Nach sehr geradlinigem Südstaaten-Rock’n’Roll auf dem Vorgängeralbum gehen Black Stone Cherry auf „Folklore and Superstition“ nun einen Schritt weiter und präsentieren sich nicht nur musikalisch sondern auch lyrisch viel abwechslungsreicher. Wir haben reingehört und mit dem Schlagzeuger John Fred Young ein wenig über Festivals, Hobbies und natürlich das gute neue Album gesprochen. Zum Bericht und Interview (Update: Pre-Listening) geht's hier...
Aufgrund der Tatsache, dass BSC im Veröffentlichungsjahr ihres zweiten Albums einige bedeutende Festivals abklappern, was nicht nur auf Promozwecke, sondern auch auf die Qualität ihres Debüts und dem im August erscheinenden „Folklore and Superstition“ zurückzuführen ist, kommt man dieser Tage kaum an den Bluesjüngern aus den südlichen Gefilden der USA vorbei. Zusammen mit altbekannten Rockern wie Def Leppard, Whitesnake oder Kiss standen sie Ende Juli etwa im belgischen Dessel beim dortigen Graspop Festival auf der Bühne.
Wie fühlt sich das an mit solchen Legenden auf einer Bühne zu stehen? Sehr cool, wir sind ja mit Def Leppard und Whitesnake bereits durch England, Irland und Schottland getourt. Mit solchen Ikonen auf der Bühne zu stehen ist immer super und außerdem sind die Jungs echt klasse Typen. Rick, der Schlagzeuger von Def Leppard, ist ein guter Freund von mir und Doug Aldrich wird vermutlich unserer Band beitreten (lacht).
Welche anderen Bands hast du dir denn noch angesehen? Leider keine, weil ich mir beim Graspop meinen Knöchel verdreht habe. Wird aber schon wieder besser und daheim lasse ich mich dann noch mal durchleuchten.
Gänzlich vom Pech verfolgt sind BSC dann aber doch nicht, denn das neue Album „Folklore and Superstition“ sollte ähnlichen, wenn nicht sogar besseren Anklang finden als der Vorgänger „Black Stone Cherry“. Die Songs sind abwechslungsreicher und verlassen sich nicht nur auf die strikt nach vorn gehende Mentalität der alten Songs, sondern bedienen auch mal den Geschmack der vom Rock’n’Roll des Freundes gebeutelten Freundinnen. Auch die kraftvollen Rock’n’Roll Bilder sind teils ersetzt worden durch einfühlende Lyrik wie etwa in „Things my father said“ oder „Please come in“.
Wie würdest du den neu gewonnen Sound und gerade die Diversifizierung dessen innerhalb des neuen Albums beschreiben? Nun, das letzte Album war eher „straight southern Rock’n’Roll“. Auf „Folklore and Superstition“ haben wir viel mehr Einflüsse eingebracht. Und das nicht nur musikalisch, sondern auch innerhalb der Texte. „Things my father said“ etwa handelt von Menschen, die ihren Vater verloren haben und ist damit viel emotionaler und an Momenten der Liebe orientiert als die Songs zuvor. „Please come in“ schlägt in die selbe Richtung und handelt von einer großen Liebe, die enttäuscht wird. Der Protagonist lernt dann das nächste Mädchen kennen und sagt ihr einfach, dass sie keine Spielchen spielen soll. „Peace is free“ hingegegen strahlt viel mehr Optimismus aus und es ist gerade auch diese eigentlich schon immer vorhandene positive Einstellung zu Dingen, die wir rüberbringen und mit der wir die Menschen mitreißen wollen.
Aber ist es nicht verwunderlich, dass dann im Gegensatz zu alten Texten der blinde Mann plötzlich seine Augen sucht oder der Rainman um Sonnenlicht bettelt? (lacht) Naja, das ist so eine Spielerei mit Worten, die man eher im Gesamtkontext sehen sollte. „Blind Man“ z.B. handelt von Menschen, die oft übersehen werden - Obdachlose etwa. Und gerade hier soll auch der Fokus liegen auf das, was jene Personen eigentlich ausmachte oder immer noch ausmacht. Der „blind man in disguise“ könnte genauso gut Jesus sein.
Songs wie „Ghost of Floyd Collins“ basieren dann wieder auf wahren Begebenheiten (Floyd Collins wurde bei einer Höhlenforschung von einem einstürzenden Schacht begraben und starb dort nach einigen Tagen erfolgloser Rettungsversuche), die irgendwie auch mystisch rüberkommen. Wer hatte die Idee dazu bzw. wo kommt das Interesse an solchen Themen her? Solche Einfälle haben wir alle und bringen sie dann auch ein. Wenn man aus der Gegend von Kentucky kommt, wächst man mit der heimischen Folklore auf und entwickelt wie die dortigen Einwohner auch ein gewisses Interesse an Geistergeschichten oder Dingen, die irgendwie mystisch klingen. Letztendlich sind wir aber Rock’n’Roll Geschichtenerzähler und lassen die südamerikanische Kultur in unsere Musik einfließen.
