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„Stabat Mater dolorosa iuxta crucem lacrimosa” – Das Herz voller Schmerzen stand Christi Mutter bei seinem Kreuz und weinte. Im Jahre 1490 tauchte die erste schriftliche Überlieferung des mittelalterlichen Gedichts „Stabat Mater“, das nach letzten Ergebnissen irgendwann im 13. Jahrhundert entstanden sein soll, auf und ist mit seinem Gesang über das Leiden Marias hinsichtlich der Kreuzigung ihres Sohnes mit hunderten von Interpretationen bis heute ein fester Bestandteil der europäischen Musikgeschichte. Karl Jenkins (Soft Machine, Adiemus) interpretiert den Stoff auf seine Weise.
So mancher wird die Hände über dem Kopf zusammen schlagen und, ohne das neueste Stabat Mater einmal gehört zu haben, vermuten, dass es sich mit dem Neuarrangement des berühmten Stoffes seitens Karl Jenkins doch nur um ein verpopptes Stück pseudoernsthafter klassischer Musik handeln kann. Die Rede ist von jenem Karl Jenkins, der seine musikalischen Fähigkeiten etwa in bekannten Popkapellen wie Soft Machine und Adiemus auslebte, allerdings in der Komposition orchestraler Partituren kein Neuling ist.
So hat der 1944 in Wales geborene Künstler im Jahr 2000 mit „The Armed Man - A Mass for Peace“, einer Vertonung verschiedener religiöser Texte basierend auf einem französischen Lied des 15. Jahrhunderts, bereits einiges an Lob erhalten und zeichnet sich verantwortlich für Filmmusik (etwa Donnie Darko) oder auch Titel diverser Werbebotschaften. Dass er sich nun an „Stabat Mater“ heran wagt ist damit zwar kein Paukenschlag, aber dennoch überraschend.
 Jenkins Version hält sich dabei nicht immer an die Vorgabe der überlieferten Lyrik. Sechs Titel enthalten Zeilen etwa von Jenkins selbst („And the Mother did weep“), von Carol Barratt („Lament“) oder auch von verschiedenen altertümlichen Texten, die von Dichter Grahame Davies passend auf das Metrum der originalen Abfassung umgeschrieben wurden. Lyrisch am modernsten ist dabei zweifelsohne das „Lament“, welches mit seiner schlichten Instrumentalisierung und der herausragenden Interpretation von Sängerin Jurgita Adamonyte musikalisch einen der ergreifendsten Momente dieser Aufnahme bietet. Jenkins übersetzt hier das Leiden Marias auf die von Trauer und Schmerz erfüllten Herzen unzähliger Mütter, die ihre Söhne in Kriegen oder sonstigen sinnlosen Akten der Gewalt verloren haben.
Der Komponist beschränkt sich in seinem Werk dabei nicht nur auf das westliche Verständnis klassischer Musik, sondern setzt vor dem biblischen Hintergrund des Stoffs ganz gezielt orientalische Elemente ein, die sich sowohl in den Partituren als auch in den Texten wieder finden.
Wie auch immer man Karl Jenkins’ Version von “Stabat Mater” aufnehmen mag, als teilweise übereifriges Stück Filmmusik („Sancta Mater“) oder als einem ab und an zu sehr dem Adiemus-Pathos zugewandten Popversatz („Cantus lacrimosus“). Am Ende bleiben einige beeindruckende Abhandlungen des Themas schwermütig im Gedächtnis des Hörers hängen.
Und vielleicht finden sich am Ende neben grundsätzlich an Klassik interessierten Hörern gerade durch die modern anmutende Dramatik der Neuvertonung einige mutige Ohren, die sich mit dem Stoff auseinandersetzen möchten und ihren Einstieg in das Thema finden.
Bewertung: Highlights: Lament, Vidit Jesum in tormentis, Now my life is only weeping, Are you lost out in darkness?, Ave Verum Lowlights: Sancta Mater
VÖ 28.3.
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Weiteres Material: Webseite: http://www.karljenkins.com
Tracklist: 1. Cantus lacrimosus 2. Incantation 3. Vidit Jesum in tormentis 4. Lament 5. Sancta Mater 6. Now my life is only weeping. 7. And the Mother did weep 8. Virgo virginum 9. Are you lost out in darkness? 10. Ave verum 11. Fac, ut portem Christi mortem 12. Paradisi gloria
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