|
Die Manic Street Preachers veröffentlichen mit “Journal for plague lovers“ ihr mittlerweile neuntes und vermutlich schwierigstes Studioalbum der Bandgeschichte. Fast 14 Jahre sind vergangen seit Richey Edwards, ein Viertel der Manic Street Preachers, spurlos verschwunden ist. Für die Band ein schwerer Schlag, denn Edwards war Frontmann und Texter zugleich. Für ihr neues Album wagten die verbliebenen drei Mitglieder eine Reise in ihre eigene Vergangenheit und verwendeten bisher unveröffentlichte Texte von Edwards als Grundlage für ihre neuen Songs.
Erst letzten Winter schien der richtige Zeitpunkt für die verbliebenen Bandmitglieder gekommen zu sein, um sich mit dem Erbe von Edwards auseinanderzusetzen. Bassist Nicky Wire meinte zu dem Entschluss, Edwards Texte zu verwenden: "Die Genialität und Intelligenz seiner Texte ließen uns einfach gar keine andere Wahl, als sie irgendwann zu verwenden. Die Art, wie er Sprache verwendet, ist erstaunlich und er behandelt Themen wie "The Grande Odalisque" von Ingres, Marlon Brando, Giant Haystacks, Prominente, Konsumverhalten und Fehlbildungen."
 Ohne die Möglichkeit sich von Edwards die Bedeutungen erklären lassen zu können, mussten die verbliebenen drei Mitglieder ihren eigenen Umgang mit den hinterlassenen Zeilen finden. Um dies zu verwirklichen arbeiteten die Waliser erstmals mit Steve Albini zusammen, dessen Qualitäten darin liegen, den Sound einer Band so ursprünglich wie möglich einzufangen. Die Songs des neuen Albums klingen folglich nicht überladen wie etwa auf “This is my truth tell me yours“, sondern erinnern vielmehr an die eher dunkle und wütende Stimmung von “The holy bible“, dem letzten Album der Manics zusammen mit Richey Edwards.
Die Vielzahl der Songs auf “Journal for plague lovers“ sind geprägt von nach vorne gehenden Momenten. Paradebeispiele hierfür sind der Opener “Peeled apples“ sowie “She bathes herself in bleach“. Vor allem bei diesen beiden Songs wird die musikalische Nähe zum Album “The holy bible“ deutlich. “Jackie Collins existential question time“ bietet hingegen einen Mix aus Pop und Rock der zum Mitwippen verleitet. Zusammen mit “Marlon J.D.“ und “Virginia State Epileptic Colony“ die eingängigsten Songs des Albums.
Doch “Journal for plague lovers“ enthält auch einige akustische Momente. Am deutlichsten auf das Wesentliche reduziert agieren die Manic Street Preachers in “Facing page: Top left“ und in der ersten Hälfte von “This Joke Sports Severed“. Mit dem abschließenden akustischen “William´s last words“, das von Nicky Wire gesungen wird, scheint Edwards seinen Bandkollegen und Fans zudem einen Abschiedsgruß hinterlassen zu haben.
Mit “Journal For Plague Lovers“ ist es den Manic Street Preachers gelungen den Texten von Edwards ein passendes musikalisches Gewand zu geben. Die Band lässt längst vermisste Stärken aufblitzen und liefert einige der besten Songs, wenn nicht sogar das beste Album, seit einiger Zeit ab.
Stefan Lohse
Tracklist: 1. Peeled apples 2. Jackie Collins existential question time 3. Me and Stephen Hawking 4. This joke sport severed 5. Journal for plague lovers 6. She bathed herself in a bath of bleach 7. Facing page: Top left 8. Marlon J.D. 9. Doors closing slowly 10. All is vanity 11. Pretension/repulsion 12. Virginia state epileptic colony 13. William’s last words 14. Bag lady (Hidden track)
Bewertung:  Highlights: Jackie Collins existential question time, This joke sport severed, Marlon J.D., Virginia state epileptic colony Lowlights: Bag Lady
Weiteres Material: Webseite: http://www.manicstreetpreachers.com Reinhören: http://www.myspace.com/manics
- Artikel bei Amazon bestellen
- Artikel bei Amazon MP3 herunterladen
- CD bei Musicload kaufen
- Artikel bei iTunes kaufen
|