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Bisher war auf die „Queen of Pop“ immer verlass. Jedes ihrer in den letzten Jahren erschienenen Alben war zeitgemäß und ließ uns erwartet zufrieden und manchmal sogar sehr positiv überrascht zurück. Schließlich arbeiten an einem Madonna-Album nicht irgendwelche Dilettanten, sondern die Creme de la Creme des internationalen Produzentenkosmos. Bei „Hard Candy“ ist das nicht anders. Hier schraubten unter anderem Pharell Williams, Justin Timberlake und der gute Herr Mosley an der neuen Platte herum, machten die Sache wie immer gut, aber größtenteils auch eben nur genau so, wie man es von ihnen erwartet hat.
Es ist schon ein wenig schockierend, wenn man die aktuell auf Dauerrotation laufende Singleauskopplung „4 Minutes“ zu Gehör bekommt. Nein, nein, der Track ist nicht schlecht, auf gar keinen Fall. Aber denken wir doch einmal daran zurück, dass Madonna bisher immer gut war für Titel, die auch Jahre (bis Jahrzehnte) nach Veröffentlichung noch gespielt und – vor allem – gern gehört werden. Bereits die letzte LP „Confessions on a dance floor“ ließ hier schon besorgte Blicke zurück, auch wenn die Platte an sich gut war – aber welchen Titel davon kramt man denn heute noch gern aus dem CD-Regal?
„Hard Candy“ wird genau das gleiche Schicksal erleiden. Veröffentlicht, oft gekauft, angehört, für „ok“ befunden und dann wieder ins Regal gelegt, um dort zu verstauben. Richtig toll finden werden das Album die unter 18jährigen Kiddies und Girlies, die es toll finden Madonna (mittlerweile 50 Lenze alt) zu hören und außerdem huschte da ja auch gerade Mr. Timberlake durchs Bild.
 Aber leider ist die Aufmerksamkeitsspanne hinsichtlich neu servierter Tanzmusik und bunter Bilder bei eben jenen Fans derart kurz und all die wahnsinnig cool klingenden Beats unserer amerikanischen Superhelden so austauschbar, dass auch hier keine langfristige Bindung zu erwarten ist. Momentum nimmt „Hard Candy“ nur auf, wenn mehr Pop in die Sache kommt als bei den beliebig variabel zusammensetzbaren Tracks wie etwa „Candy Shop“ oder „Beat goes on“, die genauso auch auf der nächsten, sagen wir, Britney Spears Platte klingen könnten. Langweilig.
Aber eben jene Titel, die den langjährigen Madonna-Fan an alte Zeiten erinnern könnten, sind rar gestreut. „Incredible“ etwa bricht aus dem stets recht hartkantigen Soundrahmen aus und bietet mit seinen warmen Harmonien und teils sanften Synthies eine willkommene Abwechslung. Gar poppig kommt auch „Miles away“ daher, das zwar wieder von straffen Beats beherrscht wird, aber doch am ehesten an die „alte“ Madonna erinnert.
 Natürlich will niemand die stets gleiche Madonna hören, aber warum muss es denn unbedingt derart flach werden wie mit „Hard Candy“? Auch wenn es das ein oder andere einschlägige Magazin (nicht unbedingt im Bereich Musik) krampfhaft versucht: Es gibt hier nichts zu interpretieren. Tanzen lautet die Devise – ordentlich wummern muss das! Und dann teilweise auch bitte irgendwie im Retro-80er-Gewand verpackt, obwohl auch hier keine Linie zu erkennen ist.
„Hard Candy“. Ein schlichter Lutscher oder doch Anspielung auf die Ambivalenz zwischen einer 50jährigen Popikone und dem Traum eines Pädophilen? Man weiß es nicht, aber das wäre dann auch genauso durchschnittlich kreativ wie die meisten Tracks auf dem Silberling.
Bewertung: Highlights: Miles away, Incredible, Devil woudln’t recognize you Lowlights: Candy Shop, Beat goes on, Spanish Lesson
Weiteres Material: Webseite: http://www.madonna.com/ Reinhören: http://www.myspace.com/madonna
Tracklist: 1. Candy Shop 2. 4 Minutes 3. Give It 2 Me 4. Heartbeat 5. Miles Away 6. She's Not Me 7. Incredible 8. Beat Goes On 9. Dance 2night 10. Spanish Lesson 11. Devil Wouldn't Recognize You 12. Voices
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