt solch verdienter Veteranen – dass es sich einfach behäbig, satt und selbstgefällig anhört – haben Chickenfoot gekonnt umschifft.
 Sicher: Den Hunger, von dem junge und bettelarme Studi-Bands profitieren können, dürfen Chickenfoot nicht mehr glaubhaft imitieren – Sie versuchen es aber auch nicht. Stattdessen kommen viele Songs der Scheibe mit einer fast provokanten Lässigkeit daher, die stellenweise die Schwelle zur Arroganz streift. „I got money! I got fame! Fast cars and everything!“ rotzt Hagar dem Publikum etwa gleich zu Beginn der Single-Auskopplung „Soap on a rope“ entgegen. Solche Zeilen lassen keinen Zweifel aufkommen: Den Jungs scheint die Sonne einfach aus dem Arsch. So hört sich kalifornischer gute-Laune-Rock an. Daneben gibt es allerdings auch durchaus gute Texte („Avenida Revolution“) und schöne Balladen, etwa das träumerische „Learning to fall“.
Erfreulich ist auch, dass sich das Gitarrenspiel von Meisterklampfer Satriani nur selten eitel in den Vordergrund drängt und die meiste Zeit bescheiden in das Gesamtbild einfügt. Denn der Altmeister ist ohne Zweifel einer der begnadetsten Gitarristen überhaupt – doch kann sein Spiel gerade deswegen die Strukturen des klassischen Rocksongs nur zu leicht sprengen.
 Alles in allem ist Chickenfoots Debüt ein gelungener Einstand, der sowohl die letzten Platten von Van Halen, als auch das letzte Solo-Opus von Joe Satriani deutlich übertrifft. Bleibt abzuwarten, ob Chickenfoot sich als Langzeitprojekt oder doch nur als Seitensprung entpuppt. Und ob die Jungs wirklich diesen bescheuerten Namen behalten wollen.
Maurice Farrouh
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Bewertung: Highlights: Avenida Revolution, Soap on a rope, Sexy little thing, Runnin' out, Learning to fall Lowlights: Turning left
Tracklist: 1. Avenida Revolution 2. Soap On A Rope 3. Sexy Little Thing 4. Oh Yeah 5. Runnin' Out 6. Get It Up 7. Down The Drain 8. My Kinda Girl 9. Learning To Fall 10. Turnin'left 11. Future In The Past
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.chickenfoot.us/ Myspace: http://www.myspace.com/thechickenfoot Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Chickenfoot
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