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Es gibt Konzerte, gute Konzerte, ja auch fantastische Konzerte soll es schon gegeben haben. Den vier Mitgliedern der Band Gossip wäre ein solches allerdings nicht gut genug und so zelebrieren sie lieber eine Messe, die unter frenetischem Jubel des Publikums mit dem Erscheinen der Erlöserin Beth Ditto beginnt und bis zur Erleuchtung anhalten soll.
Ja, man muss zugeben, dass die Hoffnung bestand, Frontfrau Beth Ditto würde ihrem Ruf gerecht und sich wie auf dem Cover des britischen NME die Blöße geben, sobald sie die Bühne betritt. Nicht, wie der geneigte Leser jetzt vielleicht denken mag, der puren Fleischeslust wegen, sondern um einem handfesten Happening, ja einem kleinen Skandal beizuwohnen. Wer könnte dazu besser geeignet sein als der Breakthrough-Act The Gossip. Eben jene Band, die sich 1999 gründete und drei Alben warten musste, bis der große internationale Erfolg kam. Aber dann mit „Standing in the Way of Control“ im zweiten Anlauf auch richtig.
 Gute drei Jahre ist die Veröffentlichung nun her und was im kommenden Juni mit „Music for Men“ folgt, ließ sich am 21.5. in Mannheim bereits ausgiebig auf Tanzbarkeit testen. Und wer hätte gedacht, dass Rauschebart Rick Rubin, der zuletzt für die Metallicas „Death Magnetic“ verantwortlich zeichnete, so beat- und synthieorientiert arbeiten würde? Neben dem neuen „Heavy Cross“, das unglaubliche Energie im Saal freizusetzen vermochte, und einigen anderen noch nicht veröffentlichten Titeln, die wir zum jetzigen Zeitpunkt leider auch nicht mit Namen versehen können, kamen natürlich auch bekannte Kracher wie „Your mangled Heart“ und das sowieso schon längst zum Kult gewordene „Standing in the Way of Control“ zum Einsatz. Letzteres hatte keine fünf Sekunden aus den Boxen gedröhnt, da war die Bühne auch schon randvoll mit Konzertbesuchern, die mit Ditto die Plätze tauschten und mächtig abzufeiern wussten. Die Titel vom kommenden Album wirken zwischen all den bekannten Tracks wesentlich elektronischer, breiter im Sound und drücken dem System Gossip, das um seine Sonne Beth Ditto kreist, einen noch wesentlich energetischeren Stempel auf. Rubin scheint hier ganze Arbeit geleistet zu haben, um noch mehr Kraft aus der ohnehin unverwechselbaren und nimmermüden Stimme der Frontfrau herauszukitzeln. Vom ersten bis zum letzten Moment leistete sich eine mitreißende und auch mal spuckende Ditto nicht einen Schwachpunkt und ließ – zur Belustigung aller Anwesenden – die selbst gestellte Frage, wie oft die Band denn nun schon in Mannheim gewesen sei, nicht offen, sondern sang die Antwort immer mal wieder zwischen und in den Lieder selbst. Und so dürfte die Zeile „First time in Mannheim“ so manchem in Ekstase versetzten Besucher noch tagelang im Ohr nachgeklungen sein.
 Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch die wunderbare Vorband namens Cortney Tidwell, die mit ihrer Mischung aus experimentellem Pop, Rock und Country nicht nur musikalisch, sondern auch stimmlich überzeugen konnte. Sängerin Tidwell, hierzulande noch recht unbekannt, phrasiert irgendwo zwischen Beth Orton und Björk und sollte in Zukunft noch einige Berichte wert sein.
Bis dahin verweisen wir also auf das kommende, in Teilen schon jetzt hypnotisierende, neue Gossip Studioalbum „Music for Men“ und natürlich auch auf das ebenfalls im Juni erscheinende „Boys“ von Cortney Tidwell.
Mehr Fotos findet ihr unter http://www.flickr.com/photos/valvemagazine
The Gossip Weiteres Material: Webseite: http://www.gossipyouth.com Reinhören: http://www.myspace.com/gossipband
Cortney Tidwell Weiteres Material: Webseite: http://www.myspace.com/cortneytidwell
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