 „Circus“: Das ist Britney! Showgirl und Entertainerin schlechthin, immer nahe am Abgrund, um sich anschließend doch wieder zu fangen, negativer Publicity zu trotzen und einfach ihren Weg zu gehen. Es kann zwar nicht ganz „ihr Weg“ sein, da sie als derzeitige Pop-Marionette die Nase sehr weit vorn hat, aber das Showgeschäft mit Blauäugigkeit zu betrachten hat sich Miss Spears sowieso schon sehr früh abgewöhnt.
Als kleines Mädchen von acht Jahren begann ihre sagenhafte und häufig mit zu makaberen Momenten versehene Karriere. Viel zu oft war sie als Erwachsene in den Negativschlagzeilen - ein gefundenes Fressen für drangsalierende Reporter, Amateurfotografen und Paparazzi ist sie eh und je. Nahezu alle Menschen bekamen jede Minute ihres Lebens mit, das mal mehr, mal weniger interessant schien. Und jedes Mal wird ihr schillerndes bis glanzloses Leben in Texten und Musik verarbeitet und als Platte auf den Markt gebracht. So auch bei „Circus“.
Ein fast banaler Begriff, der Britneys Dasein dennoch treffend betitelt. Als Mittelpunkt in der Manege werden offenbar nach eigenen Wünschen wieder alle Spots auf sie gerichtet. Und hinter den Kulissen lauert dann der wahre Zirkus, in dem sämtliche Krisen und Chaos die Oberhand gewinnen. Die Abrechnung mit diesen Tiefpunkten folgt stets in musikalischer Gestalt auf der Bühne oder als Album und mit jedem Gegenschlag scheint eine riesengroße Last von Spears zu fallen.
Mit „Circus“, ihrem sechsten Studioalbum, setzt Britney größtenteils auf Nachtclub-Pop. Wie gewohnt verknüpft sie mit ihren Produzenten grundverschiedene Musikstile zu einem erträglichen Gesamtwerk, wenn es auch nicht wirklich überraschend oder gar weltbewegend ist. Aber abgesehen von den vorlauten Anspielungen auf Presse, Ex-Freunde, Männer und anderen Problemthemen in ihrem Leben, tut dieses Album keinem etwas. Es ist nicht einmal notwendig, zwischen den Zeilen zu lesen. Britney kontert allen bisherigen Schwierigkeiten direkt und offen und das sogar in einer äußerst experimentellen Art.
„Womanizer“ und der Titelsong „Circus“ gehen als pampige Ohrwürmer mit viel elektronischem Pop durch. Die Balladen „Out From Under“ und „Unusual You“ sind gut gelungen, selbst wenn Britneys dünnes Stimmchen nicht viel hergibt, aber dank versierter Produzenten und technischer Hilfsmittel ist klassischerweise noch einiges verbessert worden.
Ab „Kill The Lights“ beginnt nun die eigentliche Abrechnungsphase mit der bösen Welt. Vom Wesen her bleiben Nummern wie „Shattered Glass“, das wohl an ihre Verflossenen gerichtet ist, oder „If U Seek Amy“ sehr beatlastige und eingängige Dancepop-Stücke. Auf Dauer schwinden der Auftürmung an Songs in „Circus“ allerdings Spannung, Abwechslung und Ideenreichtum und im Querschnitt verblassen die Neugier und Konzentration ebenso einfach. „My Baby“, „Mannequin“ und „Lace and Leather“ rufen direkt zum unverschämten Gähnen auf.
 Köstlich und amüsant wird es allerdings bei „Mmm Papi“, einem „Must-Hear“ unter den obligatorischen unkeuschen Pop-Prinzessinen-Nummern und einziger Ausbrecher in dem sonst sehr homogenen und harmlosen Material. Es ist eben alles schon einmal da gewesen. „Circus“ reiht sich dennoch gut in die Playlist vom Vorgängeralbum „Blackout“ ein und könnte ebenso erwartungsgemäß als Vorlage für das nächste Album dienen.
Britney Spears muss jedenfalls dank ihres zirkushaften Lebens, der Schlagzeilen und ihrer Kämpfernatur keine Angst haben, jemals in Vergessenheit zu geraten. Denn neben Madonna und Elvis als Legenden im Showbiz bleibt sie wohl in den Köpfen der meisten Leute hiesiger Generationen erhalten - trotz dieser Reihe an durchwachsenen Alben.
Verfasst von Julia Fischer
Bewertung: Highlights: Mmm Papi Lowlights: My Baby, Lace and Leather
Tracklist: 01. Womanizer 02. Circus 03. Out From Under 04. Kill The Lights 05. Shattered Glass 06. If U Seek Amy 07. Unusual You 08. Blur 09. Mmm Papi 10. Mannequin 11. Lace And Leather 12. My Baby 13. Radar (Bonus Track)
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.britneyspears.com Myspace: http://www.myspace.com/britneyspears Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Britney_Spears
- Artikel bei Amazon bestellen
- CD bei Musicload kaufen
- Artikel bei iTunes kaufen
|