 Kaum sind die ersten 30 Sekunden vergangen, wissen wir, dass wir es hier unüberhörbar mit Tool- und A Perfect Circle-Mastermind Maynard James Keenan zu tun haben, der an Kreativität zu ersticken scheint und immer wieder neue Projekte ins Leben rufen muss. Zum Glück. Und Keenan weiß sehr genau, warum er das tut – denn Puscifer ist zwar gleichsam experimentell, passt jedoch weder wirklich zu den meist düsteren Tool-Visionen noch zur Musik von APC.
Keenan selbst beschreibt das Projekt Puscifer als „Spielwiese für die verschiedenen Stimmen“, die in seinem Kopf herumgeisterten. Man mag sich daher auch schwer tun, dem Gesamtkonzept zu folgen, bietet es doch reichlich Interpretationsspielraum. Das Kunstwerk beginnt beim Cover, das aufgemacht ist wie die Sicherheitsanleitungen in den Haltetaschen von Flugzeugsitzen. Mit reichlich schwarzem Humor wird hier die die imaginäre Fluggesellschaft „Vagina Airlines“ beworben, bei der man es mit Sicherheit nicht ganz so ernst nimmt und auf allerhand Klischees herum reitet – Anspielung auf die USA?
„Ich habe einen Auftrag. Ich muss auf eine geheime akustische Massenverstörungswaffe aufpassen. Wenn ihre Schallwellen freigesetzt werden, fangen Teile des menschlichen Körpers unkontrolliert zu vibrieren an. Wie wenn jemand gähnt, da machen auch alle Umstehenden mit. Effektiv eingesetzt führt das zur vorübergehenden Vernachlässigung sämtlicher alltäglicher Pflichten. Die Körper der Opfer werden aussehen wie vom 'Soul Train' entführt.. Ungefähr so, wie wenn J Lo für das 'Thriller'-Video vortanzen würde. Wirklich sehr beeindruckend. Aber von mir wissen Sie es nicht."
 Die Musik, die Keenan auf „V is for Vagina“ abliefert, folgt im Grunde dem bekannt dunklen Industrial-Art-Style, den man von Tool oder auch A Perfect Circle kennt. Wo bei Tool ein Album allerdings als Gesamtkunstwerk wirkt und A Perfect Circle etwas melodischer und rockiger daher kommt, wirkt Puscifer durchtriebener und in sich offener.
Elemente vergangener Alben sind zwar immer wieder zu finden – etwa das rhythmische Atmen im Hintergrund oder die stampfend vorantreibenden Pianoklänge. Die Songs selber wirken allerdings voneinander losgelöst und differenziert. Da gibt es auf der einen Seite langsam dahin kriechende Titel wie „Dozo“ oder „Drunk with power“, die sich durch stillgelegte und seit Jahren nicht mehr besuchte Abwasserkanäle zu schieben scheinen und sich in Zeitlupe über eine Kirmes der Ausgestoßenen bewegen. Und auf der anderen Seite spielt sich etwa „Momma sed“ gar harmonisch, ja fast gut gelaunt, in die Gehörgänge.
Was treibt diesen Künstler?
"Ich schätze, es ist an der Zeit ein paar Dinge aufzuklären. Wie wahrscheinlich schon vermutet wurde, bin ich ein verdeckter C.I.A.-Mitarbeiter. Daher die Heimlichtuerei. Ich bin seit meinem elften Lebensjahr Agent. Man hat mich auf der Kirmes rekrutiert als ich acht war. Ich vermute, meine mannigfaltigen Auszeichnungen in Knoten binden, Bogenschießen und Viehzucht haben die Behörde neugierig gemacht, aber das ist reine Spekulation. Sagen wir so: genau wie Elvis war ich bereit, dem Ruf meiner Nation zu folgen. Logisch. Natürlich ist alles was ich sage streng geheim und darf nicht wiederholt werden. Wir verstehen uns.”
 Ah ja. Dass der Künstler mit seinen Ideen nicht allein auf weiter Flur steht, zeigt die Liste der Mitwirkenden. Brad Wilk undTim Commerford (beide Ex-Rage Against The Machine, Audioslave), Danny Lohner (Ex-Nine Inch Nails) und Milla Jovovich sind da nur ein Bruchteil der zu Nennenden.
Was am Ende heraus gekommen ist, kann sich definitiv hören lassen. Die Songs in sich sind schlüssig und kreativ umgesetzt. Sie sind wahnsinnig interessant anzuhören und haben immer wieder diese unglaublich groovigen Abschnitte, über sich auch Hexen beim Tanz ums Feuer freuen würden.
Es gibt viel zu entdecken im Lande Keenan und wenn man sich für knapp 50 Minuten lossagen möchte von allem Materiellen und sich mit Kopfhörern in ein dunkles Zimmer sperrt, wird die Musik ihr ganzes Potential entfalten. Für das, was danach passiert, übernehmen wir keine Verantwortung.
Bewertung: Highlights: Momma sed, Dozo, Indigo Children, Rev 22:20 Lowlights: The undertaker
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Weiteres Material: Webseite: http://www.puscifer.com Reinhören: http://www.myspace.com/censorshipisacancer
Tracklist: 1. Queen B 2. DoZo - Version 3 3. Vagina Mine 4. Momma Sed 5. Drunk With Power - Version 2 6. The Undertaker 7. Trekka 8. Indigo Children 9. Sour Grapes 10. Rev 22:20 - Dry Martini Mix
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