Ein Geheimtipp dürften die Fleet Foxes für Viele gar nicht mehr sein, bekommen die 5 Jungs aus Seattle doch gerade ein gewaltiges Medienecho vor allem in den USA und in England (auch wir berichteten). Verständlich, denn mit ihrem Rückgriff auf folkloristische Wurzeln, auf Chöre wie die der Beach Boys und dem Wissen darüber, dass das alles gar nicht so unmodern ist, erobern die Fleet Foxes die Sonnenuntergänge des Sommers.
Ian Pooley, der mit bürgerlichem Namen Ian Pinnekamp heißt, hat sich für sein neues Album ganze vier Jahre Zeit gelassen und ist seit dem 13.6. mit „In other words“ in den Plattenläden eures Vertrauens vertreten. Diese Tatsache mag der Houseszene ein Aufatmen bescheren, denn schließlich ist Herr Pooley seit eh und je einer der Top-Produzenten dieser Nation und mit seinen extrem tanzbaren und stets von lateinamerikanischen Elementen untersetzten Nummern auch international eine feste Größe.
Auf „In other words“ greift Pooley zwar nicht ständig in die lateinamerikanische Rhythmuskiste, setzt allerdings immer mal wieder gut betonte Kontrapunkte zum alltäglichen House-Einheitsbrei. Da gibt es auch schon mal überraschend unscheinbare Fill-Ins und Vocals, die nicht übermäßig sondern gezielt dort eingesetzt werden, wo sie dem Thema der Tracks dienlich sind. Paradebeispiel dafür ist das wirklich gute „Steppin’ out“, das zunächst unscheinbar daher kommt aber nach gut einer Minute mit sehr eingängigem Background-Piano und den nötigen Gesangseinlagen dafür sorgen sollte, dass die sommerlich aufgeheizte Tanzfläche zum Hort guter Laune wird.
Apropos Sommer: „In other words“ macht sich prima als Begleitung lauer Sommernächte, in denen kühle Cocktails die von der Sonne aufgeheizten, tanzwütigen Körper für die nächste Runde aufladen. Da schließt man im hiesigen Büro auch gerne mal die Augen und denkt an den letzten Abend im Strandclub – sei es an heimischen oder internationalen Gewässern – zurück.
„In other words“ ist Pooleys erstes „Berlin-Album“. Der Mainzer zog 2006 nach 15 Jahren aus seiner Heimat in die bundesdeutsche Heimat und begann dort an den Arbeiten zu seinem neuen Werk.
„Als ich hier die alten Drummachines und Effektgeräte wieder angeschlossen habe, wollte ich unbedingt wissen, ob damit noch zeitgemäße Ansätze möglich sind. Schließlich habe ich sie in den letzten Jahren kaum noch benutzt. Von der Atmosphäre her kommen die Songs einer späten Fortsetzung meines „Meridian“-Albums aus dem Jahr 1998 sehr nahe.“
Und ob man jetzt tatsächlich in mediterraner Umgebung mit Sand zwischen den Zehen zu Pooleys Musik tanzt oder einfach nur abends im Zug sitzt und die Lichter vorbeiziehen sieht – „In other words“ ist der passende Soundtrack dazu. Und das spricht für die Vielseitigkeit seiner Musik. 73 Minuten abwechslungsreiche Housemusik – auch für diejenigen geeignet, die sich dieser Stilrichtung erst noch annähern müssen.
Bewertung: Highlights: Steppin’ out, Last Nite, My Kicks Lowlights: What I got
Tracklist: 01. Intro 02. 5 am 03. It´s you 04. What I got feat. Tim Fuller 05. Heat feat. Perry Colo 06. Blue Interlude 07. Steppin´Out 08. Maestral 09. Last Nite 10. Learn feat. Robert Owens 11. The hippest hip 12. My kicks 13. Do the Thang 14. Closer