 Das Muffinsüße, rosarote melodramatische CD-Debut „How tob e a complete Bastard“ der Nürnberger Band Willie Tanner versucht an die 80er Jahre Kultklamotte anzuknüpfen. Der liebevolle Alfpapi hat sich als nonkonformer, „crackrauchender Schwulenbarliebhaber“ entpuppt. Grund genug für die Band sich den guten alten „Will“ namentlich auszuleihen, weil er ja doch eine ganz coole Type ist. 80er Jahre hin oder her, allein das Cover erinnert an die bunte alte Zeit eines Steckwürfels, aber tut es auch die Musik?
Wenn man mal ganz ehrlich ist, hat man das alles schon einmal gesehen, gehört, für gut oder nicht gut befunden und dann ins CD-Regal gestellt. So wird es höchstwahrscheinlich auch mit „How to be a complete Bastard“ sein. Eine tragische Nebengeschichte des überfüllten Musikmarkts. Jeder Pseudomusiker, am Besten so exzentrisch wie möglich, kann seine musikalischen Ergüsse ins Netz werfen, am Besten mit richtig viel Provokation in Form von Schweineblut oder anderlei Leckereien.
In ist, wer sich von der Masse abhebt. Dass sich die Farbe Rot von Schwarz abhebt ist jedem bewusst, also sind sie optisch schon mal auf dem richtigen Weg. Das ist aber nicht mal die halbe Miete. Mögen sie auch gute Musiker sein, wer ein Instrument spielen kann, ist es heutzutage schon. Aber was dieser Band fehlt ist der Wiedererkennungswert. Selbst als Frontfrau hat man heute keinen Sonderstatus mehr. Die Emanzipation ist auch in die Musikwelt vorgedrungen. Um den großen Musikmarkt zu erobern fehlt dieser Band eine Spur Irrwitz und das I-Tüpfelchen „Wow-Effekt“.
 Die Platte rattert vor sich hin und kommt ohne musikalische Raffinessen aus. Ein hartes Vorspiel, jedes Lied scheinbar dieselbe Melodielinie, variiert mit einer zweiten Gesangsspur, kurzen Kopfstimmenausflüchten. Auf diesen harten Teil folgt ein eindeutig klarer gestrickter Vorspann zum Refrain, wahlweise mit oder ohne Gesang. Song eins („Bored Treasure“) und zwei („Home Sweet Homeless“) folgen exakt demselben Schema. Die anderen variieren etwas. Vielleicht gefällt „Boogiepop Phantom“, aber nur bis der Gesang einsetzt, der Riff mit zweimaligem Tonabfall erinnert an Led Zeppelin, die kleine Elektromelodie ist erfrischend, aber hierfür viel zu Schade, daher fehl am Platz.
„How to be a complete Bastard“, als Namensträger des Albums, kommt dann plötzlich ganz elektronisch als 80er-Jahre-Reminiszenz daher, entgegen dem emo-artigen, an AFI erinnernden, Sound. Danach geht’s mit „Up to you“ aber wie gewohnt weiter im Programm. Tätowierte Gitarrenriffs, die oft gute bluesige Anfangsmotive enthalten, verschwimmen nach einer halben Minute mit Palm-mute-Effekt und verzerrten Gitarrenakkorden. Tätowiert eben, sieht ja ganz schick aus, auf der Bühne und so, aber klingt einfach wie eine kratzende Nadel.
Bewertung: Highlights: Boogiepop Phantom Lowlights: Up to you, Icecream Wars, My poet Monster
Tracklist: 1 Bored Treasure 2 Home Sweet Homeless 3 Icecream Wars 4 How to be a complete Bastard 5 Up to You 6 Serial Memory Killer 7 Boogiepop Phantom 8 My poet Monster 9 Plastic Feelings
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.kaputtrocken.de/ Myspace: http://www.myspace.com/willietannerrocks
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