Welcher ist denn dein Lieblingssong vom neuen Album? „Sunrise“, weil es dieses karibische Flair hat und sich wie ein cooler Sommer-Party-Song anfühlt. Live freue ich mich besonders auf „Long Sleeves“.
Neben klar einer Linie folgenden Songs wie die oben genannten befindet man sich bei „The Key“ dann plötzlich in einem Mittelteil, der sich vom Rest des Songs abzukoppeln scheint und hier wird klar, dass BSC viel mehr Selbstvertrauen in sich und ihr Songwriting bekommen haben.
Ich persönlich mag „The Key“ am liebsten. Der Song bietet gerade mit seinem Mittelteil sehr viel Abwechslung und Einfallsreichtum. Da hört man auch mal ein Banjo… Oh ja, Mann. Danke! Hier haben wir enorm viel rumexperimentiert. So wie die Beatles, die auch oft Instrumente benutzt haben, die nicht auf Alben davor zu hören oder eigentlich auch gar nicht nötig waren! Wir haben bei dem Song zum Beispiel eine Truthahn-Lockpfeife benutzt oder eben das Banjo. Was war da noch? Achja, ein Glockspiel, eine Basedrum, wie sie bei Marschkapellen benutzt wird, Weingläser, Harfen, ein Wasserfall aus Kentucky…
 Welche Musik hört ihr eigentlich so auf Tour? Und findet das gemeinsam statt oder hört da jeder mit seinen Kopfhörern das, was er gern mag? Wenn wir über die Anlage Musik hören, dann Lynard Skynard oder ZZ Top, Aerosmith, Led Zeppelin – alles mögliche eigentlich. Das kann dann auch Funk, Motown oder Reggae sein.
Und was liegt demnächst so an? Wir touren viel und drehen das Video zu „Blind Man“, das in einem ehemaligen Tuberkolose-Sanitarium gefilmt wird. Dort starben etwa 60.000 Menschen und weil auch diese Menschen irgendwie von allen anderen separiert wurden, trifft es das Thema des Songs ganz gut. Dann touren wir wieder, spielen zu Hause ein paar CD-Release Parties, touren wieder und versuchen so die Weltherrschaft an uns zu reißen.
Bleibt bei all den Plänen auch noch Zeit für Hobbies? Ja klar. John fotografiert gerne – ich übrigens auch, aber er ist wesentlich besser als ich (lacht). Ich gehe gerne auf die Jagd oder angle gern. Chris spielt gern in der Band seines Bruders „The casting shadows“. Ben ist süchtig nach myspace und spielt Gitarre auch dann, wenn er frei hat.
Letztendlich ist BSC mit „Folklore and Superstition“ ein sehr solides Rockalbum gelungen, das eingängige Hooks bietet, neben den langsameren Songs ordentlich zu schieben vermag und die ein oder andere Überraschung innerhalb der Songs zu bieten hat. Die Weiterentwicklung ist deutlich zu hören und man scheut sich auch nicht vor Themen, die vielleicht nicht dem klassischen Rock’n’Roll folgen wollen. Zusammen mit dem letzten Album haben die Jungs eine sehr ordentliche Mischung aus „In-your-face-Rocksongs“ und hymnischen Titeln im Gepäck. Manch einer mag den ein oder anderen Song als zu romantisch empfinden, aber so lange BSC auch in Zukunft ordentlich auf die Tube drücken können und vielleicht sogar noch experimentierfreudiger werden, steht dem weiteren Versuch der Welteroberung nichts im Wege.
Update 25.8.: Auf der myspace Seite gibt es das komplette Album als Pre-Listening!
Bewertung: Highlights: The Key, Blind Man, Reverend Wrinkle, Peace is free Lowlights: The bitter end, You
VÖ 29.8.
Weiteres Material: Webseite: http://www.blackstonecherry.com Reinhören: http://www.myspace.com/blackstonecherry
Tracklist: 1. Blind Man 2. Please Come In 3. Reverend Wrinkle 4. Soulcreek 5. Things My Father Said 6. The Bitter End 7. Long Sleeves 8. Peace Is Free 9. Devil's Queen 10. The Key 11. You 12. Sunrise 13. Ghost of Floyd Collins
Tourdaten: 19.11.08 - Hamburg, Knust 24.11.08 - Wiesbaden, Schlachthof 25.11.08 - Bochum, Matrix 27.11.08 - Berlin, Magnet 28.11.08 - München, Backstage 02.12.08 - Köln, Underground 03.12.08 - Stuttgart, Die Röhre
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