Es schraddelt, es wummert, es bohrt sich ins Hirn. 1984 treiben ihren Wave, der genauso gut 1981 der nächste heiße Scheiß gewesen sein könnte, direkt ins marode Tanzbein. Dass die 3 Franzosen nicht zuletzt mit Joy Division verglichen werden, ist nur nachvollziehbar. Die Platte riecht nach verqualmten und schweißgetränkten Kellerclubs.
Und dabei scheuen sich Sänger und Gitarrist Etienne Nicolini, Bassist Bruno Pelgatti und Drummer Thomas Figenwald nicht auch mal aus ihren gar nicht eng abgesteckten Grenzen auszubrechen und auch mal ferne Country- und Jazzanleihen erklingen zu lassen. Da ist man gar fast schon überrascht, wenn bei „Swoon“ ein klar erkennbarer Basslauf vor sich hin groovt und die E-Gitarre psychedelische Kreise zieht oder in „Desert dancers“ dieses fast schon artrockende, eineinhalb Minuten kurze…DING…aus den Boxen kriecht.
Und gerade für solche Eskapaden muss man der Band dankbar sein. Es sind nicht etwa die zwar guten, aber eben nicht brillianten Opener, welche die Platte ausmachen. Nein, viel bezeichnender für die Stärke der Franzosen sind die abwechslungsreichen Experimente, die zwar stets vom sehr belegten Gesang Nicolinis geprägt sind, aber eben immer wieder für einen (Verzeihung!) Aha-Effekt sorgen. Besonders „The last men“ hat es dem Autor hier angetan.
 Dieses fast sechseinhalb Minuten lange Shoegazer-Epos mit seinem unpassend modernen Bassgeblubber, das nur wieder zurück in die richtige Zeit geholt wird, wenn die in Höhen getränkten E-Gitarren ihr El-Mariachi Stelldichein geben, bläst sich jede Minute mehr auf, nur um den Hörer am Ende doch noch auszulachen – aber hört selbst!
In welcher Sprache 1984 singen, ist manchmal auch nicht ganz so deutlich zu vernehmen. Allerdings beschränken sie sich in der Tat nicht nur auf das Englische, sondern lassen es wie in „L’ homme aux os“ (zu übersetzen mit „Der Mensch aus Knochen“ oder vermutlich auch „Das Skelett“) auch mal auf Französisch rocken. Verstehen muss man das nicht zwingend – Hauptsache der Allerwerteste wackelt ordentlich im knackig arrangierten Takt.
Und so ist „Open Jail“ das mehr als gelungene Debüt einer Band, von der noch Vieles zu erwarten wäre. Zwar fehlt der ganz große Hit, aber was nicht wird, kann ja noch werden.
Eine kostenlose Hörprobe gäbe es dann auch hier: http://www.weekenderrecords.de/mp3/1984-the_wait.mp3
Bewertung: Highlights: Cocooning, The missing voice, The last men, Swoon, By Dint Lowlights: Baikal Amour Magistral
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.myspace.com/band1984
Tracklist: 1. Cocooning 2. Cache-Cache 3. Skandiska 4. L'homme aux os 5. Swoon 6. Desert Dancers 7. The Missing Voice 8. Baikal amour magistral 9. The Last Men 10. The Wait 11. By Dint
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