Ein Geheimtipp dürften die Fleet Foxes für Viele gar nicht mehr sein, bekommen die 5 Jungs aus Seattle doch gerade ein gewaltiges Medienecho vor allem in den USA und in England (auch wir berichteten). Verständlich, denn mit ihrem Rückgriff auf folkloristische Wurzeln, auf Chöre wie die der Beach Boys und dem Wissen darüber, dass das alles gar nicht so unmodern ist, erobern die Fleet Foxes die Sonnenuntergänge des Sommers.
Und die nächste „Überproduzenten-Verwurstung“ eins bisher eigentlich ganz netten Mädels mit ebenso netter Musik. Die authentischere der beiden Simpson Schwestern entfernt sich mit mittelgroßen Schritten nach 2 überaus erfolgreichen Pop/Rock (jaja!) Alben von ihren Wurzeln, entscheidet sich für Timbaland und Co und landet in der bekannten Beatmühle, die auch schon das aktuelle Madonnaalbum verhunzt hat. Durchgequält.
Eines muss man zugeben – als die Single „Out of my head (ay ya ya)“ erschienen ist und das Video dazu auf einschlägigen Musikkanälen zu laufen begann, war man durchaus angetan. Der von Timbaland produzierte Titel (etwas die Hälfte der Songs sind von Herrn Mosley beeinflusst) geht ins Ohr, präsentiert eine andere Ashlee Simpson als diejenige, die man noch von hübschen Gitarrennummern wie „Pieces of me“ kannte. Das Ganze wirkte zunächst irgendwie erwachsener.
Doch was jetzt mit dem Komplettpaket „Bittersweet World“ passiert ist die konsequente Einreihung in die immer einfallsloser werdende Bumm-bumm-hölle unserer beliebten US-amerikanischen Superproduzenten. Zugegeben, auch der Autor dieses bescheidenen Artikels war einst beeindruckt vom schier unerschöpflich wirkenden Einfallsreichtum eben jener Helden. Doch was da in letzter Zeit die Plattenläden erreicht und mit Madonnas Griff ins Klo seinen bisherigen Höhepunkt erreichte, ist unglaublich ödes Geplänkel ohne Nachhaltigkeit.
Zudem weiß man auf „Bittersweet World“ gar nicht woran man ist. Mal taucht da wieder die alte Ashlee Simpson auf (etwa im gitarrenlastigen aber leider recht belanglosen „Little Miss Obsessive“), mal wirkt sie poppig progressiv (im guten „Out of my head (ay ya ya)“ oder im recht hübschen „Hot Stuff“, das dann leider nach 1 Minute verstanden ist und danach vor sich hin tröpfelt) und ansonsten quillen mal schnellere, mal langsamere Rythmen aus den Boxen und am Ende bleibt doch nix hängen.
Und um noch einmal das Thema „Authentizität“ aufzugreifen: Hat man der ehemals leicht rebellisch wirkenden Dame ihre Texte in der Vergangenheit noch abgenommen, wirkt die Lyriksülze heute viel zu generisch – Hauptsache jeder kann reininterpretieren was er möchte. Where’s the statement?
Dass nach eigenen Angaben die Klavierballade „Never dream alone“ (Melodie auch schon wieder vergessen) Simpsons Lieblingssong auf der Platte sein soll, lässt hoffen, dass das Mädel innerlich doch noch auf handgemachte Musik steht und irgendjemand in irgendeinem Labelbüro einfach nicht mehr konnte als die Zuordnung „Simpson – Timbaland“ aufs Papier zu malen und Geld zu bezahlen.
Wenn das Album dann mit „Invisible“ und viel Gitarre ausklingt, als ob alles davor nie passiert wäre, bleibt nur noch ein „Hä?!“ zurück und man versteht „Bittersweet World“ erst recht nicht.
Whatever.
Bewertung: Highlights: Out of my head (ay ya ya) Lowlights: Rulebreaker, Bittersweet world
Tracklist: 1. Outta My Head (Ay Ya Ya) 2. Boys 3. Rule Breaker 4. No Time for Tears 5. Little Miss Obsessive 6. Ragdoll 7. Bittersweet World 8. What I've Become 9. Hot Stuff 10. Murder 11. Never Dream Alone