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Schon etwas länger ist es her, da haben ein paar Jungs aus Hamburg ihre Gitarren umgeschnallt und die Drumsticks ans Gelenk geklebt, um eine Platte aufzunehmen, die die Gummifaust bis zum Anschlag spannt, um sich dann eine Augenbinde umzulegen, im Kreis zu drehen und irgendwann loszulassen. Eines dieser Geschosse ist uns durchs Fenster geklirrt, nennt sich „Millionen denken so wie ich“ und lärmt auch gleich ordentlich los.
Direkter, allerdings sehr melodischer Punk – das sind die Elektroboys. Mit dem lyrischen Wasserwerfer unterwegs, überraschend harmonisch und manchmal auch mit Keyboard. Nie langsam, dennoch auch mal melancholisch. Abwechslungsreich, kraftvoll und verspielt. Ungeschminkt, aus Hamburg, manchmal zuviel Geschrei und zu politisch. Ein Hund, zerbrechliche Freundschaft, der Nachtbus vorbei am Hafen, der einsame Weg nach Hause.
Man kommt kaum hinterher, will man die Eindrücke des Albums zeitgleich zur Musik verarbeiten. Die Elektroboys nageln ihre Botschaften ungefragt in das Brett vorm eigenen Kopf und besingen das Alltägliche – einen Sonntag zum Beispiel. Diesen Tag der Woche, an dem einem weder der Strom ab- noch eine Rechnung zugestellt wird. Der Sonntag, jenes Echo der vergangenen Nacht – jener Nacht, die man nur noch schemenhaft in Erinnerung hat und…besser selber anhören, denn ab hier riecht es nach Erbrochenem.
 Nun ja, auch wenn das Album sehr interessant und in der Tat abwechslungsreich anfängt, quält sich der Mittelteil doch sehr durch unauffällige Punknummern, die außer laut zu sein nicht wesentlich mehr erreichen wollen. Allerdings wussten die Elektroboys um die Wichtigkeit des letzten Songs und lassen „Millionen denken so wie ich“ hymnisch und mit ordentlich Effet ausklingen.
Leo Dülfer, Paul de Janeiro und Ralf Dülfer – die Elektroboys.
Bewertung: Highlights: Glaub mir es ist soweit …, Ich wollt schon immer aus Hamburg wegziehn…, Lowlights: Ich mach alles kaputt, Ich interessier mich nur…,
Weiteres Material: Webseite: http://www.elektroboys.com Reinhören: http://www.myspace.com/elektroboys
Tracklist: 1. Ich mach alles kaputt. 2. Alles kannst du von mir haben, du mußt nur bitte sagen. 3. Glaub mir. Es ist soweit. Wir fordern Anerkennung als eine Minderheit. 4. Ich wollt schon immer aus Hamburg wegziehen. Mach ich aber nicht. 5. Ich muß hier raus. Geschminkt seh ich noch viel besser aus. 6. Ich krach in dich, denn jetzt ist es zu spät. Für einen Ausweg ist es jetzt zu spät. 7. Mein guter Hund, was ist los mit dir? 8. Ich interessier mich nur für den korrekten Sitz meiner Frisur. 9. Sonntag. Für mich der schönste Tag seit Wochen. 10. Ich lach dich an. Du bist interessant. 11. Keiner von uns, der am Boden war, wird wieder unten sein. Keinem von uns wird die Luft ausgehen. Bei uns ist keiner allein. 12. Ich leg das Tränengas wieder weg.
Die Platte kaufen könnt ihr auf der Webseite der Elektroboys (siehe oben).
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