 Um zwischen all den hervorragenden britischen Gitarrenpopbands aufzufallen und sich langfristig auch oben festzubeißen, braucht man schon mehr als einen guten Song. Man braucht mindestens mal 2 davon, ein wenig Abwechslung im Repertoire, ordentlich Lust zum Losfetzen und die nötige Prise Charisma. Kingsize bringen auf ihrem Debüt „Love, Lust and other Disasters“ das alles mit und streuen noch eine kontrollierten Prise nostalgischen Inselpunks dazu.
Mixt man die Strokes, die Arctic Monkeys, ein wenig Pulp, The Coral, Mando Diao (zumindest die ersten beiden Alben) und weiß der Geier was noch alles in einen Topf, mischt einen klitzekleinen Anteil 60er Jahre und 70er Punk dazu („eins, swei, drei, fier!“) und drückt auf den großen, nicht zu verfehlenden Knopf, kommen mit 80%iger Wahrscheinlichkeit Kingsize dabei heraus. Die restlichen 20% stehen für die Chance, dass einem die ganze Pampe im Gesicht explodiert.
Das ist hier zum Glück nicht passiert und so erfreuen wir uns an 45 Minuten voll mit wunderbaren Gitarrensongs, die von vorn bis hinten Spaß machen. Zwar beschleicht den Hörer immer mal wieder das Gefühl, dass sich die Herren Mike McCartney (Sänger), Zanny Ali (Gitarre & Back Vocals), George Daziel (Schlagzeug) und Rupert Hugo Pendray Turners (Bass) mächtig an ihren Vorbildern reiben und erst einmal versuchen, nach bewährtem Rezept zu agieren. Doch machen sie das derart geschickt, dass eben jener Verdacht stets recht diffus bleibt und man sich doch lieber entertainen lässt, als jetzt akribisch jede Note zu untersuchen und „Abklatsch!“ zu rufen.
 Besonders angetan darf man dann auch sein von hübsch melodischen Songs wie „Boy“, „Daze“ oder „Time and Place“, die nie zu lang den Nagel auf den Kopf treffen und genau dann Schluss machen, wenn man gerade wohlig im Beat wackelt. Das verleitet natürlich zum erneuten Hören und macht dann auch direkt wieder Spaß.
Die Mischung macht’s. Und so bieten die Songs allesamt nette Hooks, interessante musikalische Wendungen und besuchen auch mal wieder Amsterdam, das diversen Bands schon als Quell der Inspiration diente. Dass Kingsize auch eine Spur gemütlicher können und nicht ständig auf der Flucht sein müssen, beweisen sie mit dem wundbar orchestrierten „Don’t go expecting the truth“ oder „Don’t fall back“, das beim Tempo zwar mit dem Rest der Platte mithalten kann, mit seinen Jazzgitarren allerdings eine Stimmung zum Verschnaufen generiert.
Die 4 Jungs aus London machen auf „Love, Lust and other Disasters“ alles richtig. Zwar haben sie sich ordentlich was abgeschaut bei allem, was sonst so erfolgreich ist, wissen allerdings ihre eigene Handschrift einzubringen. Die Songs sind überwiegend gut, doch wäre da noch der Überhit, wären Kingsize dieses Jahr eine der Bands, die man gehört haben muss bzw. eigentlich gar nicht überhören könnte.
Das können sie allerdings beim Nachfolger (wann kommt der endlich?) nachbessern und dann steht dem Dauerairplay hierzulande nichts mehr entgegen. Anhören!
Bewertung: Highlights: Boy, Daze, Don’t’ go expecting the truth, Time and Place, Amsterdam, Don’t fall back Lowlights: Girl
VÖ 25.7.
Weiteres Material: Webseite: http://www.myspace.com/thisiskingsize
Tracklist: 1. Boy 2. Temptress 3. Daze 4. What Have We Become? 5. Time + Place 6. Beat Of A Friday Night 7. Amsterdam 8. Don't Fall Back 9. Girl 10. Demons 11. Don't Go Expecting The Truth 12. Rock'n'Roll Dreams
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