|
Als sich 2003 die Guano Apes trennten und damit ein mittelschweres Loch in die hiesige Rocklandschaft rissen, war lange nichts mehr von den Protagonisten der bis dahin erfolgreichsten deutschen Alternative-Band zu hören. Die ehemalige Sängerin Sandra Nasic hatte mit ihrem Solodebüt nur mittelprächtigen Erfolg zu verbuchen und jetzt versuchen sich die übrigen Mitglieder mit neuem Sänger an einem…nein, ein Comeback ist es nicht - eher ein Neuanfang auf bedeutungsschwangeren Pfaden.
Es dauerte nach Trennung der Guano Apes keine 3 Monate, bis sich Dennis Poschwatta, Stefan Ude und Henning Rümenapp wieder trafen, um gemeinsam Musik zu machen. „Wir haben dabei überhaupt nicht an eine neue Band gedacht, sondern hatten einfach Bock, was zu machen“, gibt Rümenapp zu Protokoll. Aber erst 2006 fand man in Charles Simmons, einem ehemaligen Soul-Sänger, der unter anderem im Dunstkreis von Moses Pelham die Stimmbänder beanspruchte, einen neuen Sänger, der „große Lust hatte, mal etwas mit viel Energie und Druck zu machen. So richtig in your face.” Und so gründete man iO.
 Bis dato spielte die Band an die 50 Konzerte, so etwa auch letztes Jahr beim Big Day Out, wo die Band bereits ihren neuen Stil gefestigt hatte und für die noch sehr sonnige Uhrzeit bereits eine ordentliche Schar Menschen um sich versammeln konnte – viele bestimmt aus Neugier, denn bekannt waren sie damals noch nicht.
Hellsehen ist zwar eine äußerst angreifbare Obsession des Kritikers, doch ob es mit dem dauerhaften Durchbruch klappt, sei dahin gestellt. Denn so auf den Punkt gebracht Musik und (diesmal auch sehr politische) Texte sein mögen, so austauschbar erscheint die Platte. Die Songs sind kraftvoll und pointiert produziert, bleiben allerdings kaum länger im Gedächtnis als ein Truck, der volle Lotte vor dem eigenen Gesicht vorbeirauscht und dabei ordentlich Lärm macht. Die 12 Songs kommen größtenteils schwer wie Blei und enorm bedeutungsschwanger daher, sodass kaum Luft zum Atmen bleibt - von Leichtigkeit keine Spur. Es wirkt gerade so, als ob Simmons einiges zu kompensieren hätte und die Rockmusik hinter der Fassade von iO dafür ausnutzt. Denn die Ex-Apes können mit Sicherheit mehr als das, was sie auf „For the masses“ abrufen.
Ab und an bricht die Band wie in „Rage“ aus ihren Soundstrukturen aus und bietet interessante Zwischenparts, bei denen man sich insgeheim dafür bedankt, dass das Gejammer für einen Moment in den Hintergrund rutscht. Denn auch ob der vibrierende Gesang Simmons’ eine breite Fanbasis um sich scharen kann, hängt dann auch sehr vom Geschmack des Einzelnen ab. Zu oft „soult“ der neue Sänger und besonders in den Versen muss man sich immer wieder vorstellen wie etwa Xavier Naidoo vor einer Wand aus E-Gitarren klingen würde. Muss halt nicht sein.
„For the masses“ ist eine Platte mit teils guten Ansätzen, die allerdings eine Unbeschwertheit vermissen lassen, die man von gestandenen Musikern und Männern erwarten dürfte. Simmons’ geballte Faust nervt spätestens nach einer handvoll Songs und wird den Qualitäten der Musiker nicht gerecht. Vielleicht gibt es ja dann doch irgendwann wieder eine Apes Reunion – so unangebracht und platt das hier vielleicht sein mag, den Autor würde es freuen.
Bewertung: Highlights: Mind game, Rage Lowlights: Legacy, Don’t mean nothing, Stupid people
Weiteres Material: Webseite: http://www.io-rocks.com Reinhören: http://www.myspace.com/ioonline
Tracklist: 1. Say Something 2. Don T Mean Nothing 3. In You 4. Attention 5. Stupid People 6. Mind Game 7. Fight Back 8. Stand My Ground 9. Rage 10. The Last To Know 11. Legacy 12. When I Fall
Tourdaten: 30.09. BOCHUM, Matrix 01.10. WEINHEIM, Cafè Central 02.10. WINTERTHUR (CH), Salzhaus 04.10. BREMEN, Lagerhaus 06.10. HAMBURG, Knust 07.10. DRESDEN, Scheune 08.10. MÜNCHEN, Backstage 10.10. SCHWEINFURT, Stattbahnhof 11.10. GÖTTINGEN, Musa 17.10. BERLIN, Magnet 18.10. SULZBACH/MÜRR, Belinda 24.10. COLOGNE, Underground 07.11. KREMS (A), Avalon Exil 08.11. PETTENBACH (A), Bauhof 09.11. WIEN (A), B72 w/4LYN
- Artikel bei Amazon bestellen
- CD bei Musicload kaufen
- CD bei iTunes kaufen
- Tickets bei Eventim bestellen
|