PeterLicht als einen der interessantesten Künstlers dieses Landes zu bezeichnen, ist einfach. Ihn als einen der Bedeutendsten zu sehen, ist da schon schwerer, denn so recht mag man den Wahlkölner nicht verstehen – oder vielleicht interpretiert man auch nur zu viel in den Herren, der einst kurz aufs Sonnendeck verschwand, hinein? Auf jeden Fall beobachtet PeterLicht auf „Melancholie und Gesellschaft“ sehr genau und stellt allzu oft die richtigen Fragen, ohne sich allerdings mit Antworten anzubiedern.
Als ob man sich nicht selbst ständig schon genug Gedanken um die Bilder im Fernsehen oder den eigenen Lebensstil macht. Da kommt mal wieder PeterLicht um die Ecke und knallt dem Land, diesem Mitläufer des Verfalls, seine Fehler vorn Kopp - ob im verträumten „Räume räumen“ oder im flotten, allerdings noch eine Nummer bedeutungsschwangereren „Marketing“, das in sechseinhalb Minuten so ziemlich jedem Hörer mindestens zwei Mal ob des vorgehaltenen Spiegels auf den Schlips tritt. Nur der Himmel hier noch scheint helfen zu können.
Und ist das Bild einer scheinbar unkontrollierbar gewordenen „Gesellschaft“ nach den ersten Songs zunächst erschöpfend ausgemalt, lässt Licht den Hörer mit „Dein Tag“, dessen Titel leichter verdaubar scheint, als er tatsächlich ist, nachdenklich zurück und hebt gerade an dieser Stelle der Platte das besungene Thema noch viel mehr ins helle Licht.
 Titel dieser Art, die Arrangements an sich und der Prozess, den es benötigt Texte zu schreiben wie anscheinend nur PeterLicht es kann, stellen dann auch den melancholischen Teil der Platte dar. Apropos Arrangements: Die Homerecording-Zeiten scheinen ein für alle Mal vorbei zu sein, hat sich der Sänger auf „Melancholie und Gesellschaft“ doch mit drei Kollegen seiner Live-Kapelle zusammen getan und bietet voll ausstaffierte Piano-Gitarren-Bass-Schlagzeug-Nummern.
„Meine ersten Platten bewohnen einen eher diffusen Raum im Äther, und meine Seele ist da immer noch“, erklärt Licht. „Trotzdem haben die vielen Live-Konzerte eine neue Dimension gebracht – das Musikmachen bekommt etwas leicht Geerdetes, Gerades, wenn man auf einem Festivals spielt, 2000 Zuhörer direkt anspricht, und wenn die dann auch noch hüpfen und mitsingen.“
Ganz vom ironisch witzigen Ton kann PeterLicht bei all der Tragik dann allerdings doch nicht lassen. „Stilberatung/Restsexualität“ regt mit seinem Appell an eigentlich jeden, der irgendwie Produkte schafft, doch bitte keine nackte Haut mehr zum Zwecke der Vermarktung zu zeigen, ordentlich zum Schmunzeln an.
Am Ende allerdings überwiegt der melancholisch nachdenkliche Ton und man kann sich bei PeterLicht dafür bedanken, dass er trotz Inhalten, die manchmal schwer wie hundert Ambosse scheinen, wieder viele richtige Töne- und Silben getroffen hat. Denn bedroht fühlt man sich nie. Da überlässt es Herr Licht doch noch jedem Einzelnen, wie er mit den gesungenen Denkanstößen umgeht. Allein die Musik wirkt zuweilen etwas repetitiv. Aber es würde nicht wundern, wenn selbst das gewollt ist.
Das Cover übrigens basiert auf einer Aktion der Kölner Gruppe SEE!
Bewertung: Highlights: Räume räumen, Marketing, Dein Tag, Heimkehrerlied Lowlights: Beipflichten
VÖ 5.9.
Weiteres Material: Webseite: http://www.peterlicht.de Reinhören: http://www.myspace.com/peterlichtmusic
Tracklist: 01. Räume räumen 02. Alles was Du siehst gehört Dir 03. Marketing 04. Dein Tag 05. Beipflichten 06. Trennungslied 07. Heimkehrerlied 08. Stilberatung/Restsexualität 09. Freunde vom leidenden Leben 10. Landlied
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