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Was soll man denn über diese Band noch schreiben? Seit über 30 Jahren huldigen die in früher Kindheit nach Australien migrierten Schotten von AC/DC mit jedem Album ihrem unverwechselbaren Rock’n’Roll, der getragen wird von Brian Johnsons Pressgesang und Angus Youngs Gitarrenspiel, das die Pausen in den Songs derart perfekt einsetzt, dass viele Coverbands beim Versuch die Songs nachzuspielen frustriert ihre Gitarre in die Ecke gefeuert haben. „Black Ice“ ist da nicht anders. Kein Geniestreich, aber einfach immer noch ordentlicher Fahrstuhlrock.
Dass AC/DC mit “Black Ice” an Hits wie „Thunderstruck“, „Highway to Hell“ oder “For those about to rock (we salute you)” anknüpfen, hat niemand erwartet. Und wie kann man überhaupt formulieren, was man sich für das neue Album erhofft hatte? Sollte es urplötzlich ein Bruch werden? Ein Ding, das Millionen von Unterkiefern gen Erde klappen lässt ob des Wagemuts neues Terrain zu erkunden und mit einer solchen Tradition zu brechen?
Doch wohl nicht! Wie kann man denn schöner in jugendlichen Fantasien schwelgen, als zur Musik von AC/DC? Dieser Musik, die es einem Mittfünfziger wie Angus Young noch immer erlaubt in einer Schuluniform auf der Bühne herumzufegen und Fahnen auf Unterhosen zu sticken, die dann zum Vergnügen Aller landesspezifisch präsentiert wird.
 Nun sind seit „Stiff upper lip“ 8 lange Jahre ins Land gezogen und „Black Ice“ klingt, als ob die Band vor 2 Monaten aufgetaut wurde, um die Songs einzuspielen und auf (eine bereits restlos ausverkaufte) Tour zu gehen. Johnson liefert seine Vocals ohne Frage perfekt und vielleicht so agil wie vor 20 Jahren ab, Angus Young hat seine Gitarre sowieso im Griff, fällt neben dem Gesang diesmal allerdings nicht ganz so auf und der andere Young sowie Cliff Williams am Bass und Phil Rudd an der Schießbude sind sowieso Musikmaschinen, denen niemand etwas vor macht.
Als Referenz für „Black Ice“ herhalten darf allerdings nicht das eher mittelmäßige und gar poppige „Rock’n’Roll Train“ (in seiner Süße nur noch getoppt von „Anything goes“), das für einige Sorgenfalten in den Gesichtern vieler Fans gesorgt haben dürfte. Viel mehr sind es Songs wie „She likes Rock’n’Roll“ oder „Big Jack“, die an alte Zeiten, als Alben noch schwarz waren, erinnern. Ersterer Titel sollte ohne Probleme die T-Shirts weiblicher Fans wie von Geisterhand gen Himmel fliegen lassen und „Big Jack“ ist nicht nur der perfekteste AC/DC-Song auf „Black Ice“, sondern auch eine weitere unsterbliche Nummer auf der ohnehin schon langen Liste der Band.
 Leider plätschern trotz der mal wieder im Akkord produzierten Stadionrefrains, die zum Großteil auch funktionieren sollten, zu viele Nummern einfach so dahin, als dass sie sich nachhaltig im so lange hingehaltenen Hörerohr festsetzen könnten. „Rockin’ all the way“ klingt auf Papier viel versprechend, dümpelt dann allerdings dreieinhalb Minuten mutlos vor sich hin. „Rock’n’Roll dream“ stellt einen ernst zu nehmenden Versuch dar eine Ballade unters Volk zu schmuggeln. Funktioniert ganz gut, mehr allerdings nicht. „Spoilin’ for a fight“ erinnert derart stark an eine ziellose Mischung aus 10 anderen Titeln, dass man den Track schon nach dem 2. Mal nicht mehr hören mag – weder Fisch noch Fleisch.
Nichtsdestotrotz liefern AC/DC hier solide Rock’n’Roll Musik ab – die vielleicht ehrlichste dieser Tage. Und gerade zu Zeiten, in denen Metallica mit ihrem Rückgriff zum Thrash ganze Häuserblocks ausradieren und sich viele alt eingesessenen Rockjünger nicht so recht mit neumodischen Erscheinungen zurechtfinden wollen, stehen AC/DC wie Felsen in der Brandung, haben beim Classic Rock immer noch die Hosen an und watschen die meisten Band mit einem „Schaut her, so wird’s gemacht!“ ab – gerade weil es so lange gedauert hat, bis das neue Werk endlich da war. Es wäre allerdings ein interessanter Versuch gewesen „Black Ice“ zwei bis drei Jahre nach „Stiff upper lip“ herauszubringen und die Reaktionen zu beobachten. Der Veröffentlichungszeitpunkt scheint perfekt gewählt…
Thomas Henz
Bewertung: Highlights: Big Jack, She likes Rock’n’Roll, Money Made Lowlights: Spoilin’ for a fight, Wheels
Weiteres Material: Webseite: http://www.acdc.com Reinhören: http://www.myspace.com/acdc
Tracklist: 1. Rock N Roll Train 2. Skies On Fire 3. Big Jack 4. Anything Goes 5. War Machine 6. Smash N Grab 7. Spoilin' For A Fight 8. Wheels 9. Decibel 10. Stormy May Day 11. She Likes Rock N Roll 12. Money Made 13. Rock N Roll Dream 14. Rocking All The Way 15. Black Ice
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