 Reduziert, gefühlvoll und intensiv - mit ihrem achten Studio-Album, dem ersten seit dem 2005er „Redbird“, ersingt sich Heather Nova wieder mehr Raum, um zu versuchen mit „Jasmine Flower“ ihre eigenen Wurzeln zu offenbaren.
Hörer, die die inzwischen 41-jährige Singer/Songwriterin noch nie bewusst gehört haben, können sich vermutlich der Annahme nicht erwehren, einem kleinen Kind, das mit seinen Eltern Beatles und Cat Stevens hörend einem selbstgebauten Segelboot an den Bermudas und den Kanarischen Inseln vorbeischippert, sollte für seine künstlerische Laufbahn eine gewisse Leichtigkeit in die Wiege, oder besser ins Segelboot gelegt worden sein.
Leichtigkeit…verströmt Heather Nova tendenziell jedoch eher nicht. Nennen wir es an dieser Stelle einfach Schönheit, auch Schönheit der Zerbrechlichkeit, der Sehnsucht, der Klarheit, die sie nach außen transportiert. Insofern wird ihr neues, stark balladenlastiges Album letztlich auch in diesem Zusammenhang zu einer Frage der Interpretation: Bringt schwermütige, sehnsüchtige Musik Leichtigkeit, weil sie Verbundenheit oder Intimität schafft?
In jedem Falle führt Heather Nova, die selbst Darstellende Kunst studierte und sich schon immer in ihrer künstlerischen Laufbahn mit Gedichten, Texten und dem Malen beschäftigt hat, den Hörer auf „The Jasmine Flower“ mit ihren bildhaften Lyrics mal flehend, mal sanft oder rau auf eine fast schon spirituelle Reise durch eine (ihre) zerbrechliche und dennoch teilweise verträumt hippie-esk angehauchte Gefühlswelt. Sie erzählt von Wünschen, Sehnsüchten („Ride“, „Maybe Tomorrow“), der Suche nach dem Festhalten des „Glühens“ das allzu schnell wieder verschwindet („Looking For The Light“), von Einsamkeit, der Schönheit eines intensiven Moments („Beautiful Storm“), von Hoffnung und Entfremdung („Maybe Tomorrow“), Trost und Perspektive in der Liebe („If I Should Die“) und der Angst davor etwas zu wagen um glücklicher zu werden („Out On A Limb“, zu Deutsch. „Aus dem Fenster“).
 Weit aus dem Fenster gewagt hat sich Nova indes mit „The Jasmine Flower“ nicht. Eingesetzte Streichinstrumente haben keine experimentelle Funktion, sondern unterstreichen im wahrsten Sinne des Wortes den Ausdruck ihrer klaren Stimme. Durchgehend solides Songwriting. Somit bewegt sie sich zwar nicht mehr im Fahrwasser des Vorgänger-Albums „Redbird“ oder solcher künstlerischer Zusammenarbeiten wie „Renegade“ mit dem bekannten deutschen DJ ATB, dafür fühlt sich „The Jasmine Flower“ bereits beim ersten Anhören irgendwie vertraut an. Sicherlich ein Argument im Sinne derjenigen Fans, die hoffen mit dem neuen Album wieder die „altbekannte“ Heather Nova zu bekommen.
Dabei ist jedoch – auch wenn stellenweise der Eindruck entsteht - nicht gesagt, dass sich die Songs durchgehend an der Grenze zur „Abgegriffenheit“ entlang hangeln – „If I Should Die“ beispielsweise zündet den Funken quasi schon im Kopf des Hörers vor, weil man schnell versteht, worauf der Song hinaus will – und dennoch vermag er auf das Herz überzuspringen. Wenn man ihn lässt.
 Nova selbst über die Entstehungsweise des Albums:
“I played around a lot over the last 2 years with different sounds and ideas, but in the end I decided I wanted to make my most stark record to date, so I recorded the songs with just me and my guitar. Afterwards we added a string quartet to a few tracks.”
Letztlich scheint der zugehörige Crash ihres Studio-PCs vollkommen in ihrem Sinne gewesen zu sein: Je reduzierter das Instrumentarium - umso klarer treten Texte und Stimme hervor und beschwören zu verstehen, was sie meint.
Nach den ersten elf Tracks ist man trotz aller Vertrautheit und Klarheit dennoch beinahe erleichtert, dass nach Verklingen von „Follow Me In Grace“ kein schwermütiger letzter Track folgt, der einen zum Abschluss noch einmal mit in die Tiefe der Wehmütigkeit reißt. Der Spieß wird gekonnt und überraschend umgedreht, und so gelingt es Nova, mit „It´s always Christmas“ noch einmal mit erstaunlicher Frische und Dynamik zu locken. Sie singt beschwingt... von den Situationen, die in ihr ein Gefühl wie Weihnachten hervorrufen – und mit dieser Stimmung bleibt man zurück.
Insofern klingt es insgesamt einleuchtend, dass die Jasmin neben der Rose der am meisten verwendete Blütenduft ist.
Verfasst von Ela
Bewertung: Highlights: Beautiful Storm, Ride, Out On A Limb, If I Should Die, Always Christmas, Out In New Mexico Lowlights: Every Soldier Is A Mother´s Son, Hollow, Follow Me In Grace
VÖ 10.10.
Tracklist: 01 - Ride 02 - Beautiful Storm 03 - Maybe Tomorrow 04 - Out On A Limb 05 - Every Soldier Is A Mother´s Son 06 - Out In New Mexico 07 - Looking For The Light 08 - Hollow 09 - If I Should Die 10 - Say Something 11 - Follow Me In Grace 12 - Always Christmas
Tourdaten: 15.10.2008 Hamburg | Große Freiheit 16.10.2008 Berlin | Columbiahalle 21.10.2008 München | Muffathalle 22.10.2008 Stuttgart | Theaterhaus 24.10.2008 Köln | E Werk
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