 „Keine verbitterten Phrasen, sondern glasklare Beobachtungen, hauchfeine Nuancen und eine filigrane Lyrik, die manchen Text zu purer Poesie werden lässt“. Künstlerpause. Meine Damen und Herren jener Abteilung, die für den Pressetext dieses Albums verantwortlich ist. Lasst und einmal zusammen Song Nummer 1, der den Titel „Warum bist du bei der Polizei?“ trägt, hören.
Also, Herr Stoyanov ging eines tristen Novembertages durch die Stadt, wollte „nichts verkaufen, nichts einkaufen“, wurde von „2 Gestalten“ aufgehalten, die sich als Politessen entpuppten. Und während die eine unfassbar lasziv S-T-O-Y-A-N-O-V ins Funkgerät buchstabiert, kommt der Herr ob des Anblicks jener Dame ins Grübeln.
„Ihr Gesicht war hübsch, ihre Stimme sanft. Und ihre Uniform deutete die Kurven an. Während ihre Kollegin mich durchsuchte, fragte ich mich: Weshalb bei der Polizei? Wer gab dir diesen Tip?“ La la la – unwichtig – la la la…„ich stell mir vor was du für ´n Mädel wärst – ohne Uniform und mit einem Kleid.“
Geradezu filigran – pure Poesie! Und dazu so glasklar beobachtet. Zugegeben, die Situation ist ein wenig überspitzt dargestellt – vor allem, weil der Rest der Platte lyrisch genau das Gegenteil von dem ist, was hier als Eröffnung präsentiert wird und geradezu klebrig romantisch daher kommt. Aber wer solche Erwartungen weckt und dann so einen platten Opener erwischt, dem sei eine gewatscht.
 Während dann auch die nächsten wenig einfallsreichen und nur schwer erträglichen Soul- und Popnummern vor sich hinplätschern, bleibt ein wenig Zeit für die Biographie des 21jährigen Bulgaren Daniel Stoyanov. Demnach wurde der Sänger in Sofia geboren, kam 1990 nach Deutschland und empfand das Land als…„aufgehende Blumenknospe“. Während sich Familie Stoyanov mit kleineren Jobs über Wasser halten musste, wurde die Leidenschaft des Sohnemanns zur Musik entdeckt und weil er so fleißig ist, hat er jetzt einen Plattendeal ergattert – nunja, singen kann er ja und immerhin schreibt Stoyanov die Texte auch selbst.
Irgendwie wird das Album über die Songs hinweg lyrisch zwar durchaus anspruchsvoller, doch sind die dramatisch gefühlsbetonten und noch sehr jugendlich-philosophisch anmutenden bis auch mal kitschigen Texte allzu oft nur etwas für Kaugummi kauende 14jährige mit rosa Schulranzen, die sich unversehens in Stoyanov verlieben werden. Alles in Allem kann bis auf das einfallsreiche und recht progressiv anmutende „Nachtwandel“ kein Song wirklich überzeugen.
Wer auf der Suche ist nach gutem deutschsprachigen Soul mit R’n’B Einflüssen, der sollte lieber mal bei Meri Voskanian vorbei schauen – eventuell mag Daniel Stoyanov hier auch reinhören. Und vielleicht geht da ja was!
Bewertung: Highlights: Nachtwandel Lowlights: Warum bist du bei der Polizei?, Wenn du, Zu Mama
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Weiteres Material: Webseite: http://www.daniel-stoyanov.de Reinhören: http://www.myspace.com/danielstoyanov
Tracklist: 1. Warum bist du bei der Polizei 2. Weit weg 3. Flügel 4. Wenn du 5. Nachtzug 6. Nachtwandel 7. Evolution 8. Wolken 9. Alle zu Mama 10. Rendez-vous 11. Vergesslich 12. Seid ihr durstig 13. Mehr als ein Lied
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