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Die Tour zum Album war bereits ausverkauft, da gab es die neue Scheibe noch nicht einmal zu kaufen. Die Toten Hosen sind auch mit Erscheinen ihrer mittlerweile 12. Studioplatte noch immer eine Institution und sagen sich diesmal los von jeglichem „Jägermeister“-Schabernack. Doch kann die neue Ernsthaftigkeit auch nachhaltig rocken?
Bodenständig sind sie ja geblieben. Man sieht sie ab und an in Düsseldorfer Kneipen, sie besuchen ihren Lieblingsfußballverein auch im neuen Stadion noch (wenn auch nicht mehr so oft) und sie legen die Füße auch mal im ICE hoch (Augenzeugen berichten…) – abgehoben sieht anders aus. Lediglich Frontman Campino, der auf den bürgerlichen Namen Andreas Frege hört, gönnt sich immer mal wieder Ausflüge in die Schauspielzunft und mimt etwa in Wim Wenders Film „Palermo Shooting“ einen nachdenklichen Fotografen oder in einer Interpretation von Brechts „Dreigroschenoper“ den Mackie Messer an der Seite von Birgit Minichmayr.
Von eben jener war er dann auch so angetan, dass er sie mir nichts dir nichts ins Studio der Hosen einlud, um mit ihr die einzige Ballade der Platte und das erste Duett der langen Bandgeschichte aufzunehmen. Das wirklich schöne „Auflösen“ macht zusammen mit der leider ins Gegenteil abfallenden 08/15-Ballade „Tauschen gegen dich“ dem Albumtitel allerdings alleine alle Ehre.
 Denn neben Dampfwalzen wie „Strom“, das nach Rock’n’Roll Lehrbuch durch sowohl Text als auch Musik zu einem gnadenlosen Mitgröhler gemacht wurde, dem Anti-Überwachungs-Pamphlet „Die letzte Schlacht“ oder dem ironisch elektronischen „Disco“, einem Dancefloor-Rockmix, den es in dieser Art von den Hosen noch nie gegeben hat, werden die Songs spätestens im Refrain stadiontauglich und lassen keinen Zweifel daran, dass die Toten Hosen musikalisch nicht gealtert sind.
Textlich entfernen sich Campino und Co allerdings deutlich von Partykrachern wie „Jägermeister“ oder „Bommerlunder“ und beschäftigen sich mehr denn je mit dem Lauf der Dinge und wie der Einzelne mit Alleinsein, Angst und Zweifel umgehen kann. Sowohl lyrisch als auch musikalisch behandelt „Ertrinken“ jenes Thema am besten, dicht gefolgt vom nostalgischen „Wir bleiben stumm“, das auf die Überreste der damaligen Düsseldorfer Punkkultur zurückschaut.
 Und ein klein wenig Epik können sich die 5 Düsseldorfer dann auch nicht verkneifen, wenn „Angst“ am Ende mit gespannten Streichern und ruhelosen Gitarrenarpeggien vom ewigen Kampf gegen den Druck des immer mehr abfordernden Lebens und der damit verbundenen Angst zu versagen berichtet.
Die Toten Hosen haben sich mit „In aller Stille“ zwar nicht neu erfunden, aber zurück zu akzeptabler Form gefunden. Und der Schritt in die dauerhafte Ernsthaftigkeit tut der Platte nach all den Jahren nur gut. Die 13 Songs sind mal allzu gewohnte Hosen-Kost, mal progressive Mitschaukler und mal gut durchdachte Rockgebilde. Mal wieder ein Hosen-Album für die Ewigkeit.
Reinhören kann man dann auch hier: http://www.dietotenhosen.de/inallerstille/
Außerdem werden die Toten Hosen zu jedem Konzert der „Machmalauter“-Tour ein hochwertiges MP3 File mit der Konzertaufnahme ins Netz stellen – kostenlos…ist das zwar nicht, aber für Fans natürlich eine feine Sache (Infos hier).
Bewertung: Highlights: Ertrinken, Auflösen, Angst, Strom Lowlights: Alles was war, Tauschen gegen dich
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.dietotenhosen.de Myspace: http://www.myspace.com/dietotenhosen Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Toten_Hosen
Tracklist: 1. Strom 2. Innen alles neu 3. Disco 4. Teil von mir 5. Auflösen 6. Leben ist tödlich 7. Ertrinken 8. Alles was war 9. Pessimist 10. Wir bleiben stumm 11. Die letzte Schlacht 12. Tauschen gegen dich 13. Angst
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