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Man kann über dieses verschrobene Wesen, das 1949 in Kalifornien, exakt 8 Jahre nach Pearl Harbor, geboren wurde, denken was man will, seine Musik verabscheuen oder lieben. Man weiß am Ende nie genau, mit wem man es zu tun hat. Patrick Humphries, seines Zeichens Journalist und Autor unzähliger Biographien, fuhr Waits nicht nur ein Mal in seinem Wagen zurück durch die Geschichte und bringt uns den Künstler näher, als es bisher vielleicht möglich war – wenn auch mit Lücken.
Der Autor, Patrick Humphries, ist kein unbeschriebenes Blatt. Seit 1976 macht sich der Journalist in schriftlicher Form Gedanken über Popmusik. Bis dato schrieb er eine nicht unerhebliche Anzahl an informativen Büchern etwa über Paul Simon, Nick Drake oder Bob Dylan. Dabei musste er sich allerdings nicht selten des Vorwurfs erwehren es bei den einen oder anderen Fakten nicht immer so genau zu nehmen.
Auch sein neuestes Werk „Die vielen Leben des Tom Waits“ leidet trotz all seiner Fähigkeit zu unterhalten und dem unvoreingenommenen Leser Tom Waits näher zu bringen unter der Tatsache, dass einem viel zu schnell klar wird es hier mit der absoluten Hörigkeit gegenüber diesem schroffen Biest Waits zu tun zu haben.
 Seine, oder besser: Die Erzählung des Künstlers selbst beginnt mit der eigenen Geburt, die tatsächlich in einem Yellow Cab (einem Taxi) am Hintereingang eines Krankenhauses stattgefunden haben soll. Das Taxameter sei noch gelaufen und wüsste man nicht unvermittelt, dass Humphries hier ohne Umwege den Wortlaut des Künstlers wiedergibt, wäre die Geschichte vielleicht ein unterhaltsamer Spaß eines mittelprächtigen Gangsterromans. Doch so wie diese „Tatsache“ zwar ironisch bemerkt, aber letztendlich doch im Raum stehen bleibt, bleibt auch der Eindruck, man wüsste niemals, welche Erzählung nun auf Fakten beruht und welche nicht.
Da wird seitenweise über die Herkunft Waits’ philosophiert, ohne Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen oder den Leser spüren zu lassen, dass jener sich auf die beschriebenen Ereignisse verlassen könne.
 Doch Humphries ist gewieft, denn er schreibt ja nicht seit gestern. Er verpackt die Anekdoten um Tom Waits wie ein Drehbuch zu der am Leben des Sängers, Autors und Schauspielers angelehnten Lebensgeschichte und weiß zu unterhalten. Und wie sonst soll man auf den Geschmack kommen, mehr über dieses Jazz-Rock-Folk-Wunder zu erfahren als über im Raum stehen gelassene Berichte.
Wer einen ersten, spannenden Einblick in die Seele des Mannes mit dem Hut bekommen möchte, dem sei „Die vielen Leben des Tom Waits“ ans Herz gelegt. Leser, die sich ernsthaft mit dem Künstler auseinandersetzen wollen, schauen sich lieber bei trockeneren, aber weniger ausschweifenden Quellen um.
Bewertung: Herausgeber: Bosworth Music ISBN13 9783865432339 Preis: 24,95 €
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.tomwaits.com Myspace: http://www.myspace.com/tomwaits
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