 Seit langem war die Alte Mälze in Regensburg wieder ausverkauft. Zuletzt wusste Tito & Tarantula im März letzten Jahres diese unscheinbare Fabrik der Zeitkultur zu füllen. Wie ein Lauffeuer hat sich die Nachricht verbreitet: „La Brass Banda kommen nach Regensburg!“ Berechtigte Fragen folgten: „Wer ist denn das und was machen die überhaupt für Musik?“
Nun die erste ist schnell beantwortet. La Brass Banda sind fünf Jungs aus dem Chiemgau im besten Alter. Darunter der Bassist Oliver Wrage und der Schlagzeuger Manuel da Coll. Nun könnte man sich den Rest simpel ausrechnen, aber so einfach ist es dann doch wieder nicht. Denn keine zwei Stromgitarren und ein Gesangspart komplettieren die Besetzung, sondern Trompete, Posaune und Tuba (Stefan Dettl, Manuel Winbeck und Andreas Hofmeir). Wenn man nun noch hinzufügt, dass in bayerischer Mundart gesungen wird, denkt man sofort an Volksmusik, was gar nicht so verkehrt ist. Denn der Auftritt von La Brass Banda am 13. November war Musik fürs Volk.
Selten sah man Jung und Alt gleichermaßen unbeschwert tanzend und singend nebeneinander. Von 16 bis 60 war an diesem Donnerstag wohl alles mit dabei. Man kam sich vor wie auf einer zünftigen bayerischen Hochzeit. Die Band zog Barfuß und in kurzen Lederhosen, begleitet von ihrem Song „Brassbanda“, Richtung Bühne und die gute Laune stand Spalier. Der Rhythmus ging sofort in Mark und Bein, als auf der Bühne Bass und Schlagzeug mit einsetzten. Von Brass bis Techno hatten diese charmanten Kerle alles im Repertoire. Hier verschwammen die Stilrichtungen und doch formten die Bläser alles zu einem unverwechselbaren eigenen Sound.
 Simple musikalische Stilmittel ließen die Meute kurz verschnaufen, sehnsüchtig warten und dann wieder bis zur Decke springen. Nun blieb dies dem älteren Publikum natürlich nicht verborgen und manche meinten: „Die spielen immer das selbe, da da da da, dann werden sie wieder leiser, langsamer und dann beginnt das Ganze wieder schneller von vorne.“ Recht hatten sie. Aber La Brass Banda wissen genau was sie tun, sind sie doch alle professionelle Musiker, das Mozarteum lässt grüßen. Und vor allem wissen sie, dass sie Unterhaltungsmusik machen, die Texte sprechen für sich. Niemand sagt, dass sie es nicht anders könnten. Aber wir wollen es auch gar nicht anders. Es gibt genug Jazzbands und Bläserensembles, die streng nach Schema F spielen. La Brass Banda sind so außergewöhnlich, weil sie es nicht tun und sich selbst nicht ganz so ernst nehmen.
Denn wer sagt, dass Bläser nur in eine Jazz- oder Scaband gehören? Und wer sagt, das unsere bayerische Muttersprache im Musikantenstadl auf dem musikalischen Abstellgleis verkümmern muss? Von dieser Band wird man auf jeden Fall noch eine Menge auf die Ohren kriegen. War ihr Auftritt doch einer der musikalisch unterhaltsamsten, charmantesten und besten seit langem. Kleine Intermezzi, wie eine Yogastunde vom Schlagzeuger Manuel da Coll, bei der sich die ersten Reihen synchron auf dem Bierverklebten Holzboden wälzten oder ein als kleines Amouröses Theaterstück getarntes Call and Response von Trompete und Tuba sorgten für nicht nötige Auflockerung. Zwar ließ sich auch diese Combo dazu hinreißen ein Medley aus gängigen Coversongs hinten anzufügen, doch hat man ihnen das auf Grund der positiven Resonanz des Publikums schnell verziehen.
 Denn wie gesagt, La Brass Banda machen U-Musik. So würden wir zur zweiten Frage kommen, die natürlich mit der Bezeichnung „U-Musik“ nicht hinreichend beantwortet ist. Blasmusik, das ist es auf jeden Fall, aber nicht nur. Balkanjazz, Zigeunerbrass, Bierzeltreggae, Volksmusik. Vielleicht ist es von allem etwas. Aber sicher ist, La Brass Banda lassen sich in keine gängige Schublade des heute so verbrauchten Popgenres stecken und das ist auch gut so.
Verfasst von Nadine Lorenz
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.labrassbanda.com
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