|
Sterne, die wir heute am Himmel sehen, sind in vielen Fällen bereits verglüht und erscheinen uns nur noch als lautlose, helle Lichtpunkte am Firmament. Doch hätte ihr Schauspiel eine Begleitmusik, wäre Danielle Stech-Homsy mit ihrem „Rio en medio“-Projekt und der neuen Scheibe „Frontier“ in der engsten Auswahl. Zauberhafter Avantgardismus im Geiste von CocoRosie und My Brightest Diamond.
Danielle Stech-Homsy heißt die Künstlerin, die als Tochter eines in den 80er Jahren an AIDS verstorbenen syrischen Malers und einer Kostümschneiderin und Flamencotänzerin in New Mexico geboren und in Kalifornien aufgezogen wurde. Sie studierte Russisch im College und begann, während sie ein knappes Jahr lang in New York Gedichte übersetzte, mehr oder weniger zufällig damit Songs zu schreiben. Als sie ihr erstes Album in Eigenproduktion fertig gestellt hatte, dauerte es nicht lange, bis die Platte über einen Freund in die Hände von Waldfee Devendra Banhart gelangte, der die Dame direkt für sein Label gewinnen konnte.
Für „Frontier“ ist sie nun zurück nach New Mexico gegangen und hat sich dort zusammen mit sporadisch eingeladenen Freunden von allem isoliert, was sie in ihrer Kreativität stören könnte. Und von letzterer hat sie genug, um mit ihrer Musik ganze Galaxien zu formen.
 Und was Stech-Homsy dabei erschafft, sind avantgardistische Klangwelten, die in ihrer Sehnsucht nach Ferne auszuufern scheinen, doch stets von ihrer sanften und klaren, manchmal auch mehrstimmig aufgenommenen Stimme eingefangen werden. Neben ihrer Gitarre und ihrem Synthesizer wird die Amerikanerin dabei von so allerlei Utensilien oder Naturgeräuschen begleitet. Da klimpern Tassen, da zwitschern Vögelchen und da scheint irgendwo ein Windspiel seinen Teil zum Geschehen beitragen zu wollen. Und manchmal scheint es gar, als ob sich wie in „Standing horses“ ein aus Papier und Teekesseln zusammengesetzter Zug seinen Weg durch die Schwerelosigkeit bahnen möchte.
Selbst die Venus von Willendorf, jene 25.000 Jahre alte Venusfigur aus der Altsteinzeit, die im August 1908 an der Donau gefunden wurde, scheint zu Stech-Homsys Musik aus Sternenstaub geschaffen und klammheimlich zur Erde geschwebt zu sein – das zumindest lässt „Venus of Willendorf“ glauben.
„Frontier“ ist ein Bad in Kometenstaub, ein bizarres und trotz aller Dissonanzen harmonisches Geschöpf, das stets komplett in sich selbst zusammenzufallen zu droht, nur um sich selbst von Grund auf neu zu formen. Es ist ein filigranes Werk voller Sehnsucht nach Dingen, die außerhalb von dem liegen, was wir tagtäglich von unserer Umgebung weiß gemacht bekommen. Es verlangsamt den Blick und lässt den Atem ruhiger werden – sofern man es lässt.
Und das, ja das sollte man.
Thomas Henz
Bewertung: Highlights: The umbrella, The diamond wall, Standing horses, The last childs tear, Fall up, Nameless Lowlights: -
Weiteres Material: Webseite: http://www.myspace.com/daniellestechhomsy
Tracklist: 1. Heartless 2. Ferris 3. The Umbrella 4. The Diamond Wall 5. Venus of Willendorf 6. Standing Horses 7. The Last Child's Tear 8. Frontier 9. Fall Up 10. Stars Are 11. Nameless 12. Never Get You (Bonus) 13. The Light House (Bonus) 14. The Visitor (Bonus)
VÖ 13.3.
- Artikel bei Amazon bestellen
- Artikel bei iTunes kaufen |